Aufsatz 
Schillers Dramen im Lichte der zeitgenössischen Kritik
Entstehung
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welche der Recensent an dem Drama machte, wurden von Schiller als Fingerzeige zu der Bühnenbearbeitung derRäuber benützt.

In derNeuen Bibliothek der Wissenschaften) liess sich ein Kritikus mehr vom polizeilichen als vom ästhe- tischen Standpunkte aus vernehmen. Da die Aufführung der Räuber nämlich an verschiedenen Orten eine Vermehrung der Diebstahlsfälle zur Folge gehabt haben sollte, so wollte ein Cor- respondent des Blattes das Stück gänzlich von der Bühne ver- bannt wissen. Dass Iffland denTeufel Franz humanisire, so heisst es u. a., dass ereinen Richard III. für Franz Moor ver- kaufe, sei ein vergebliches Bemühen; denn ein Teufel lasse sich ebensowenig humanisiren, alsein Fratzenspiel mit Wahrheit spielen. Die Handlung des Stückes wirdwidersinnig genannt. Karl Moor, so lautet die Begründung dieses Urtheils, ersticht seine Geliebte, weil er durch einen Eidschwur an die Räuberbande gebunden zu sein glaubt, und durch diesen Mord hält er sich von seinen Verpflichtungen(für) entbunden; er ent- lässt die Bande, tritt zweien seiner Gefährten sein ganzes väter- liches Erbtheil mit ein paar Worten ab, entschliesst sich, zur Abbüssung seiner Sünden auf dem Schaffot zu sterben und will dadurch noch eine arme Familie glücklich machen, die den auf seinen Kopf gesetzten Preis für die Anzeige seines Aufenthaltes erhalten soll. Er, der eine ganze Grafschaft wegschenken zu können glaubt, könnte die arme Familie ja bereichern, ohne sie zum An- geben zu gebrauchen und so herabzuwürdigen. Verfällt die Graf- schaft denn aber nicht dem Landesherrn, wenn er auf dem Schaffot stirbt, oder ist er überhaupt im Besitze derselben, um sie weggeben, ganz nach Gefallen an zwei Spiessgesellen weggeben zu können? Doch es hiesse beweisen wollen, dass stinken- der Nebel kein Rosenduft ist(sic!), wenn man sich auf die Unwahrscheinlichkeiten und Unsittlichkeiten dieses Stückes ein- liesse, um sie zu zergliedern. Aber was soll man von dem Ver- stande derjenigen sagen, welche stinkenden Nebel für Rosenduft einschlürfen und auf Stelzen einhergehende Knaben für Göttergestalten ansehen? Dass Schiller in seinem 18. Jahre auf der Militärschule zu Stuttgart ein Stück wie dieRäuber schrieb, erregt Verwunderung: nur ein ausnehmendes Genie

¹) Band 72, S. 167.