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Wärme einbüßen. Clauſius ſtellt deßhalb an ein vollkommenes Gas die Bedingung, der Einfluß der Molekularkräfte ſowohl, als die Zeit eines Stoßes müßten verſchwindend klein ſein, während wir ſo eben ſahen, daß nach den Bedürfniſſen der mechaniſchen Wärmetheorie ſelbſt dieſe Bedingung nicht erfüllt ſein kann, da das Ueberwiegen der Abſtoßung nur allmälig eintritt, und die große Nähe der Atome beim Aufeinanderprallen das Verſchwinden der Molekularkräfte unmöglich macht.
So unentbehrlich die Abſtoßung zur Erklärung der Gasnatur iſt, ſo nothwendig wird ſie und die Anziehung bei den flüſſigen und feſten Körpern. Clauſius erklärt nämlich, dieſe ſeien Zuſtände von ſchwingenden und wälzenden Molekülbewegungen. Die Gaſe würden ſich demnach von ihnen durch das Fehlen der ſchwingenden Bewegung unterſcheiden. Als nun Clauſius die Geſchwindigkeit der Atome von Gaſen aufgeſucht und z. B. die der Waſſerſtoffatome für 00 C. gleich 1844 Meter gefunden hatte, fragte Buijs⸗Ballot:¹) wenn die Atome mit ſo ungeheurer Geſchwindigkeit geradlinig fort⸗ fliegen, wie können dann einzelne Gasarten, z. B. Tabakrauch, ſo lange in Ecken ſitzen bleiben?(Wie, fragen wir, iſt dann die Verdichtung von Gas z. B. an Glasplatten möglich?) In der antwortenden Abhandlung zeigt Clauſius,*) daß nur etwa 37 Procente aller Gasatome jene mittlere Geſchwindig⸗ keit beſitzen, während die übrigen 63 Procente kleinere Wege durchlaufen, weil ſie, in die Wirkungſphären der Abſtoßung anderer Atome gelangend, von dieſen zurückgeworfen werden. Wird aber hierdurch die Bewegung der Gaſe nicht auch ſchwingend, alſo ihr Unterſchied von den flüſſigen und feſten Körpern aufgehoben? Zwar erklärt Clauſius,,) daß bei dieſen letzteren die aus einander treibende Wirkung der Bewegung nicht ſtark genug ſei, um die Moleküle ganz von einander zu trennen. Daher müßten die Atome feſter Körper nur um gewiſſe Gleichgewichtslagen ſchwingen und die der flüſſigen dieſelben nur verlaſſen, um zu andern Molekülen in eine entſprechende Lage zu kommen. Worin aber liegt die aus einander treibende Kraft der Moleküle? Doch nur in der lebendigen Kraft derſelben, alſo in ihrer Maſſe und ihrer Geſchwindigkeit, wodurch auch ihre Temperatur bedingt iſt. Haben nun ein Schwefel⸗ und ein Stickſtoffatom, die nahezu von gleicher Maſſe ſind, dieſelbe Temperatur, ſo müſſen ſie auch gleiche Geſchwindigkeit beſitzen, kehren alſo auch mit gleicher Geſchwindigkeit um, wenn ſie auf die Ab⸗ ſtoßungſphäre eines andern Atoms ſtoßen. Beide Arten von Atomen gelangen dann nach Clauſius in die Anziehungſphäre des zurückſtoßenden Atoms. Bleibt das Schwefelatom in dieſer Sphäre, wie Clauſius für die feſten und flüſſigen Körper vorausſetzt, ſo muß ſeine Bewegung ſofort zu Ende ſein, da ja in der Anziehungſphäre ſelbſt kein Grund für eine hin⸗ und hergehende Bewegung liegt; es iſt dann ſeine Wärme erloſchen. Geht es aber, wie das Stickſtoffatom, über dieſelbe hinaus,(was wir wegen ſeiner gleichen Geſchwindigkeit annehmen müſſen), bis es von einem anderen Atom zurückgeworfen wird, dann iſt ein Unterſchied zwiſchen dem feſten und dem luftförmigen Körper nicht mehr vorhanden.
Nachdem uns ſo gegen die Grundlagen der Bewegungstheorie erhebliche Zweifel aufgeſtiegen ſind, müſſen wir von einer eingehenden Betrachtung der einzelnen Erſcheinungen im Sinne derſelben wegen der Beſchränktheit unſeres Raumes abſtehen. Es iſt uns dies auch dadurch geboten, daß die Meiſter der mechaniſchen Wärmetheorie ſelbſt es bis jetzt unterlaſſen haben, eine zuſammenhängende Darſtellung der geſammten Wärmelehre nach der Bewegungsanſchauung zu geben.
¹) Poggendorff's Annalen, Band 103. S. 250.—*) Poggendorff's Annalen, Band 105. S. 205.— ³) Poggendorff's Annalen, Band 100. S. 360.


