29 tifizieren, kann man versucht sein durch die Inschrift aus Rom, in der Statius Quadratus 5 pàO vGS6O En H.AN.GOy L7DbvG, OXAnt dic seinen Dank dem großen Sarapis bezeugt (CIG Sic et Jt 1030). Aus großen Gefahren fand auch der oben(S. 9 ff.) erwähnte Hephästion seine Rettung dadurch, daß er ein zâto*os des Sarapis wurde. Rufin berichtet jedoch(hist. eccl. II, 23), daß bei der Zerstörung des großen Sarapeums in Alexandria aufgefunden wurden die«exedrae et pastophoria domusque in excelsum porrectae, in quibus vel aeditui(d. h. die vEXGHOI) vel his quos appellabant&νεοονπααα, id est, qui se castigant(d. h. die qedésim, 4 τ ⁷ο⁹ commanere soliti erant». Damit ist deutlich das Nebeneinanderbestehen beider Organisationen wenigstens für den Tempel in Alexandria bewiesen ¹)). Doch könnten bei anderen Heiligtümern immerhin Verschmelzungen eingetreten sein, die für uns jetzt nicht mehr nachweisbar sind. Vielleicht sind auch die vioi od εοο(oder ol bο⁹εμου νονεςα τφο mε⁴), d. h. die Diener, die bei der Incubation die Handreichungen zu leisten hatten, mit den zäâroJot zu identifizieren*).
Aus den Erörterungen ergiebt sich also folgendes als Resultat: Die zätoſot waren zunächst nur die Personen, die das Heiligtum zum Zwecke der Incubation, um ein Orakel zu erlangen oder um Heilung zu finden, besuchten. Das Wort bedeutet den von der Gott- heit erfaßten, den Besessenen. Diese Besessenheit dauerte, solange er seinen Zweck nicht erreicht hatte²). Durch die Erfüllung des Wunsches, der den Betreffenden zum Heiligtume getrieben hatte, löste der Gott selber das mit jenem Ausdruck bezeichnete Verhältnis. Daneben gab es noch eine andere Form, die man mit demselben Namen belegte, obgleich der Name Hierodule entsprechender wäre. An den Heiligtümern in Memphis sowie im Orient fanden sich Leute bereit, als Orakelsucher sich für längere Zeit in das Verhältnis zur Gottheit zu begeben. Da es dem allgemeinen Brauch entsprach, nicht nur persönlich die Gottheit zu befragen, sondern dies auch durch andere thun zu lassen, konnte die Entstehung einer solchen Hierodulengilde der Besessenen leicht entstehen.
Der Besessene war an das Heiligtum gebunden, hatte dort seine Wohnung, bezog gewisse Einkünfte und genoß infolge seiner Stellung, trotz des oft bettelhaften Lebens, ein gewisses Ansehen. Inwieweit er in seinem direkten Verkehr mit Privatpersonen beschränkt war, ob die Beschränkung allgemein war oder sich nur auf bestimmte Personen bezog, läßt sich nicht mehr sicher ausmachen. Jedenfalls hängen sie mit dem Umstand zusammen, daß man ihn von der Gottheit selbst unmittelbar berührt ansah.
Diese Ergebnisse berechtigen uns, nun noch kurz auf die Frage einzugehen, welcher Zusammenhang zwischen dieser Gilde und dem christlichen Mönchtum bestanden habe. Für Weingarten war es eine ausgemachte Sache, daß sie Büßer» waren, die in«unverbrüchlicher Klausur» lebten, ihre Habe daheim ließen,«um von dem Brot zu leben, das ihre Verwandten ihnen brachten»,«xunter denen man von Vätern und Brüdern im geistlichen Sinne sprach¹). An diesem Gemälde ist auch nicht ein Strich richtig. Nicht um zu büßen, kamen die an- geblichen Mönche in das Heiligtum, sondern um die Hülfe der«großen Gottheit» zu suchen, um Orakel zu holen oder sich heilen zu lassen oder auch— um dort einen Beruf zu finden. Nicht in einer Klausur lebte man, sondern in dem Tempelbezirk, den man nicht verlassen durfte, weil ja dort die Gottheit wohnte, deren Eigentum man war, solange der Zustand dauerte. Die Habe verließ man, weil man freilich Immobilien nicht wegschaffen konnte—
1) Bezeichnend ist aus dem Berichte, den Sozomenus, hist. eccl. VII, 15 über die Zerstörung des alexandrinischen Sarapeums giebt, die Episode, in der ein Philosoph Namens Oiympius die in dem Tempel eingeschlossenen und sich erbittert wehrenden Heiden u. a. damit anfeuert, daß er ihnen sagt: 3bKEetꝓς 2 iyας votssα αots, ual els 05uνb, donrnor(§ 6). Da tauchen noch einmal die Besessenen auf, in denen göttliche Kräfte wirken. Aber eine andere Gottbegeisterung, die über den letzten Resten des Heidentums die Brandfackel schwang, war aufgekommen: der wilde Mut der Mönchsscharen aus den nitrischen Bergen.— 2) S. über sie Zacher im Hermes XXI(1886), S. 470 f.— 3) Das konnte unter Umständen recht lange dauern. Aristides hat sich 13 Jahre lang an den verschiedenen Heiligtümern herumgetrieben als cewiger Incubant».— 4) Weingarten, Art. Mönchtum» in Herzog-Plitt, Real-Encyklop.² 10, S. 781.


