Aufsatz 
Geschichte der Mainzer Höheren Mädchenschule während der ersten 25 Jahre ihres Bestehens . 1889-1914
Entstehung
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Eine beträchtliche Stundenzahl iſt dem Anterricht im Franzöſiſchen und Engliſchen zugewieſen. Dieſer Anterricht hat zum Ziel, die Mädchen, ſo⸗ weit dies die Schule überhaupt zu leiſten vermag, in dem mündlichen und ſchriftlichen Gebrauch der beiden fremden Sprachen tüchtig zu machen, dann aber auch, ihnen die literariſchen Schätze und damit die Kultur jener Völker zu erſchließen. Zugleich ſoll mit der zunehmenden Erkenntnis vom Weſen und Bau der fremden Sprache durch die fortwährend ſich aufdrängende Vergleichung den Schülerinnen auch die Eigenart ihrer Mutterſprache erſt recht klar werden, ſo daß auch hier das Prinzip der Konzentration zum Durchbruch kommt.

Nachdem der Redner dann noch kurz auf das Rechnen eingegangen war, kam er auf die Naturwiſſenſchaften zu ſprechen, aus denen er jede trockene Klaſſifikation verbannt wiſſen wollte, und denen er namentlich eine große ethiſche Bedeutung beimaß:

Wenn der Lehrer dem Kinde die Mannigfaltigkeit, Schönheit und Zweck⸗ mäßigkeit der Natur vorführt und es lehrt, überall die gewaltige Schrift des Weltenbildners, den lebendigen Gottesbuchſtaben zu ſchauen, dann wird es in ſeinem Gemüte tief und freudig erregt; es fühlt im einzelnen wie im ganzen des Schöpfers Allmacht und Weisheit und Güte und wird zu ſinniger Beſchaulichkeit und kindlicher Andacht hingeleitet.

Zum Schluß wies der Redner darauf hin, daß auch diefreien Künſte, Turnen und Geſang, den ihnen gebührenden Platz erhalten ſollten, und wandte ſich dann mit ernſten, eindringlichen und doch wohlwollenden Worten an das Lehrperſonal:Nur wenn alle ſich in harmoniſcher Arbeit zuſammen⸗ fänden und ſich jeder als ein Stück des großen Ganzen betrachte, werde die Schule ihre ſchwere Aufgabe erfüllen können.

Nach dieſen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Worten des Direktors widmete Geh. Kommerzienrat St. C. Michel im Namen des Ausſchuſſes, der die Gründung der Schule zuerſt ins Auge gefaßt und angeregt hatte, ſowie im Namen der Eltern der die Schule beſuchenden Kinder allen den Perſönlich⸗ keiten, die das Werk vorbereitet, gefördert und zum erwünſchten Ziele geführt, insbeſondere Herrn Oberſchulrat Soldan, warme Dankesworte. Ein Muſik⸗ vortrag ſchloß die Feier. Am Nachmittage verſammelte der Vorſitzende des Kuratoriums, Beigeordneter Dr. Gaßner, die Vertreter der Großh.

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