— 18— Sinne und ohne jede Anlage zu romantischen Phantasien, ein Autor, dem zwar einzelne Versehen nachzuweisen sind, der aber dabei stets den wohlverdienten Ruf strenger Wahrheits- liebe genoss, der niemals des zu erzielenden Effectes halber etwas schrieb oder verschwieg, wie, frage ich, kam gerade Ephoros dazu für jene romantische Idealisirung der nomadischen Skythen einzutreten? Ich glaube diese Frage so beantworten zu sollen: er that es aus einer übel angebrachten Gewissenhaftigkeit. Ephoros ist der früheste unter den grossen Historikern, welcher die Welt lediglich aus Büchern kennen lernte; das Entlegene sagte ihm mehr zu als das Gegenwärtige— bekanntlich veranlasste Isokrates ihn dazu, seine Studien der alten Zeit, den Theopompos*) aber, die seinen der Gegenwart zu widmen;— er benutzte und citirte zahlreiche Schriftsteller und insbesondere auch vielerlei Dichter, die er in falscher Genauigkeit auch als Geschichtsquellen benutzen zu sollen meinte; und was ist von diesem Standpunkte aus natürlicher, als dass Homer ihm nicht nur, wie dem ganzen Alterthum, als der grösste Dichter galt, sondern auch Wort für Wort wie ein Evangelium der Wahrheit von ihm verehrt wurde? Er steht in diesem Punkte schon auf dem Boden der alexandrinischen und pergamenischen Homerforschung. Um auf die Skythen zurückzukommen, so ist es zuerst die Stelle N 6 von den dεαιτατοο e⁸εσυισρσσων die ihm als Grundlage seiner Ausführungen diente. Ephoros' Ansicht berichtet uns Strabon VII 302 f.(Eph. fg: 76 M.) folgendermassen: »Im vierten Buche seiner Geschichte, welches den Titel»»Europa«« führt, geht Ephoros ganz Europa bis zu den Skythen durch und sagt am Schlusse, die Lebensweise der Skythen überhaupt und auch der Sauromaten sei eine verschiedenartige; denn die einen seien so roh, dass sie sogar Menschen verzehrten, die anderen aber enthielten sich sogar des Flei- sches der Thiere. Andere Schriftsteller nun, sagt er, verbreiten sich über die Rohheit der- selben, denn sie wissen wohl, dass so furchtbare und merkwürdige Berichte Aufsehen machen; man müsse aber auch das Gegentheil darstellen und in Beispielen vorbringen. So wolle er selbst nun über die handeln, welche höchst gerechter Sitten pflegen; seien doch solche unter den nomadisirenden Skythen, die sich von Pferdemilch nähren, und diese zeichneten sich weit vor Allen durch ihre Gerechtigkeit aus, und deren gedächten auch die Dichter: Homer mit den Worten, das Land Aαeτορααeĩ ωeνĩ◻(σςe, diνανοτ⁴ανν ⁴αἀνευαυν be- schaue Zeus; Hesiodos in der sogenannten Die aeoεοοs: Phineus werde von den Harpyien entführt 7Aαιν⁵ οeνĩꝶ eis αo' mτνα oiet ννπιν. Dann gibt Ephoros die Ur- sachen an, wie sie sowohl, weil sie einen einfachen Lebenswandel führen und nicht nach Geldgewinn begierig sind(ou onkoriorai), unter einander nach Ordnung und Gesetz leben(euννωαμνννααια), indem sie Frauen und Kinder und Verwandtschaft und auch alles
*) Auch der nennt einmal die Hyperboreer, in seiner freien Phantasie von den Menschen jenseits der Erde(fg. 76 M.), aber in einer ganz scherzhaften Weise: die Bewohner seiner Stadt Max εος kamen einmal auf unsere Erde und landeten bei den Hyperboreern, als sie aber
hörten, diese seien die glücklichsten Menschen, schätzten sie das menschliche Glück gering und kehrten sofort wieder um.
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