Aufsatz 
Hydrodynamische Untersuchungen und deren Anwendung auf die Bewegungen der Atmosphäre
Entstehung
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Hydrodynamische Untersuchungen und deren Anwendung auf die Bewegungen der Atmosphäre

von

Oberlehrer Dr. Otto Rausenberger.

Die vorliegende Abhandlung bildet die weitere Ausführung und Vervollständigung von Untersuchungen, die ich bereits im Jahre 1889 kurz veröffentlicht habe.*) Ich nahm damals in erster Linie den Ausbau des mathematischen Teiles in Aussicht, wurde jedoch längere Zeit von dem Gegenstande abgelenkt, mit dem ich mich erst neuerdings wieder beschäftigte. Obgleich gerade in mathematischer Hinsicht interessante Resultate zu erzielen sind, habe ich mich doch im Hinblick auf den Charakter einer Programmarbeit entschlossen, von den mathematischen Untersuchungen nur das Notwendige zu bringen und das Ubrige an anderer Stelle zu publizieren, dagegen den meteorologischen Teil weiter auszuführen. Dies schien mir umsomehr sachentsprechend, als gerade die hier behandelten Fragen in den letzten Jahren wieder stark in Diskussion gezogen wurden, ohne einen befriedigenden Abschluß zu finden.

Meteorologische Einleitung.

Die dynamische Meteorologie stellt sich die Aufgabe, die Bewegungen der Atmosphäre zu erforschen und auf ihre Endursachen zurückzuführen. Diese Aufgabe ist eine höchst verwickelte, wie die gewöhnlichsten Wahrnehmungen darthun, aber zugleich eine höchst wichtige. Nicht nur der Seefahrer ist von diesen Bewegungserscheinungen abhangig, auch das Klima eines großen Teiles der Erdoberfläche und das tägliche Wetter wird von ihnen hervorragend beeinflußt. Fragt man nach der Endursache der atmosphärischen Bewegungen, so werden wohl die wenigsten zögern, die Antwort zu erteilen: Die ungleichmäßige Erwärmung verschiedener Gebiete der Erdoberfläche durch die Sonne. Die alltäglichsten Beobachtungen im Kleinen zeigen, daß Wrme- differenzen thatsachlich Luftströmungen hervorrufen; dasselbe bemerken wir bei der Entstehung der Land- und Seewinde u. dgl. Wir brauchen daher nicht anzustehen, auch im Großen der ungleichen Warmeverteilung einen hervorragenden Anteil an der Luftzirkulation zuzuschreiben. Ob sie die einzige Endursache der letzteren ist, wollen wir vorsichtigerweise dahingestellt sein lassen; vielleicht spielt doch die Bewegung der Erde auch bei diesen Erscheinungen eine wichtigere Rolle, als man gewöhnlich annimmt. Ich erinnere daran, daß auf der Sonne weit heftigere Stürme tosen als auf der Erde die Beobachtungen von Sonnenflecken und Protuberanzen stellen dies außer Frage und daß dort von ungleicher, von außeu kommender Erwärmung als Endursache nicht wohl die Rede sein kann.

stürme.*)