— 40—
hat die Wärme dabei zweierlei Arbeit zu vollbringen; ſie muß zuerſt das Waſſer in Dampf verwan⸗ deln, alſo die Waſſertheilchen in eine ſolche Lage, einen ſolchen Zuſtand, eine ſolche Bewegung(wie man nach den verſchiedenen Grundanſchauungen will) verſetzen, daß dieſelben nicht mehr Waſſer, ſondern Dampf darſtellen; dieſe Arbeit wird die innere Arbeit genannt. Dann aber muß durch die Wirkung der Wärme der Kolben mit den daran hängenden Maſchinentheilen und Widerſtänden vorangeſchoben und ebenſo der ganze Luftdruck überwunden werden; die hierzu nöthige Arbeit nennt Clauſius die äußere Arbeit. Wenn bei einem ſolchen Prozeſſe der Körper, welcher die Wirkung der Wärme, in unſerm Beiſpiele das Waſſer, vermittelte, nach dem Prozeß genau wieder in demſelben Zuſtand iſt, wie vor dem Prozeß, der Dampf alſo wieder zu Waſſer von derſelben Temperatur geworden iſt, dann iſt in der erſten Hälfte des Vorganges ebenſo viel Wärme für innere Arbeit d. h. für die Dampfbildung verzehrt worden, als in der zweiten Hälfte desſelben bei der nothwendig gerade entgegengeſetzten inneren Arbeit, hier bei der Verwandlung des Dampfes in Waſſer, wieder frei geworden iſt; die Menge der eigentlich für innere Arbeit verbrauchten Wärme iſt alſo= Null. Einen ſolchen Prozeß nun, bei welchem der die Wärmewirkung vermittelnde Körper in ſeinen Anfangszuſtand zurückkehrt, nennt Clauſius einen Kreisprozeß. Der vermittelnde Körper kann in demſelben auch mehr als zwei, eine ganze Reihe von Verwandlungen durchlaufen; eine Verwandlung muß aber immer einer andern entgegengeſetzt ſein; dann wird die bei der erſten verbrauchte Wärme erſetzt werden durch die bei der zweiten erzeugte Wärme und es wird dann allgemein der Satz gelten: die bei einem Kreisprozeß zu innerer Arbeit verbrauchte Wärme iſt= Null. Weil aber einer beſtimmten Wärme eine beſtimmte Arbeit entſpricht, ſo muß die innere Arbeit= Null ſein, wenn die zu ihr verwendete Wärme= Null iſt; demnach läßt ſich der Satz auch ſo ausſprechen: bei einem Kreisprozeß iſt die Summe aller inneren Arbeiten = Null. Es wäre aber falſch, darunter verſtehen zu wollen, daß bei einem Kreisprozeß Nichts im Innern des Körpers vorgegangen wäre; die verſchiedenen Vorgänge ſind nur gerade entgegengeſetzter Natur, müſſen alſo bei der Addition der zu ihnen nöthigen Arbeiten mit entgegengeſetzten Zeichen be⸗ haftet werden und heben ſich dann auf, weil ſie an Größe gleich ſind. Der Satz wird der zweite Grundſatz der mechaniſchen Wärmetheorie genannt oder auch der Satz von der Aequi⸗ valenz der Verwandlungen. Er wurde in einer andern, mit einer kleinen Unrichtigkeit behafteten Form ſchon 1824 von Carnot ausgeſprochen und erhielt im Verlauf von Clauſius’ Arbeiten noch andere Geſtalten, ¹) welche beſonders betonen, daß bei Erzeugung einer Arbeit nicht bloß Wärme ver⸗ braucht, ſondern auch von einem Körper zu einem andern in beſtimmter Menge übergeführt werden muß.*)
Dieſe Sätze wurden nun in Gleichungen gefaßt und mit den ebenfalls mathematiſch dargeſtellten Eigenſchaften der Gaſe und Dämpfe in Verbindung gebracht; daraus ergaben ſich viele neue Aufſchlüſſe über das Verhalten der Gaſe und Dämpfe, von denen einige der wichtigeren ſchon in früheren Ab⸗ ſchnitten angeführt wurden; es wurde ſogar eine ganz neue Theorie der Dampfmaſchinen auf den Boden jener Sätze gegründet, welche das merkwürdige Reſultat ergab, daß ſelbſt bei guten Dampfmaſchinen nur wenige Prozente der in der aufgewendeten Wärme enthaltenen Wirkung zur wirklichen Ausnutzung kommen; auch die Theorie der caloriſchen Maſchine und der Gasmaſchine ³) gründen ſich auf dieſe Sätze der mechaniſchen Wärmetheorie.— Thomſon und Clauſius haben endlich die Anwendung derſelben auf die Wärmeverhältniſſe der feſten und flüſſigen Körper begonnen; doch ſind die Erfolge auf dieſem Gebiete noch ſpärlich.—
§. 38. Das Weſen der Wärme im Sinne der mechaniſchen Wärmetheorie.— Der Grundſatz der Aequivalenz von Wärme und Arbeit führte ſchon Jouke zu der Annahme, daß die Wärme
¹) Clauſius, Poggendorffs Annalen, Band 93.— ²) Siehe auch Zeuer, mechaniche Mürmetherie S. 27.— ³) Boëtius, die ealoriſche und die Gas⸗Maſchine.


