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§. 21. Wärmeerzeugung durch Reibung. Die Entzündung durch Stahl und Stein, durch Streichhölzchen, durch zwei längere Zeit an einander geriebene Holzſtücke, die Erwärmung der Wagen⸗ achſen u. ſ. w. ſind allgemein bekannte Beiſpiele für den Satz, daß durch Reibung Wärme entſteht. Bleiben wir bei dieſen Beiſpielen ſtehen, ſo wird die Erklärung des Satzes nicht ſchwer fallen. Die Reibung beſteht darin, daß die Erhöhungen des einen Körpers die des andern faſſen, ſie voran ziehen und, wenn die Reibung eine hin⸗ und hergehende iſt, auch wieder zurückdrücken. In jedem Fall wer⸗ den die ergriffenen Theile den nicht ergriffenen genähert, dadurch eine Verkleinerung der Zwiſchenräume und hiermit eine Verdichtung des Aethers hervorgebracht. Iſt die Verdichtung ſtark, was in Anbetracht der Größe der äußeren Kraft den kleinen Molekularkräften gegenüber meiſtens der Fall ſein muß, ſo wird viel gebundener Aether zu freiem werden; da nun die Menge des gebundenen Aethers ſehr groß iſt, ſo kann, weil bei fortſchreitender Annäherung der größte Theil des gebundenen Aethers frei gemacht wird, ſehr viel Wärme entwickelt werden. Allerdings müßte dann auch eine Aenderung in der Lage der Theilchen eintreten, die der Reibung ausgeſetzt ſind; das iſt auch in hohem Grade der Fall, wenn die entwickelte Wärmemenge ſehr groß iſt; in nicht für uns merklichem Grade, wenn nur wenig Wärme entwickelt wird.— Von der aufgewendeten Kraft wird ein Theil zur Bewegung der Körpertheilchen und nur der übrige Theil zur Verdichtung des Aethers verwendet; doch iſt der erſte Theil nicht groß, weil die reibenden Körper ſich nur an der Oberfläche und da nur in einzelnen Punkten faſſen, während die Verdichtung des Aethers wegen deſſen unbeſchränkter Elaſticität an allen Theilen ſtattfindet und auch ins Innere fortſchreitet. Es wird daher die erzeugte Wärmemenge mit der aufgewendeten Arbeit in einfachem Verhältniß ſtehen.
Schwieriger und für die Aetherlehre gefährlich wird die Erklärung der Wärmeerzeugung durch Reibung von flüſſigen an feſten Körpern. Schon Rumford“) ſchloß aus ſeinen Verſuchen, man könne durch Reibung eines meſſingenen Cylinders in Waſſer eine unbeſchränkte Wärmemenge erzeugen; es ſei alſo die Wärme kein Stoff, denn die Menge des in einem Körper vorhandenen Wärmeſtoffs müſſe jedenfalls beſchränkt ſein. Als nun gar durch die Verſuche von Joule ²) bewieſen wurde, daß durch eine beſtimmte Arbeit eine beſtimmte Wärmemenge bei der Reibung entſtehe, wie umgekehrt eine beſtimmte Wärmemenge bei anderen Vorgängen in eine beſtimmte Arbeitsgröße verwandelt werde, als er weiter aus ſeinen Verſuchen berechnete, daß durch einen Kraftaufwand von 424 Kilogrammo⸗ meter eine Wärmeinheit d. i. ſo viel Wärme erzeugt werde, als zur Erwärmung von 1 Kilogramm Waſſer um 10 C. nöthig iſt, welches Zahlenreſultat durch verſchiedene andere Verſuche und Rech⸗ nungen beſtätigt wurde, da machte man den Schluß: Wärme und Arbeit ſind äquivalent; man folgerte weiter, die Wärme müſſe eine Bewegung ſein, da die ihr äquivalente Arbeit auch eine Be⸗ wegung ſei. Es entſtand ſo die mechaniſche Wärmetheorie, deren Grundſatz eben dieſer Satz von der Aequivalenz der Wärme und Arbeit iſt und welche, wie wir oben ſahen, ſchon die ſchönſten Reſultate geliefert hat. Wir ſahen aber auch ſchon an zwei Stellen, daß der Satz auch der Aetherlehre entſpricht und ſeine Erfolge die letzte daher nicht vernichten. Hier haben wir nur noch zu zeigen, wie Wärme durch Reibung von Flüſſigkeiten entſteht; mag nun in denſelben ein Cylinder gedreht werden oder mögen metallene Arme durch dieſelbe ſchlagen, immer werden Flüſſigkeitstheilchen mit Gewalt aneinander ge⸗ preßt, dadurch Aether verdichtet und ſo die Wärme erhöht; ob die entſtehende Wärmemenge wirklich unbeſchränkt ſei, darüber belehrt uns kein Verſuch ausreichend; ſehr groß kann dieſelbe ſein, weil die Menge des gebundenen Aethers im Verhältniß zu der des freien ſehr groß iſt; eine der Arbeit verhält⸗ nißgleiche Menge muß es ſein, da in allen Fällen zwar etwas Arbeit zur Näherung der Körpertheilchen verwendet wird, der weitaus groͤßte Theil aber immer die Abſtoßung des Aethers überwindet, alſo den⸗
¹) Joule, Philosophical Transactions, 1850.— ²) Rumford, Philosophical Transactions, 1798.


