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Dieſer hier ſo einfach aus unſerer Theorie abgeleitete Satz wurde zuerſt von dem deutſchen Arzte Mayer“) aus Heilbronn ausgeſprochen und von Joules) durch zahlreiche Verſuche beſtätigt und be⸗ feſtigt; er iſt ſeitdem in den Händen von Clauſius, Rankine, Zeuner u. A. zu dem fruchtbarſten Satze der neueren Phyſik geworden und hat der Wiſſenſchaft zahlreiche Erweiterungen zugeführt. Wir wollen von denſelben nur eine merkwürdige Eigenſchaft des Waſſerdampfes anführen, weil dieſelbe nicht mit Unrecht Aufſehen erregte, aber in einfachem Zuſammenhang mit unſerer Aetheranſchauung ſteht.
Wenn Dampf ſich ausdehnt, mag er geſättigt oder überhitzt ſein, ſo müſſen die Aetheratome, wie bei den Gaſen, weiter auseinander treten, der Aether muß alſo weniger dicht, die Wärme muß ver⸗ mindert werden; iſt der Dampf dem flüſſigen Zuſtand nahe, ſo daß er nur mit der in ihm vorhandenen Wärmemenge als Dampf exiſtiren kann, wie dies beim geſättigten Dampf der Fall iſt, ſo hat jede Wärmeverminderung die Folge, daß ein Theil des Dampfes flüſſig werden muß, wodurch wieder ſo viel Wärme frei wird, daß der andere Theil in luftförmigem Zuſtand verharren kann. Wird alſo ge⸗ ſättigter Dampf ausgedehnt, wie dies in jeder Expanſionsmaſchine der Fall iſt, ſo muß ſich ein Theil desſelben flüſſig niederſchlagen. Dieſer Satz, der von Clauſius und Rankine ³) aufgefunden wurde, ſteht der Anſicht Pambour's, auf welche derſelbe ſeine Theorie der Dampfmaſchine erbaute, direct entgegen, iſt aber ſchon durch Verſuche ⁴) bewieſen.
William Thomſon) wandte zwar dagegen ein, aus den Ventilen der Hochdruckdampfmaſchinen ſtröme der Dampf trocken aus, während dabei doch gewiß eine Ausdehnung ſtattfinde; denn man könne in einen ſolchen Dampfſtrom ungefährdet die Hand halten, was unmöglich ſein würde, wenn der Dampf heißes Waſſer enthielte. Allein, von der Richtigkeit des Clauſius⸗Rankine'ſchen Satzes überzeugt, ſuchte er ſelbſt die letztere Erſcheinung durch die Wärme zu erklären, welche mittelſt der heftigen Reibung des ausſtrömenden Dampfes an den Wänden der Ventile erzeugt werde und das entſtehende Waſſer ſofort wieder in Dampf umwandele. Clauſius ⁶) widerſprach dieſer Erklärung und ſtellte Rechnungsreſultate entgegen, die er aus der mechaniſchen Wärmetheorie erhielt und welche folgende Bedeutung haben. Da Wärme und Arbeit äquivalent ſind, ſo muß viel Wärme vernichtet werden, wenn der Dampf eine große Arbeit verrichtet, derſelbe muß daher theilweiſe flüſſig werden; vollbringt der Dampf nur eine ver⸗ ſchwindend kleine Arbeit, wie z. B. wenn er in die Luft ſtrömt, ſo bleibt er trocken, weil die Wärme desſelben nur durch Arbeit verzehrt wird. Ließe ſich von Seiten der Aetherlehre keine befriedigende Er⸗ klärung dieſer Erſcheinung geben, ſo wäre dieſelbe ein entſchiedener Beweis gegen dieſe und für jene An⸗ ſchauung. Erinnern wir uns aber an die ähnlichen Thatſachen bei den Luftarten, ſo iſt eine Erklärung von unſerm Standpunkt aus wohl möglich. Wir zeigten dort, wie beim Einſtrömen von Luft in die Leere eine Wärmeerhöhung, wenn auch noch nicht nachgewieſen, ſo doch wahrſcheinlich ſei. Stark ge⸗ ſpannter Dampf ſteht aber freier Luft gegenüber in einem ähnlichen Verhältniß. Die Strahlen des Dampfſtroms dringen in die Luft ein, finden aber dort ſchon Aether, der zwar fort⸗, aber auch wieder zurückgeſtoßen wird, ſo daß eine Verdichtung desſelben, damit eine Wärmeerhöhung und hieraus ſchließ⸗ lich die Verdampfung des etwa durch die Ausdehnung erzeugten Waſſers möglich erſcheint, während Dampf, der einen Cylinderkolben vor ſich hertreibt, in die vollkommene Leere hinter demſelben gelangt und dort keinen Aether antrifft. Wäre aber auch dieſe oder Thomſon's Erklärung nicht annehmbar, ſo glauben wir dadurch doch nicht zu einer Entſcheidung für die Bewegungslehre verpflichtet zu ſein, da das Verhalten des ausſtrömenden Dampfes auch ſonſt noch Räthſel bietet, wie ja z. B. die Urſache der dabei ſtattfindenden Electricitätentwickelung noch unbekannt iſt.
¹) Mayer, Annalen von Liebig und Wöhler, Mai 1842. Mayer, das mechaniſche Aequivalent der Wärme.— ²) Joule, Philosophical Transactions, T. 1. 61. und an vielen andern Orten.— ³) Clauſius, Poggendorff's Annalen, Band 79. Rankine, Edinb. Transactions, 20. p. 147.— ⁴) Hirn, Recherches sur l'’équivalent mécanique de la chaleur.— ⁴) W. Thomson, Philosophical Magazine, 37. 386.— ⁶) Clauſins, Poggendorff's Annalen, 82. S. 263.


