Volksſchulen, die Vertreter der Preſſe und außerdem noch eine große An⸗ zahl Mainzer Bürger eingefunden. Auch die Damenwelt war zahlreich vertreten. Nach einem einleitenden Inſtrumentalvortrage übergab Ober⸗ bürgermeiſter Dr. Oechsner unter Hinweis auf die Entſtehung und Ziele der neuen Schule das Schulgebäude ſeiner nunmehrigen Beſtimmung. Darauf ſprach Geh. Staatsrat Knorr von Roſenroth die Glückwünſche der Großh. Regierung aus und verſicherte, daß dieſelbe der neuen Schule auch künftighin jede mögliche Förderung durch Rat und Tat werde ange⸗ deihen laſſen. Namens des hieſigen Realgymnaſiums und der Realſchule brachte Direktor Dr. Schön herzliche Wünſche dar, worauf Direktor Dr. Keller das Wort ergriff, um die Lehr⸗ und Erziehungsgrundſätze, wie ſie für die neu eröffnete Schule maßgebend ſein ſollten, in längerer Rede darzulegen.
Nach kurzer Einleitung wies er darauf hin,„wie es tief im Weſen des deutſchen Volkscharakters begründet ſei, in der Frau ein dem Manne gleichwertiges Weſen zu erblicken und deshalb ihre Bildung der des Mannes ebenbürtig zu machen, während beiſpielsweiſe in Griechenland das Weib ſelbſt zur Zeit der höchſten Blüte der Kultur im allgemeinen weit hinter dem Manne zurückgeſtanden habe.— Was den Anterricht anlange, ſo werde dieſer im weſentlichen dieſelben Fächer umfaſſen, wie bei den Knaben, wobei jedoch Form und Behandlung des Stoffes ſelbſtverſtändlich der beſonderen Veranlagung des weiblichen Geſchlechts Rechnung tragen müßten“. Nach⸗ dem der Redner dann auf das Fehlen eines Normallehrplans für ſämtliche Höheren Mädchenſchulen des Landes hingewieſen hatte, im Gegenſatz zu den höheren Knabenſchulen, wo dieſem Mangel ſchon längſt abgeholfen ſei, fuhr er folgendermaßen fort:„Darum muß für unſere Schule ein Anterrichts⸗ plan entworfen werden, der unter Wahrung der als allgemein gültig aner⸗ kannten Grundſätze den lokalen Bedürfniſſen entſpricht. Der Aufbau der Schule, die 10 Jahresklaſſen enthält, gliedert ſich in 3 Stufen. Die Anter⸗ oder Elementarſtufe umfaßt in 3 Klaſſen das 6. bis 9. Lebensjahr; ſie lehrt noch keine fremde Sprache. Es folgt die Mittelſtufe, die 3 Klaſſen vom 9. bis 12. Lebensjahr umſchließend; ſie lehrt eine fremde Sprache, das Franzöſiſche. Die Oberſtufe bilden die 4 Klaſſen vom 12. bis 16. Lebens⸗ jahr, es kommt hier die zweite fremde Sprache, das Engliſche, hinzu. Zur 16


