Aufsatz 
Der Zeichenunterricht in der Realschule / [vom Gesang- und Zeichenlehrer Presber]
Entstehung
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gerückte Glastafel, durch welche alle Seheſtrahlen von dem Gegenſtande nach dem Auge gehen, deren die Form des Korpers beſtimmende Durchgangspuncte man auf derſelben mit Kreide oder Tuſch markirt und, um das perſpectiviſche Bild zu erhalten, nachträglich entſprechend verbindet.

Ebenſo dient als ein Erleichterungsmittel beim Unterricht in der Perſpective ein Rahmen, der durch Fäden in gleiche Quadrate oder Rechtecke getheilt iſt, und deſſen Feldern eine gleiche Anzahl ähnlicher leicht ausgezogener Abtheilungen auf dem Zeichenbogen entſpricht. Wir haben die Erklärung dieſer Vorrichtungen, obwohl ſie hauptſächlich beim erſten Unterrichte in der freien Perſpective(Seite 8) in Anwendung kommen, hierher verwieſen, weil die Ent wickelung der Geſetze der Perſpective vornehmlich dem Unterrichte im Linearzeichnen zufällt. Natuͤrlich, daß der dieſem Gegenſtande eingereihte Unterricht in der Perſpective auf Grundlage der darſtellenden Geometrie gegeben werden, und daß man aus Grund- und Aufriß alle per⸗ ſpectiviſchen Zeichnungen conſtruiren laſſen muß. In dieſer Weiſe wird derſelbe auch für ge wöhnliche Zeichner leichter und für den zukünftigen Handwerker zugleich fruchtbarer. Auch kommt es in vielen Fällen weſentlich darauf an, ein ganz genaues perſpectiviſches Bild zu erzielen, das nur durch Conſtruction aus Grund- und Aufriß ſicher zu erhalten iſt.

Ohne ſich mit Linien und Flächen im Beſonderen zu befaſſen, wählt man zu Anfang des Unterrichts in der Perſpective als einfachſtes Zeichenobject einen Würfel, und zwar am Zweck⸗ mäßigſten einen aus Glas gefertigten, um das Hervortreten der verdeckten Kanten deutlich zu veranſchaulichen; ſpaͤter geht man zur Darſtellung der einfachen geometriſchen Körper (Prismen, Pyramiden ꝛc.) über, wozu ſich aus Holz gefertigte Modelle von heller Farbe em pfehlen, weil von dieſen die Schatten am Klarſten ins Auge ſpringen. Sodann läßt man wohl Gegenſtände des Schulzimmers(Ciſch, Schrank, Subſellie ꝛc.) zeichnen und ſchließt mit Aufnahmen von Monumenten, Gebäuden ac.

Bei allen dieſen Uebungen iſt der abzubildende Gegenſtand vorerſt ſo zu zeichnen, daß die Hauptfläche desſelben mit der Baſis parallel geht, alſo in gerader Anſicht, oder frontal geſehen. Erſt dann, wenn hierin eine vollſtändige Sicherheit erlangt iſt, geht man zur Pro⸗ jection in ſchraäger Anſicht, oder übereck geſehen. Auch hier begleitet, nachdem die wichtigſten Sehegeſetze begriffen ſind, die auszuführenden Zeichnungen von Anfang an die Er klaärung des Augen-, Entfernungs⸗ und Accidentalpunctes, der Seheſcheide, Horizontal⸗, Grundlinie ec.

Nur die Gegenſtände, welche von geraden Linien begrenzt ſind, können durch beſondere techniſche Huͤlfs⸗ und Erleichterungsmittel(Zirkel, Lineal ꝛc.) direct perſpectiviſch dargeſtellt werden. Krummlinige Formen muß man dagegen immer erſt in ein geradliniges Netz bringen, in deſſen perſpectiviſcher Zeichnung die nöthigen Puncte für die Beſtimmung derſelben enthalten ſind.*) 4

*) Beim Zeichnen eines perſpectiviſchen Bildes fängt man mit der Grundlinie an, trägt dieſe an den untern Nand der Zeichenfläche, beſtimmt den Augenpunct, wodurch gleichzeitig die Horizontallinie gegeben iſt(beide ſind durch den Standpunct bedingt) und trägt dann die Diſtanz auf.

Was den Augenpunet anlangt, ſo nimmt man in der Regel bei Gebäuden und überhaupt architektoniſchen Gegenſtänden denſelben 6 Fuß über dem Fußpunct, die Entfernung des Auges von dem Gegenſtande aber ungefähr ſo weit, als die größte Ausdehnung des Gegenſtandes beträgt, beſſer noch 1 ½ bis 2mal, ſelbſt 3 bis 4mal und bei mathematiſchen Körpern ſogar 6 bis 10mal, oder ſo, daß, wie Steiner will, der Sehewinkel nicht über 53 Grad beträgt. Robert Schmidt hält nach ſeiner Erfahrung dafür, daß der Geſichtswinkel