Noch während der Lehrplanberatungen tauchten bereits neue Fragen auf, ecbeſt e deren Beantwortung ſich nicht weiter hinausſchieben ließ. Vor allem machte Seletta. ſich jetzt die Notwendigkeit geltend, der Selekta eine ſichere Grund⸗ lage zu geben, da bei dem bisherigen Zuſtand ihr Fortbeſtehen mit jedem neuen Schuljahr in Frage geſtellt war. Denn da mit ihrem Beſuche keinerlei Berechtigungen verbunden waren, ſo hatte ſie in der Regel nur wenige Schülerinnen, weshalb der Gedanke nahe lag, ſie ganz eingehen zu laſſen. Um dies zu verhüten, bot ſich nur ein Ausweg dar: man mußte allen den Mädchen, die ſich einmal dem Lehrerinnenberuf widmen wollten, vor ihrem Eintritt in das mit der Darmſtädter Viktoriaſchule verbundene Lehrerinnen⸗ ſeminar den einjährigen Beſuch unſerer Selekta ermöglichen, indem man dahin wirkte, daß ihnen dieſes Jahr für ihr Studium in Anrechnung gebracht wurde. Wenn dies gelang, dann war für die Selekta das alljährliche Vorhandenſein eines gewiſſen Schülerinnenbeſtandes und damit alſo auch ihr Weiter⸗ beſtehen ſelbſt für die Zukunſt geſichert. Zur Erreichung dieſes Ziels be⸗ durfte es nur der amtlichen Zuſicherung, daß die Großh. Regierung unſere Fortbildungsklaſſe und die unterſte Darmſtädter Seminarklaſſe für gleichwertig erachte, und daß ſie, als natürliche Folge einer ſolchen Auffaſſung, den Abiturientinnen der Mainzer Selekta das Recht verlieh, in Darmſtadt gleich in die zweite Seminarklaſſe einzutreten, und zwar ohne Aufnahmeprüfung. Auf Antrag des Kuratoriums wurde von Großh. Miniſterium der Mainzer Schule dieſe Vergünſtigung auch gewährt(Verfügung vom 30. 11. 1895). Wer alſo die Selekta*) mit gutem Erfolge beſucht hatte, brauchte dem Darm⸗ ſtädter Cehrerinnenſeminar fortan nur noch 2 Jahre als Schülerin anzugehören. Allerdings traf dies erſt von Oſtern 1897 an zu, denn bis dahin war der Darmſtädter Seminarkurs zweijährig, weshalb auch die Oſtern 1896 bei uns abgegangenen Selektanerinnen ausnahmsweiſe das Darmſtädter Seminar nur 1 Jahr beſucht haben. Die Vorbedingung dieſer Neueinrichtung aber war eine gründliche Neuordnung der Selekta. Sie wurde fortan in zwei Abteilungen ge⸗ teilt, von denen die eine als Fortbildungsklaſſe(1a), die andere als ane D ge, Seminarabteilung(1b) bezeichnet wurde.— Aufgabe der erſteren war es, wie auch bisher ſchon, diejenigen Mädchen, die noch in einem 11. Schuljahr die
*) Genau genommen: die Seminarabteilung der Selekta(vergl. gleich unten). 29


