Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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strae a norma justitiae aliquo modo retorqueatur. Denſelben Zu⸗ ſatz haben die Bullen Johannes VIII(876), Stephans VI(891), Benedicts IV.(901), Johanns X.(917), Leo's(930) und dann erſt Sylveſters(999); in dem Originale Benedicts VIII. ſteht dieſer Satz nicht, erſt die Originalurkunde Leo's IX.(1049) und Victors II. (1057) haben auch dieſen Zuſatz. Es würde demgemäß die Frage entſtehen, ob dieſer Zuſatz als genuin in den früheren Urkunden oder ebenfalls als interpolirt anzuſehen iſt. Ich ſtehe nicht an, mich für das letztere zu erklären. Dieſe Beſtimmung kommt zur damaligen Zeit ſonſt nicht vor, ſie ſetzt eine ſpecielle Beaufſichtigung durch den Pabſt voraus und wird ſogar geradezu als Corollar des beſondern Privi⸗ legiums hinzugefügt; es wäre kaum begreiflich, warum man eine ſolche wichtige Beſtimmung in den nachfolgenden Urkunden wiederum weggelaſſen habe; wollte man einwenden, dieſe wären in dieſem Puncte verſtümmelt, ſo läßt ſich der Text der wohl erhaltenen Ori⸗ ginalurkunden ſpäterer Zeit dem entgegenhalten, welcher dieſen Zu⸗ ſatz nicht hat. Wir halten dieſen Zuſatz erſt dann wirklich am Platze, wo die Stellung des Kloſters zum Pabſte weſentlich eine andere geworden; das Kloſter in das Eigenthum des päpſtlichen Stuhles übergegangen war, wie dies oben bereits angegeben iſt und ſeinen Ausdruck gefunden hat, auch in der Originalbulle Clemens II., wo⸗ rin beſtimmt wird, daß das Kloſter„specialiter sub immunitatem sanctae nostrae romanae sedis apostolicae“ zu verbleiben habe; das iſt alſo nach dem Jahre 1049, und ſo finden wir es durch die Originalbulle Leo's IX. auch beſtätigt!’). Man hat von anderer Seite her dieſen Zuſatz auch in den Urkunden aus früherer Zeit für unbedenklich erklärt, indem man ſagte²), derſelbe habe dem Kloſter eine Verpflichtung auferlegt, welche in eine echte Urkunde einzuſchieben ſicher die Mönche kein Intereſſe gehabt hätten. Man könnte das zugeben, wenn durch dieſen Zuſatz lediglich eine Laſt für das Kloſter erwachſen wäre; es lag aber mehr als eine Pflicht, es lag auch ein Recht darin: indem er die Stellung zum päbſtlichen Stuhle regelte und klarſtellte, mußte viel daran gelegen ſein, nachweiſen zu können, daß auch ſchon in früherer Zeit dies Rechtsverhätniß beſtant den habe.

In ähnlicher Weiſe ſcheinen auch der in der Bulle Stephan VI.(891) zuerſt vorkommende Zuſatz: et neque regi neque epis- copo cuilibet vel comiti vel aliae magnae parvaeque personac

¹) Dronke, 750. ²) Sickel, 47,611.