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Den Mantel nach dem Winde hängen
wird von wankelmüthigen Menſchen geſagt, die ihre Anſichten nach den gerade herrſchenden oder ihnen ſonſt Vor⸗ theil bringenden richten, die ſich in Zeit und Umſtände ſchicken, wäre es auch mit Aufopferung des Charakters. L. Friſch ſagt davon:„Iſt von der ungariſchen Tracht hergenommen, da man im Krieg ſonderlich nur im Feld Mäntel auf den Achſeln trägt und ſolche auf den Seiten oder vornen und hinten hindreht, wo der Wind oder das Wetter hergeht(tempori servire)“. Adelung erklärt die Redensart mit= ſich in die Zeit ſchicken, eine von den kurzen Reiſemänteln hergenommene Figur. Jedenfalls iſt die Redensart alt, denn wir finden ſie ſchon in Triſtan und Iſolte, in der Ausgabe von Maßmann pag. 262, V. 32 und 33:
man sol den mantel kèéren
als ie die winde sint gewant,
und Ziervogel: man sol den mantel keren als das weter gat.
Die Redensart iſt außerordentlich verbreitet; auch im Franzöſiſchen findet ſich: il faut tourner à tout vent.
Stein und Bein ſchwören.
C. Schulze bezieht dieſe Redensart auf das Schwören derjenigen, welche das Käſtchen, in welchem ſich die Reliquien(Knochen, Beine) befanden und welches mit koſtbaren Steinen beſetzt war, in die Hand nahmen oder die Hand auf dasſelbe legten. Er citiert aus Vridank 64, 18: die Zunge bricht bein und stein. Grimm führt außer dieſer Erklärung noch die an: Stein und Bein= hart, feſt wie Stein und Bein, eine Bedeutung, wie ſie in:„Es hat Stein und Bein gefroren“ ſich findet. Da mhd. Stein auch den Edelſtein bezeichnet, was ſich noch in unſerem ſteinreich, urſprünglich ſo viel als reich an Edelſteinen, dann bereits auch überaus reich, er⸗ halten hat, ſo erſcheint die erſte Erklärung als ganz geeignet; es ließe ſich der„Stein“ auch auf den Altar be⸗ ziehen, auf welchen der Schwörende die eine Hand legte und welcher das Reliquienkäſtchen trug.


