Aufsatz 
Geschichte der Mainzer Höheren Mädchenschule während der ersten 25 Jahre ihres Bestehens . 1889-1914
Entstehung
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7. Schlußwort.

Wir ſind am Ende mit unſerer Darſtellung. Während der 25 Jahre ihres Beſtehens hat ſich die Mainzer Höhere Mädchenſchule, wie wir geſehen, faſt ununterbrochen in einem Zuſtande des übergangs und der Amgeſtaltung befunden. Wie erklärt ſich das? Zum Teil gewiß aus äußeren Gründen. Das heutige Mainz iſt nicht mehr dasſelbe wie vor 25 Jahren; es iſt Großſtadt geworden, und mit dem Zuwachs ſeiner Bevölkerung mußte naturgemäß auch die Zahl und die Ausdehnung ſeiner Schulen wachſen. Am deutlichſten läßt ſich dieſe Erſcheinung an der Volksſchule nachweiſen; aber auch die Höhere Mädchenſchule blieb von der fortwährenden Zunahme der Einwohnerzahl nicht unbeeinflußt. Zwar ſo weit iſt es bis jetzt noch nicht gekommen, daß ſich die ſtädtiſche Verwaltung zur Gründung einer zweiten Höheren Mädchen⸗ ſchule entſchließen mußte; allein auf die Dauer wird ſie dieſer Frage doch wohl kaum aus dem Wege gehen können, da ſich, abgeſehen von dem Inſtitut der Engliſchen Fräulein, z. Zt. keine größere Privatſchule am Orte befindet, und da ferner die Höhere Mädchenſchule ſelbſt ſeit Angliederung der Brecher'ſchen Lehranſtalt eine ſolche Ausdehnung gewonnen hat, daß die Errichtung noch weiterer Parallelklaſſen als eine pädagogiſche Sünde bezeichnet werden müßte.

Dazu kommen innere Gründe. Anfangs, im Jahre 1880 und auch noch weiterhin, war unſere Schule, wie dies zunächſt gar nicht anders ſein konnte, bloß ein loſe zuſammenhängendes Bündel von einzelnen Klaſſen, der Lehr⸗ körper nur eine Vereinigung ungleichartigſter Elemente. Infolge des unerwartet früh eingetretenen LCeitungswechſels dauerte es etwa 12 Jahre, bis das Ganze zu einem einheitlichen Organismus umgeſchaffen war; dann aber brachten der Ankauf des Brecher'ſchen Inſtituts und die Errichtung des Neubaus weitere Organiſationsſchwierigkeiten, die erſt 1908 völlig überwunden waren. Inzwiſchen war aber auch die Frauenbewegung immer mächtiger geworden, und immer entſchiedener traten ihre Vorkämpferinnen mit dem Verlangen nach Reform des höheren Mädchenſchulweſens an die Offentlichkeit, und ihre Wünſche blieben bekanntlich nicht unerfüllt.

Allen dieſen Amſtänden in ihrem Zuſammenwirken war es nun zu danken, daß die Mainzer Höhere Mädchenſchule das ihr urſprünglich anhaftende Gepräge 72