ſtalt, ſondern die ganze Stadt wurde durch dieſen Vorfall in tiefſte Trauer verſetzt, wofür die allgemeine Teilnahme an der Beerdigung(30. Aprih) in ergreifender Weiſe Zeugnis ablegte. Sämtliche Klaſſen der Schule, mit Aus⸗ nahme der drei unterſten, nahmen unter Führung ihrer Lehrer und Lehre⸗ rinnen daran teil; ihnen ſchloſſen ſich die Mitglieder des Kuratoriums an ſo⸗ wie eine ſchier unüberſehbare Zahl von ehemaligen Schülern, Freunden und Bekannten des Entſchlafenen; als Vertreter des Großh. Miniſteriums waren Geh. Oberſchulrat Soldan und Oberſchulrat Dr. Eiſenhuth erſchienen. Reiche Blumenſpenden ſowie Worte der aufrichtigſten Verehrung und herzlichſten Freundſchaft, auf dem Friedhofe am Sarge des Dahingeſchiedenen geſprochen, be⸗ wieſen zur Genüge, wie hoch man den Verſtorbenen allerſeits zu ſchätzen gewußt. Beſonderen Eindruck machte die Grabrede des Pfarrers Frohnhäuſer im Anſchluß an I. Cor. 4,2:„Nun ſuchet man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß ſie treu erfunden werden“, worin das hervorragende Pflichtbewußt⸗ ſein und die ſeltene Berufstreue des Entſchlafenen in packenden Worten geſchildert wurden.
Von Anfang an hatte Keller, als es ſich um die Gründung der Höheren Mädchenſchule handelte, dem Plane das regſte Intereſſe entgegengebracht, und nicht wenig hatte er im Verein mit den Männern unſrer Stadt, von denen die erſte Anregung ausgegangen war, für deſſen Verwirklichung ſelbſt gearbeitet. Seine Ernennung zum Direktor aber war der beſte Beweis, wie ſehr man nicht nur ſeine Verdienſte nach dieſer Richtung hin, ſondern zugleich auch ſeine pädagogiſche Begabung in den maßgebenden Kreiſen zu ſchätzen wußte. War es doch keine leichte Aufgabe, die ſeiner in der neuen Stellung harrte. Einen Lehrkörper, deſſen Mitglieder nach Geſchlecht, Her⸗ kunft, Alter und Vorbildung ganz verſchieden waren, ſollte Keller in möglichſt kurzer Friſt zu einem einheitlichen Ganzen umſchaffen und dann mit deſſen Hilfe den äußeren und inneren Ausbau der Schule vornehmen. Die Löſung dieſer Aufgabe verlangte einen Mann mit reicher Organiſationsgabe und ſicherem pädagogiſchen Takt. Daß Keller beides in hohem Maße beſaß, hat er durch ſeine Erfolge glänzend bewieſen. Nur einen Vorwurf konnte man während ſeiner kurzen direktorialen Wirkſamkeit gegen ihn erheben: den der gänzlichen Nichtbeachtung ſeiner Geſundheit; denn ſo ganz und
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Einiges zur Charakteriſtik Kellers.


