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stand oder eine dauernde Beschäftigung ¹), also hier den berufsmäßig Gottgeweihten. Es sind nicht die Priester darunter verstanden— für sie giebt es nur die Bezeichnung köohen, was ursprünglich den Wahrsager bedeutet, wie das arabische kähin, vgl. Bayri—, sondern die Leute, Männer und Frauen, die ihren Leib selbst der Gottheit opferten und deren Lohn dem Heiligtume zufloß(vgl. Gen. 38, 21 f.)2²). Wie die Hierodulen des Sarapis wohnen sie in dem Tempel; erst Josia läßt ihre Wohnung abbrechen. Wie die Zwillinges im Sarapeum sind sie mit Leineweberei für das Heiligtum beschäftigt. Wie diese nehmen sie auch an dem Kulte teil(Hos. 4, 14). Die Berührungen sind so zahlreich, daß man wohl nicht fehlgehen wird, wenn man mit dieser Sitte die Gilde der Sarapishierodulen in Verbindung setzt und in ihrem Vorhandensein einen neuen Beweis für den orientalischen Ursprung dieses Kultes er- plickt, womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß aus der Verwandtschaft der Begriffe auch die Verwandtschaft der Thätigkeit folge.
Dagegen ist wohl nicht hierherzuziehen der Brauch, durch den wir aus einer größeren Anzahl von Inschriften Kunde haben, Sklaven unter der Form der Hierodulie freizulassen ⁵. Es war das ein Scheinact, der vor dem Priesterkollegium(d1 Ʒ εαυνννον¶ łτεd oν v,Oy CIG Sept I, 3304) vorgenommen wurde, und der dem betreffenden Sklaven unter bestimmten Klauseln in der Weise die Freiheit gewährte, daß er in ein Eigentumsverhältnis zu der Gott- heit trat, in deren Heiligtum der Act vorgenommen wurde. Gottheiten, bei denen solche Freilassungen erfolgten, waren außer Sarapis und Asklepios, Apollo, Dionysos, Athena und die Aphrodite Syria4¹). Da durch diese Form aber kein dauerndes Verhältnis zur Gottheit begründet wurde, so ist diese Sitte für die Erklärung der zaro⁷h nicht weiter verwertbar.
Dagegen könnte man etwas anderes hier herbeizuziehen geneigt sein. Es fällt auf, daß uns an all den zahlreichen Heiligtümern, die Sarapis in der Kaiserzeit besaß, nirgends eine Spur jener Organisation begegnet, mit Ausnahme von Smyrna und einem kleinen orien- talischen Heiligtum, dessen Bafal wir vielleicht mit Sarapis gleichsetzen dürfen. Die oben be- sprochenen Inschriften von Baitokaike und die aus Smyrna beweisen uns, daß der Begriff so wenig verloren gegangen ist wie das Wort. Daß man die Sarapisheiligtümer eifrig be- suchte und dort durch Incubation Heilung zu erlangen hoffte, wissen wir ebenfalls. Sollte sich dabei eine Gilde in der Blütezeit des religiösen Vereinswesens verloren haben, die doch so sehr den Bedürfnissen des Publikums entgegen kam? Das ist nicht wahrscheinlich. Wahr- scheinlicher ist, daß man den fremdartigen Begriff, der sich mit dem Worte xεταο*5οοσ ver- band und der nach abendländischem Empfinden sich mit der Sache so wenig deckte, fallen ließ, die Sache dagegen beibehielt, wenn auch unter anderem Namen.
Nun begegnet uns in den zahlreichen Inschriften, die von dem Sarapiskult im Abend- lande Kunde geben, sehr häufig die Bezeichnung veνρος, und daß wir es dabei mit einer Organisation zu thun haben, zeigt der Titel ³νρ έαη⁶οα, der in einer Inschrift— aller- dings einer syrischen— uns begegnet(CIG III, 4470). Die zdrosot des Sarapeums in Memphis und der orientalischen Heiligtümer mit den vsozν⁶οο der abendländischen zu iden-
1) Vgl. zu der Bildung dieser Nomina qatil: Stade, Lehrbuch der hebr. Grammatik I(Leipzig 1879), § 202 a, S. 148 f.— 2) Vgl. zu der Sitte Movers, Die Phönizier I(Bonn 1841), S. 679 ff., wo viel Material zusammengetragen ist. Über den Ursprung der Sitte vgl. Stade, Gesch. d. Volkes Israel I(Berlin 1887), S. 479 f.— 3) Uber die Inschriften, soweit sie damals bekannt waren, hat L. Preller, Bericht über die Verhandlungen d. k. sächs. Gesellsch. d. Wissensch. zu Leipzig, phil.-hist. Klasse 6(1857), S. 195 ff. gehandelt. Jetzt stehen sie bequem zusammen in CIG Sept I, 3301 sqq.— 4) Vgl. darüber Curtius, Anecdota Delphica(Berol. 1843), p. 10 sqq. und in den Nachrichten d. Gött. Gesellsch. d. Wissensch. 1864, Nr. 8, S. 135 fl. Auch die Bemerkungen von Boeckh bei Hirt, Die Hierodulen(Berlin 1818), S. 48 ff. sind zu vergleichen. Eine Parallele zu dieser Sitte haben wir in den hebräischen nethinim zu erblicken, Hierodulen, die in dem Tempel wohnten und die niederen Dienste verrichteten. Ihr Name bedeutet die Geschenkten?, daher 1. Chron. 9, 2 356 Kevot“ von den LXX übersetzt, während Esr. u. Neh. der hebräische Name stehen geblieben ist. 3. Esr. hat dafür epοdοot, vgl. dazu Butt- mann bei Hirt a. a. O. S. 66. Auch die Nasiräer werden Gott gleichsam geschenkt und bilden daher sein Eigentum. Auf diese Zusammenhänge ist hier nicht weiter einzugehen, so interessant und förderlich es auch wäre.


