Aufsatz 
Geschichte der Mainzer Höheren Mädchenschule während der ersten 25 Jahre ihres Bestehens . 1889-1914
Entstehung
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Mit Genehmigung Großh. Miniſteriums wurde Oſtern 1912 der ſogenannte Werkunterricht(Formen, Zeichnen, Ausſchneiden) in den Lehrplan der 10. Klaſſe probeweiſe eingeführt, teils um ſeiner formalen Bedeutung willen, teils auch darum, weil er gerade auf der unterſten Stufe, in Verbindung mit einer möglichſt großen Anzahl von Spaziergängen, am beſten und natürlichſten den übergang von der bisherigen Ungebundenheit des Kindes zur ſtreng geregelten Schulordnung vermittelt. Dem Anterricht wurde ein von dem Leiter der Vorſchule bis ins einzelnſte ausgeführter Arbeitsplan zu Grunde gelegt, der dem Gange der Jahreszeiten ſowie dem Leſeſtoff der Fibel in erſter Linie Rechnung trägt. Nach den günſtigen Erfahrungen in der 10. Klaſſe wurde der Werkunterricht Oſtern 1913 in der 9. und ein Jahr ſpäter auch in der 8. Klaſſe weitergeführt.

Um den heranwachſenden Mädchen mehr Gelegenheit zu längerem Aufent⸗ halt in freier Luft zu geben, um ihre Marſchfähigkeit zu erhöhen und um ſie mit den Schönheiten der heimatlichen Amgebung bekannt zu machen, wurde ſeit Oſtern 1913 mit den ſogenannten Schulwanderungen— nicht zu ver⸗ wechſeln mit den regelmäßig wiederkehrenden, pflichtmäßigen Klaſſenſpazier⸗ gängen— der erſte Verſuch gemacht. An dieſen gemeinſamen, für die Lehrer wie für die Schülerinnen durchaus unverbindlichen Nachmittagsausflügen be⸗ teiligen ſich ſtetes nur Mädchen aus der gleichen Turn⸗ oder Spielklaſſe; die Leitung übernimmt der(die) betreffende Turnlehrer(in). Anterwegs einzukehren iſt im allgemeinen unterſagt, wohl aber darf bei eingetretener Ermüdung an geeigneter Stelle kurze Raſt gemacht werden. Die rege Beteiligung, deren ſich dieſe Veranſtaltung von vornherein zu erfreuen hatte, ſpricht am deut⸗ lichſten für ihre Beliebtheit und Notwendigkeit.

ahre Senoſhen In dieſem Zuſammenhange ſei auch der weiteren Entwicklung der Lehrer⸗ bibliothek gedacht. Mit ihrer Verwaltung wurde Oſtern 1906 Frl. Mayrhofer betraut, nachdem ſie vorher 3 Jahre lang dem Lehrer Zimmermann unter⸗ ſtellt wergl. S. 36) war. Oſtern 1900 belief ſich der Bücherbeſtand auf etwa 4770 Bände. Abgeſehen von den alljährlichen Neuanſchaffungen wurde dieſer abermals durch zwei Schenkungen bereichert. Die eine, vom 5. Juni 1912, ſtammte aus der Hinterlaſſenſchaft von Frl. Nina Klein(vergl. S. 70), die andre wurde von Frau Oberſt Betzhold aus der umfangreichen Bibliothek ihres ver⸗ 66