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V. Zur Geſchichte der Anſtalt. (Gſtern 1904 Bis Oſtern 1905.)
Das Sommerhalbjahr begann Dienstag den 12. April und ſchloß Samstag den 27. September 1904. ſcs Winterhalbjahr begann Dienstag den 11. Oktober 1904 und wird Mittwoch den 12. April 1905 ſchließen.
Mit Beginn des Schuljahres wurde Herr Lehramtsatkzeſſiſt Julius Richter von unſrer Anſtalt abberufen, um eine Lehrerſtelle am Realgymnaſium in Gießen proviſoriſch zu übernehmen. Die Herren Lehramtsaſſeſſoren Auguſt Hohenſtein?) und Wilhelm Hammann“**) wurden am 30. April 1904, bezw. am 29. Juni 1904 als Oberlehrer an unſrer Anſtalt angeſtellt. Während des Winterhalbjahrs war uns Herr Lehramtsakzeſſiſt Otto Hotz zur Fortſetzung ſeines Vorbereitungsdienſtes zugewieſen.
Herr Oberlehrer Profeſſor Dr. Matthäͤi war in den erſten Tagen des Sommerhalbjahrs zur Teilnahme an einem archäologiſchen Kurſus in Berlin, Herr Oberlehrer Lauteſchläger in den erſten Tagen des Winterhalbjahrs zu einer militäriſchen Uebung und Herr Profeſſor Fritz vom 20. bis zum 29. März 1905 zur Teilnahme an einem naturwiſſenſchaftlichen Fortbildungskurſus in Darmſtadt beurlaubt. Auch Herr Oberlehrer Hammann war vom 3. Juni bis zum 2. Juli 1904 zu einer militäriſchen Uebung eingezogen und wurde während dieſer Zeit durch Herrn Lehramtsakzeſſiſten Dr. Kempf vertreten. Herr Völſing war im Auguſt und September krank und mußte durch Kollegen vertreten werden. Die israe⸗ litiſchen Religionsſtunden mußten wegen häufiger Krankheit des Herrn Rabbiner Dr. Selver etwa zur Hälfte ausfallen.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog hatte die Gnade, im Juli 1904 Herrn Oberlehrer Laufer den Charakter als Profeſſor zu erteilen. Die theologiſche Fakultät der Univerſität Gießen zeichnete gelegentlich der Feier des 400. Geburtstags Landgraf Philipps des Gooßmütigen am 13. November 1904 Herrn Oberlehrer Dr. Preuſchen in Anerkennung ſeiner Tätigkeit als Lehrer und als Forſcher auf dem Gebiete der Anfänge des Chriſtentums durch Verleihung der Würde eines Doctor theologiae honoris causa aus.
Die Reifeprüfung unſerer Herbſt⸗Abiturienten fand am 10. September 1904 unter dem Vor⸗ ſitz des unterzeichneten Direktors, die der Oſter⸗Abiturienten am 25. Februar 1905 unter dem Vorſitz des Herrn Geh. Oberſchulrat Nodnagel ſtatt. Es beſtanden 11, bezw. 19(ſ. die Namen unter IV D); hiervon waren 7, bezw. 11 von der mündlichen Prüfung befreit. Gemeinſam mit unſeren Abiturienten wurde im Herbſt Fräulein Helene Arndt von hier geprüft, die die Prüfung gleichfalls beſtand.
Am Sedantag konnten infolge eingetretenen Regenwetters die geplanten Ausflüge nicht gemacht werden; es wurden kurze Feiern in den einzelnen Klaſſen abgehalten. Mit der Feier des Geburtstags Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs am 25. November 1904 war die Feier des 400. Ge⸗ burtstags Landgraf Philipps des Großmütigen verbunden; Herr Oberlehrer Dr. Schmidt hielt dabei die Feſtrede über die Große Landgräfin. Bei der Feier des Geburtstags Seiner Majeſtät des Kaiſers am 27. Januar 1905 wurden Geſänge, Gedichte und von Schülern ſelbſtverfaßte Vorträge dargeboten, die alle vom Leben zur See, von der Geſchichte der deutſchen Flotte und ihren Aufgaben in Gegenwart und Zukunft handelten. Der Direktor faßte am Schluß die hierdurch angeregten Ge⸗ danken zuſammen und ließ ſie in ein Hoch auf den Kaiſer ausklingen. Die Schüler folgten den Dar⸗ bietungen ihrer Kameraden mit großem Intereſſe und ſichtlicher Freude; geradezu hinreißend war die Wirkung des deutſchen Flottenliedes„Michel, horch, der Seewind pfeift!“ gedichtet von G. Schwab komponiert von A. Mendelsſohn.— Der 2. Februar 1905, der Vermählungstag Seiner König⸗ lichen Hoheit des Großherzogs und Ihrer Durchlaucht der Prinzeſſin Eleonore von Solms⸗
*) Auguſt Hohenſtein, geboren 1875 in Altenſtadt(Kreis Büdingen,) beſuchte bis 1886 die Realſchule zu Friedberg, von 1886— 1893 das Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium zu Darmſtadt und ſtudierte von Herbſt 1893 bis Herbſt 1899 in Pie een klaſſiſche Philogie, Deutſch und Geſchichte. Von Herbſt 1899 bis Herbſt 1900 machte er ſeinen Akzeß am Neuen Gymnaſium zu Darmſtadt. Nach vorübergehenden Verwendungen in Darmſtadt, Vilbel und Heppen⸗ heim wurde ihm am 15. April 1901 die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Realſchule zu Michelſtadt übertragen. Am 1. April 1903 wurde er an das Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium verſetzt.
**) Wilhelm Hammann, geboren 1876 zu Biebesheim, beſuchte die Volksſchule ſeines Heimatortes und von 1886 bis 1895 das Gymnaſium zu Darmſtadt, ſtudierte von Oſtern 1895 bis 1899 in Halle, Berlin und Gießen ev. Theologie und Püilownie Nach Ableiſtung ſeiner Militärpflicht beſuchte er von Oſtern 1900 bis 1901 das evangel.
Peedigerſeminar zu Friedberg und wurde im April 1901 mit Verſehung einer Lehrerſtelle am Ludwig⸗Georgs⸗Gym⸗ naſium beauftragt. Im März 1905 promovierte er in Tübingen mit der Diſſertation„Erklärung von Pſalm 24.“


