Aufsatz 
Das Wesen der Wärme : Versuch einer neuen Stoffanschauung der Wärme mit vergleichender Betrachtung der übrigen jetzt gebräuchlichen Wärmetheorien in allgemeinfaßlicher Darstellung / von Paul Reis
Entstehung
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Aetherhüllen von einander entfernt ſind, je rauher alſo die Körperoberfläche iſt; dieſe Strahlen müſſen dann auch in anderen Richtungen zurückgeworfen werden, als die von den äußerſten Stellen, und müſſen nach ſehr vielen Richtungen gehen, da die anderen Stellen der Kugelhüllen die verſchiedenſten Richtun⸗ gen haben; die Wärme muß alſo von glatten Körpern wenig und von rauhen ſtark zerſtreut oder diffundirt werden.

Wenn die Aetheratome eines Wärmeſtrahls auf den freien Aether eines Körpers treffen und auf den freien Aether der erſten Atomſchichte auch freier Aether in den folgenden Schichten folgt und nie⸗ mals gebundener Aether, ſo daß die freien Aetheratome einen geradlinigen Aetherkanal von gleicher Dichte durch den ganzen Körper hindurch bilden, dann wird die ſtoßende Bewegung ſich durch dieſen freien Aether fortpflanzen, wie durch den leeren Raum: es wird der Wärmeſtrahl durch den Kör⸗ per und auf der anderen Seite desſelben in der vorigen Weiſe weiter gehen. Dieſe Bedingung der Durchſtrahlbarkeit oder Diathermanität eines Körpers iſt am vollkommenſten erfüllt bei den Luft⸗ arten, weil bei dieſen die Menge des gebundenen Aethers gegen die des freien verſchwindet; ſie kann auch im Allgemeinen bei den flüſſigen Körpern eher eintreten, als bei den feſten, weil bei ihnen die Entfernung der gebundenen Aetherhüllen von einander eine größere iſt; bei beiden aber iſt ſie um ſo eher erfüllt, je dünner die zu durchſtrahlende Schichte iſt. Bei dickeren Schichten feſter Körper iſt der Bedingung der Durchſtrahlbarkeit nur dann genügt, wenn die Moleküle ſo gelagert ſind, daß ſie lange Reihen bilden, welche fadenförmige Zwiſchenräume übrig laſſen, in denen die Reihen der freien Aetheratome liegen. Hieraus erklärt ſich die Seltenheit der durchſtrahlbaren feſten Körper, ſo wie die Thatſache, daß Steinſalz mit ſeinem würfelartigen inneren Gefüge und Kalkſpath mit rhomboedriſchen, alſo dem Würfel ähnlichen, Kernformen die größte Durchſtrahlbarkeit zeigen, während Gips und Eis, die ein Nadelgewirre darſtellen, ſchwache Diathermanität beſitzen. Stimmt nun die Richtung der Aetherfäden mit der Richtung der eintreffenden Aetheratome zuſammen, ſo wird ſich die Bewegung in derſelben Richtung mit ungeſchwächter Kraft fortſetzen, und auf der anderen Seite werden die Strahlen austreten, wie ſie eingetreten ſind, vermindert natürlich um die, welche zurückgeworfen und verſchluckt wurden. Stimmen die genannten Richtungen aber nicht überein, ſo werden zwar die Aetherfäden durch den Stoß der eintreffenden Aetheratome in Stoßbewegung verſetzt und das letzte Atom des Fadens wird an der anderen Seite austreten müſſen, während das erſte durch ein neu zutretendes erſetzt wird, aber die Richtung des Strahles iſt verändert: der Wärmeſtrahl iſt gebrochen. Doch auch die Kraft, mit welcher der Austritt geſchieht und daher die Menge der austretenden Atome hat eine Ver⸗ minderung erleiden müſſen, die eben ſo wohl von dem Winkel, den der einfallende Strahl, als auch von dem, den der Aetherfaden mit der Oberfläche bildet, abhängig iſt; denn die Stoßkraft der eintreffenden Aetheratome zerlegt ſich dabei in zwei Seitenkräfte, die eine in der Richtung des Aetherfadens, welche der Fortpflanzung des Strahles vorſteht, die andere in einer dazu ſenkrechten Richtung. Dieſe letztere Componente wirkt auf den gebundenen Aether der nächſten Moleküle verdichtend ein, vermehrt alſo die Dichte des Körperäthers oder die Wärme des Körpers. Finden ſich ſolche Aetherfäden in zwei verſchiedenen Richtungen, ſo kann auch eine Doppelbrechung der Wärmeſtrahlen ſtattfinden. Die Brechung ſowohl, wie die Reflexion hat eine Verminderung der Menge der Wärmeſtrahlen zur Folge, da die freien Aetherſtellen nicht reflektiren und die gebundenen nicht durchlaſſen; eine Wiederholung dieſer Erſchein⸗ ungen kann eine vollſtändige Auslöſchung der Wärmeſtrahlen zur Folge haben, wenn man mehrere Plättchen ſo legt, daß ihre Aetherfäden ſich kreuzen; ſind dieſelben aber parallel, ſo können die durch⸗ das erſte Plättchen gegangenen Strahlen ungehindert durch die folgenden dringen. Hierdurch erklären ſich die Polariſations⸗ und Interferenz⸗Erſcheinungen der Wärmeſtrahlen.

Wir finden in dieſer Betrachtung mehrere Verſchiedenheiten der Strahlenbündel, die durch ver⸗ ſchiedene Körper gegangen ſind, und faſſen dieſelben in zwei Merkmale zuſammen: 1. die Bündel unter⸗