Aufsatz 
Mönchtum und Sarapiskult
Entstehung
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Agypten lebenden ÜUbersetzer des Alten Testamentes statt eines durchaus gebräuchlichen und zutreffenden griechischen Ausdrucks einen andern gewählt haben, der zwar dieselben Gedanken ausdrückt, aber doch in dem Griechischen nur von Erscheinungen gebraucht wird, die in das psychopathische Gebiet fallen ¹). Von der Begeisterung eines Propheten oder Kory banten wird es aber nicht angewandt. Den Grund für dieses Umgehen des Begriffes kann man noch ahnen. Waren die, x6 το*ο die Besessenen des Sarapis, so durfte man mit ihnen nicht die Jahwepropheten auf eine Stufe stellen²). Daher vermied man lieber diesen anstößigen Titel und wählte einen solchen, der zwar ungebräuchlich war, aber immerhin das Wesentliche der Sache doch zum Ausdruck brachte. Religionsgeschichtlich wichtig ist in dieser Hinsicht eben dies, daß die zu Grunde liegende Vorstellung hier wie dort dieselbe war. Bei den Jahwe- propheten wirkt der göttliche Geist eine sich in wilden Tänzen äußernde, wohl auch die Sprachorgane beeinflussende Begeisterung: die Besessenen des Sarapis sehen Visionen, empfangen Orakel und werden durch den göttlichen Geist geheilt. Die Außerungen sind ver- schieden; das Wesen der Sache pleibt dasselbe.

Dennoch liegt kein rechter Anlaß vor, in den Besessenen» eine Art von Sarapis- propheten zu erblicken, wenn sich dafür auch manches anführen ließe. Die Propheten der älteren Zeit, die vor dem Exile und wahrscheinlich viel länger existiert haben, als das unsere Quellen ausdrücklich verraten, waren, wie uns das Auftreten Sauls unter ihnen lehrt, auch in Schwärmen organisiert, die man als Gilden fassen könnte. Freilich durften sie sich frei be- wegen, während die Besessenen an das Heiligtum gebunden blieben. Aber wer bürgt uns, daß nicht auch an den Jahweheiligtümern, wie in Bethel, solche Propheten die Incubation vorzubereiten hatten? Aber, wie bereits bemerkt, auf solche Parallelen ist nicht viel zu geben. Bestimmte Beweise lassen sich hier nicht führen.

Dagegen ist auf ein anderes, an den orientalischen Heiligtümern übliches Institut, das offenbar einer festeren Organisation nicht entbehrte, hinzuweisen, mit dem das beim Sarapiskult nachweisbare im Namen eine erkennbare Verwandtschaft besitzt. In den orien- talischen Kulten war eine Form der Hierodulie verbreitet, die nur unter der Voraussetzung verständlich ist, daß die Gottheit an die ihr geweihten Personen nicht nur mit ihrer Seele, sondern ebenso auch mit ihrem Leibe Anspruch machen darf. Von der bei den Babyloniern verbreiteten Sitte der Hingabe des eigenen Leibes im Dienste der Gottheit hat bereits Herodot gewußt und er hat sie beschrieben(I, 199). Dort handelt es sich nicht um eine feste Organisation, sondern um eine Sitte, die von jedermann geübt wurde. Daß aber eine solche Organisation im Orient thatsächlich bestand, wissen wir aus andern Zeugnissen. Von den Hierodulen in Comana in Pontus berichtet Strabo(XII, 3, 37), und wegen dieser Verhält- nisse nennt er die Stadt ein Klein-Korinth». Hier tritt uns die Sache selbst, die Organi- sation der Hierodulen, entgegen und auch der Name. Strabo bezeichnet die dort im Kulte beschäftigten Frauen ausdrücklich als ispai, d. h. als der Gottheit geweiht.

Die Sitte war, wie es scheint, im ganzen Orient verbreitet und auch Israel nicht fremd. Dort führen diese Hierodulen den Namen qedésim. Das Wort kommt von dem Verbum qädäs, das in qädôs cheilig», d. h. der Gottheit geweiht, vorliegt, ebenso in odes«Heiligtum. Seiner Bildung nach bezeichnet qädés, von dem qedésim der Plural ist, einen dauernden Zu-

¹) Die Geisteskrankheiten, Epilepsie u. s. w. werden allerdings im Orient und auch sonst dem Einwohnen von Dämonen zugeschrieben(s. den Artikel«Dämonische» von J. Weiß in Hauck, Real-Encyklopädie für prot. Theol. u. Kirche* IV, 410 ff.). Aber man hat die Propheten nie mit Epileptikern auf eine Linie gestellt, weil eben der in ihnen wirkende Geist ein anderer war als der, der Epilepsie hervorrief. Für uns liegt die Parallele nahe. 2) Das kommt in einer Glosse noch sehr charakteristisch zum Ausdruck: dixπ Tiyetat de 9630b:mkb d ào ro5[daεναονοοο) s. Stephanus, Thesaurus ed. Didot s. dribεπεαοες. Die I.XX gebrauchen ³αο*οο Jon. 2, 7 in demselben Sinne, in dem es CIG I, 538 sq. von Hermes und der Ge gebraucht wird, also aktiv. Denselben Sinn hat zarietv, 26 νο in den Bann- und Verfluchungstafeln(vgl. den Londoner Zauber- papyrus CXXI, 394, 404, 417, 422 u. ö. Kenyon, p. 97 ff.).

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