sich sagt. Er behauptet, die Göttin habe ihn erlöst, d. h. offenbar von der z οτω entbunden. Das entspricht jedoch nicht den Thatsachen, da wir ihn in den späteren Urkunden noch in derselben Situation antreffen.
Mehrere Träume derselben Personen finden sich auf der Rückseite des Leydener Papyrus C. Da sie aber kein besonderes Interesse mehr bieten und da Leemans in seiner Ausgabe(Papyri Graeci Musei antiquarii Lugduni-Batavi I, p. 117 sqd.) zugleich eine Uber- setzung geliefert hat, so kann hier von einem genauern Eingehen auf sie abgesehen werden.
Endlich wäre aus den Rechnungen über die Lieferungen an die Zwillinge, Ptolemäus Apollonius und andere Bewohner des Sarapeums noch mancherlei über die Zustände zu ent- nehmen; doch das müßte in anderem Zusammenhange durchgeführt werden, und dazu fehlt hier der Anlaß. Erwähnung verdient aus diesen interessanten Dokumenten ein Posten über Lieferung eines 0ουννον ⁸ανπυννπνρννν(so geschrieben!), d. h. irgend eines Linnenstückes, das bei der Incubation, dem ε1ιχQ Gο˙αι, benutzt worden sein muß(Par. 53, 8). Welchen Zwecken es dabei gedient hat, ist nicht deutlich. Sonst benutzte man als Unterlage für den Tempel- schlaf das Fell eines vorher geopferten Widders, welche Sitte noch Hieronymus bezeugt). Ferner in einer andern Abrechnung(Par. 54, 78) die Ablieferung von Linnen an den Traum- deuter»(Eybrmιιονi;, das analog dem evetponpirhe gebildet ist). Beide Posten finden sich in den Abrechnungen der Zwillinge, die demnach mit der Incubation ebenfalls irgendwie zu thun hatten. Da auch von ihnen Träume überliefert sind, ist diese Stellung, die sie im Tempelorganismus zu irgend einer Zeit einnahmen, jedenfalls nicht zu bezweifeln. Daß sie daneben noch priesterliche Funktionen ausüben, beweist hiergegen nichts.
Es wird nun noch darauf ankommen, für das oben ermittelte Institut der Gilde von professionsmäßigen Incubanten eine Parallele in den orientalischen Religionen zu finden. Denn da, wie oben gezeigt wurde, der Name der z4 το* mit der ihm zu Grunde liegenden Vorstellung des Besessenseins von dem Geiste der Gottheit uns in den Orient weist, da ferner in einem spezifisch orientalischen Kulte Sache und Namen uns wieder begegnen, so werden wir auch für die«Besessenen» des Sarapis einen orientalischen Ursprung anzunehmen haben. Damit das Gebiet, auf dem die Parallele zu suchen ist, richtig bezeichnet ist, wird es passend sein, von einer Beobachtung auszugehen, der an und für sich nicht allzuviel Beweiskraft innewohnt, die aber in diesem Zusammenhange doch nicht unbrauchbar ist. Eine alte Glosse stellt das lateinische Aquivalent von ετον, nämlich fanaticus, zusammen mit ispatizος 1650bXOS²). Der Boden, auf dem wir also den Ursprung des in Frage stehenden Begriffes zu suchen haben, ist das Gebiet der Hierodulie. In ihr haben wir eine völlig analoge Er- scheinung, und ihre Bezeichnung auf dem semitischen Sprachboden entspricht der, die wir auf dem griechischen Boden finden, durchaus.
Die Propheten, unter die Saul geriet und deren Begeisterung sich wie bei Korybanten u. a. in wilden Tänzen verriet, heißen im Hebräischen mesugg'im; das Wort ist das Passiv- partizip einer Intensivkonjugation von einem Verbum säga“, das eigentlich eine stammelnde, die Worte wiederholende Rede bezeichnet(vgl. Sarraxotst“ Matth. 6, 7). Es wird dann von jeder Ekstase gebraucht, bei der das Subjekt seiner Sinne nicht mächtig ist, wie auch im Arabischen das Verbum rasende Tiere, wie z. B. scheugewordene Kamele, bezeichnet. Die LXX übersetzen es— nicht genäu— mit àxiνν νροαοσςα 1. Regn. 21, 15. 4. Regn. 9, 11, raπανννοεςα Dt. 28, 34 und das dazu gehörige Substantiv siga ön xagax-neia Dt. 28, 28. Die erste UÜbersetzung ist völlig analog dem z4 rοο, und man kann billig fragen, warum die in
1) Hieronymus, Comment. in Is. 65, 4(opp. IVZ, p. 774 Vallarsi). Vgl. dazu Welcker, Kleine Schriften III, S. 91 f. Auch in der unartigen, aber lustigen Schilderung, die Aristophanes Plutus 653 ff. gegeben hat, ist die Sitte erwähnt.— 2) Corpus Glossarum Latinarum edd. Goetz et Gundermann II(Lipsiae 1888), p. 70, 31.


