Aufsatz 
Geschichte der Mainzer Höheren Mädchenschule während der ersten 25 Jahre ihres Bestehens . 1889-1914
Entstehung
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Die Einrichtung eines wahlfreien Lateinkurſes war die naturgemäße e. Die Ariichtung

Folge der von dem Lehrkörper anfänglich vertretenen Anſchauung, wonach ſich im Anſchluß an die 10 ſtufige Höhere Mädchenſchule mit der Zeit eine Studienanſtalt mit realgymnaſialem Charakter entwickeln ſollte. Und zwar ſchien es geboten, jenen ſo raſch wie möglich ins Leben zu rufen, weil man der in den letzten Jahren immer häufiger auftretenden vorzeitigen Ab⸗ wanderung gerade der beſten unſrer Schülerinnen in das Gymnaſium oder Realgymnaſium auf dieſe Weiſe am wirkungsvollſten zu begegnen hoffte. Im Einverſtändnis mit dem Kuratorium ſowie mit Genehmigung Großh. Mini⸗ ſteriums wurde der Lateinkurs daher ſchon Oſtern 1910 eröffnet, und zwar ließ die Zahl der Teilnehmerinnen es waren 26 Mädchen des achten Schul⸗ jahrs deren Vereinigung zu einer Lateinklaſſe(3b) als berechtigt erſcheinen, während man die übrigen Schülerinnen der gleichen Altersſtufe in den zwei lateinloſen Klaſſen 3a und 3*) zuſammenfaßte. Die Lateinſchülerinnen hatten außer dem ſatzungsgemäßen Schulgeld jährlich einen Zuſchlag von Mk. 40 zu zahlen. Dem Anterricht in den Lateinklaſſen wurde ein be⸗ ſonderer Lehrplan mit wöchentlich 6 Stunden für Latein zu Grunde gelegt, im übrigen war er dem Äbergangslehrplan möglichſt angepaßt und ſuchte den Anſchluß an die Ia des Realgymnaſiums zu erreichen.

Oſtern 19141 wurde der 3b die 2b und dieſer ein Jahr ſpäter die 1b auf⸗ geſetzt; allein andrerſeits hatte der mit dem Erſcheinen derRichtlinien in der Schulreform ſich geltend machende Amſchwung zur Folge, daß man ſchon Oſtern 1912 keine neue 3b mehr errichtete und ſo das allmähliche Eingehen der kaum erſt ins Leben gerufenen Lateinklaſſen vorbereitete. Denn mit dem Oberrealſchul⸗ charakter, den die Mainzer Höhere Mädchenſchule fortan erhalten ſollte, hätten die Lateinklaſſen ſich nicht vertragen; auch würde ihr Fortbeſtehen die Zukunft unſeres Seminars ſowie die uns in Ausſicht geſtellte Studienanſtalt in Frage geſtellt haben.

Aus der 1b traten Oſtern 1913 nur 2, Oſtern 1914 nur 3 Schülerinnen, um ſich das Reifezeugnis zu erwerben, in die lla des Realgymnaſiums über.

Mit letztgenanntem Zeitpunkte verſchwanden die Lateinklaſſen wieder aus unſrem Schulorganismus, in dem ſie zwar ein kurzes, aber für die Mainzer Schulgeſchichte immerhin denkwürdiges Daſein gefriſtet haben. Als

*) Die 3c wurde erſt Oſtern 1912 einſprachige Parallelklaſſe. 57

von Lateinklaſſen.