Allgemeine Verhältniſſe.
Die Gründung des Kloſters Fulda in der großen Waldein⸗ ſamkeit, Buchonia, fällt zuſammen mit Ereigniſſen, die ſowol auf kirchlichem wie politiſchem Gebiete auf Jahrhunderte hinaus ziel⸗ und maßgebend wirken und epochemachend dieſe Periode von der vorhergehenden Zeit ſcharf abſcheiden. Es war am 15. Mai 1719, an welchem der Pabſt Gregor dem frommen Prieſter Winfried den Auftrag zur Bekehrung der germaniſchen Stämme ertheilte und die Vollmacht dazu ſchriftlich ausfertigen ließ: denn obgleich ſchon in Bayern chriſtliche Fürſten, Biſchöfe und Prieſter geweiht, Kirchen und Klöſter geſtiftet waren, ſo wie in Thüringen, wo ebenfalls der Samen der chriſtlichen Lehre bereits ausgeſtreut war und mannigfach Wurzel geſchlagen hatte; ſo gehörte dennoch ein großer Theil der Völker, welche das zwiſchen beiden liegende Oſt⸗ franken bewohnten, dem Heidenthume an, große Länderſtrecken, die im Norden an das ebenfalls noch heidniſche Sachſen grenzten. Es war damit für die Sendung Winfried's ein großer und beſonders dadurch, daß viele jener Gaue noch ganz unbekannt waren, auch zu⸗ gleich dornenreicher Pfad ſeiner Wirkſamkeit eröffnet. Unauslöſchlich ſind die Spuren der Wirkſamkeit dieſes bedeutungsvollen und großen Mannes) von der Meeresküſte in Friesland nach dem waldigen, wellenförmigen Hügellande Thüringens über Franken, Heſſen, Bayern bis an die Schnee bedeckten Häupter der Alpen eingegraben; überall entſtanden Kirchen und Klöſter und ſchon waren viele tauſende Bewohner jener Länder zum Chriſtenthume bekehrt, als Bonifacius durch Stiftung feſter Niederlaſſungen ſeinen neuen Schöpfungen Rückhalt
¹) Luden, Geſchichte des teutſchen Volkes III, 603.


