Aufsatz 
Geschichte der Mainzer Höheren Mädchenschule während der ersten 25 Jahre ihres Bestehens . 1889-1914
Entstehung
Einzelbild herunterladen

genaueren Ausgeſtaltung dieſes Stufenplanes werden die Lehrpläne der übrigen Höheren Mädchenſchulen Heſſens zu vergleichen ſein, ferner die Lehr⸗ pläne ſolcher außerheſſiſchen Städte, deren Lebens⸗ und Bevölkerungsver⸗ hältniſſe unſerer Stadt nahe ſtehen. Für die Anter⸗ und Mittelſtufe werden außerdem noch die Pläne unſerer Stadtmädchenſchule, der Vorſchule des Gymnaſiums und der Darmſtädter Mädchenmittelſchule benutzt werden.

Ein weſentliches Erfordernis war es, den Anterricht in der Religion aus⸗ giebig und ſachgemäß zu geſtalten. Und es muß mit lebhaftem Danke ausgeſprochen werden, daß mit der gleichen Bereitwilligkeit und der gleichen wohlwollenden Fürſorge die Kirchenbehörden der 3 großen Religionsgemeinden, die in Mainz Tauſende von Bekennern zählen, der Schule Geiſtliche als Religionslehrer zur Verfügung geſtellt haben, ſo daß dieſer Anterricht in vollem Einvernehmen mit der Kirchenbehörde und mit dem Ernſt und Eifer erteilt wird, wie es ein jedes Glaubensbekenntnis von ſeinen berufenen Vertretern fordert, aber auch mit der Rückſicht gegen die anderen Konfeſſionen, wie ſie das Zeichen wahrer und echter Frömmigkeit iſt, und wie ſie eine paritätiſche Schule von allen ihren Lehrkräften unbedingt und unweigerlich verlangen muß...

Den Mittelpunkt des geſamten wiſſenſchaftlichen Anterrichts wird der deutſche Anterricht bilden. Wir haben die Aufgabe, deutſche Mädchen zu erziehen, die dereinſt die Gattinnen deutſcher Männer und die Mütter deutſcher Söhne ſein werden.... und wenn wir als die Grundlage der Erziehung unſerer Schülerinnen die Religion betrachten, ſo tritt ihr ergänzend zur Seite die nationale Erziehung....

Neben dem deutſchen Anterricht kommt dieſe nationale Erziehung zum Ausdruck im Anterricht in der Geſchichte, dem zugleich eine hohe ſittliche Be⸗ deutung innewohnt... Der Geſchichtsunterricht ſoll aber nicht ein aus Zahlen, Namen und Daten zuſammengeleimtes dürftiges Gerippe ſein, ſondern er ſoll ſich in die Lebenszuſtände der Völker verſenken und dem Weſen ihres Geiſtes nachſpüren, und es wird ſo der Geſchichtsunterricht, zumal auf der Oberſtufe, weſentlich Anterricht in der Kulturgeſchichte ſein.

Ergänzend und erweiternd tritt die Geographie hinzu; beide Fächer treten dem deutſchen Anterricht zur Seite, und ſo wird der Anterrichtsbetrieb auf die möglichſte Durchführung des Prinzips der Konzentration gerichtet ſein.

17