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auch gleiche Wärmemengen in ſich tragen und in ihrer Temperatur durch gleiche Wärmemengen um gleich viel erhͤht werden; daraus folgt, daß gleiche Gasvolumina gleiche Wärmecapacitäten beſitzen.
Die Wärmeänderungen bei Raumverminderungen der Gaſe erklärt Krönig auf folgende Weiſe. Treiben die wider einen Kolben ſtoßenden Gaskugeln denſelben vor ſich her, ſo iſt dies die Folge davon, daß ſie ihm einen Theil ihrer Bewegung mittheilen, alſo von ihrer eigenen Geſchwindigkeit verlieren: daher erniedrigt ſich die Temperatur eines ſich ausdehnenden Gaſes. Drückt aber ein Kolben ein Gas zuſammen, ſo müſſen die ihm entgegenprallenden Atome mit größerer Geſchwindigkeit zurückgeworfen werden, da er denſelben ſeine Bewegung mittheilt: es muß ſich alſo das Gas erwärmen. Strömt da⸗ gegen ein Gas in einen leeren Raum ein, ſo müſſen die Atome nach dem Geſetz der Trägheit ihre Geſchwindigkeit behalten: die Temperatur der einſtrömenden Luft ändert ſich demnach nicht.
Dies iſt der Hauptinhalt von Krönig's Theorie der Gaſe. Wollte nun Clauſius die ſchönſte Frucht ſeiner Arbeiten, das Weſen der Wärme zuerſt als Bewegung dargeſtellt zu haben, nicht voll⸗ ſtändig einbüßen, ſo mußte er die allerdings berechtigte Scheu vor einer, wenn auch nur entfernten Annäherung an die in der Naturforſchung ſo ſehr verpönte Speculation a priori überwinden und mit ſeiner oft angedeuteten Anſchauung hervortreten. Aus ſeiner Abhandlung„über die Art der Bewegung, welche wir Wärme nennen“,“) erfahren wir zunächſt, ſeine Vorſtellungen über die Natur der Wärme ſeien ſchon vor den erſten Arbeiten über mechaniſche Wärmetheorie entſtanden. Der Erklärung Krönig's von der Natur der Gaſe ſtimmt er vollkommen bei, zeigt aber, daß die Gasmoleküle auch eine rotirende Bewegung haben müſſen, wenn ſie eine fortſchreitende beſitzen, weil jeder Stoß, außer dem centralen, neben der fortſchreitenden Bewegung noch eine rotirende erzeugt; außerdem behauptet er, auch die Atome eines Moleküls innerhalb desſelben ſeien in Schwingungen begriffen, ja es könne ſogar ein„feinerer Stoff“ in der Nähe der Moleküle beweglich ſein. Er zeigt ſodann, daß die Geſammtmenge dieſer drei letzteren Bewegungen, die er Bewegungen der Beſtandtheile nennt, zu der fortſchreitenden in einem con⸗ ſtanten Verhältniß ſtehe und beweiſt in einem mathematiſchen Zuſatz, daß die fortſchreitende Bewegung nicht ausreichend iſt, um die ganze in einem Gas vorhandene Wärmemenge zu erklären. Es iſt hieraus erſichtlich, wie unter den ausbildenden Händen von Clauſius die anziehende Einfachheit der Krönig'⸗ ſchen Theorie verſchwindet; doch auch dieſe Erklärungsweiſe läßt immer noch beſcheidene Zweifel zu, wie z. B. die Erſcheinungen der Gaseinſtrömung in einen luftleeren Raum zeigen werden. Ein ſolcher leerer Raum hat dieſelbe oder eine kaum merklich geringere Temperatur, als die Umgebung, alſo wie ein lufterfüllter Raum gerade neben ihm. In dem letzteren iſt die Temperatur durch die Bewegung der Gasmoleküle hergeſtellt, was aber bildet die Wärme in dem luftleeren Raume? Clauſius erklärt zwar an einem andern Orte, ²) daß Aether wi inanden eben ſo leicht die Körpertheilchen in Bewegungen verſetzen müſſen, wie eine Saite durch einen geſungenen Ton, alſo durch Luftſchwingungen, zum Mit⸗ tönen gebracht wird; daraus erklärt er die Erwärmung der Körper mittelſt der Wärmeſtrahlen, und daraus dürfen wir wohl ſchließen, daß er die Wärme des luftleeren Raumes in Aetherſchwingungen ſehen wird, welche durch die benachbarten Körperatombewegungen hervorgebracht werden. Allein, ſtrömt nun in einen ſolchen luftleeren Raum Luft ein, ſo ſind es einen Augenblick ſpäter wieder die Atomſchwing⸗ ungen derſelben, welche die Wärme bilden, da ſie ihre vorherige Geſchwindigkeit während und nach dem Einſtromen beibehalten. Was iſt aber dann aus den Aetherſchwingungen geworden? Sind ſie in dem Raum geblieben, ſo müſſen ſie doch mit eben ſolchem Recht, wie einen Augenblick vorher, Wärme ſein, alſo die Wärme des Raumes verdoppeln; wurden ſie aber durch das einſtrömende Gas nach außen ge⸗ drängt, ſo müſſen ſie die Umgebung erwärmen. Keines von beiden Reſultaten aber findet ſtatt.— Wollte man dagegen annehmen, der luftleere Raum ſei abſolut leer, ſo würde in ihm gar keine Bewegung
¹) Poggendorff's Annalen, Band 100.— ²) Clauſius, populärer Vortrag über das Weſen der Wärme.


