Aufsatz 
Erklärung deutscher Redensarten / von August Preime
Entstehung
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aus dem Munde ſpritzen, ſprudeln. In ähnlicher Art erklären ſich andere Bezeichnungen der erſten Zeit der Ver⸗ heirathung, ſo:(ſchweiz.) trütlerwoche von trüteln, triuten liebkoſen; zärtelwoche von zärteln, koſen.

Ueber die Entſtehung der Redensart aus dem ff

gibt es verſchiedene Meinungen. Diejenige, welche die größte Wahrſcheinlichkeit für ſich hat, iſt folgende: Die alten Juriſten citierten häufig das corpus juris; die Abkürzung für digesta war ein durchſtrichenes D, und da dies Zeichen mit einem doppelten f Aehnlichkeit hatte, ſo nahm man es dafür, alſo für fl. Wer nun ſehr häufig ſolche Citate machte, namentlich aus den Pandecten, der galt für einen ganzen Juriſten, für einen gelehrten Mann. Daher pflegte man von dem, der ſich der Gründlichkeit in irgend einer Sache befleißigte, zu ſagen, er verſtehe die Sache aus dem ff.

Eine zweite Erklärung geht von den muſikaliſchen Bezeichnungen aus; dieſer folgt Grimm. Das einer Note beigeſetzte f und ff bezeichnet das Anſchwellen des Tones zum forte und fortissimo. Daher kann ff be⸗ deuten, daß das, was wir meinen, in einer Sache in vollſter Stärke ſich findet. Allein da die Redensart urſprüng⸗ lich ſich auf das Verſtehen bezieht, gebe ich der erſten Erklärung den Vorzug. Es gibt noch einige andere Er⸗ klärungen, die jedoch offenbar künſtlich gemacht ſind. So die, daß man in Italien auf die zur Genehmigung vor⸗ geſchlagenen Bittſchriften ein f(fiat), auf die wirklich genehmigten ein fl geſetzt habe; ferner die, daß man die moderne merkantile Bezeichnung von fein, feiner, ſehr fein darunter zu ſuchen habe.

Die Redensart unter den Hammer kommen

enthält noch ein Stück altheidniſcher Vorſtellungen. Der Hammer iſt bekanntlich die Waffe des Gottes Donar, der zwiſchen Himmel und Erde ſein Reich hat, aber auch beſonders Gott der fruchtbaren Erde und des Eigenthums iſt. Daher ſpielt der Hammer bei den auf das Ergreifen und Verändern des Eigenthums und Beſitzes ſich be⸗ ziehenden Vorgängen eine große Rolle; ſo bediente man ſich früher im Osnabrückiſchen eines Hammers, wenn Jemandem von der Gemeinde ein Stück Landes abgetreten ward, wobei der Hammer unter dem linken Bein durch⸗ geworfen wurde.(Ueber den Hammerwurf ef. Grimm, deutſche Rechtsalterthümer p. 55 und 526 u. ſ. w.) Bekannt iſt, daß der Zuſchlag bei Verſteigerungen durch den Hammer geſchieht, daß früher zur Berufung der Ge⸗ meinde oder zum Anſagen des Gerichtes der Hammer umhergeſchickt wurde, daß ferner Ehen durch ihn eingeſegnet wurden. An ſeine Stelle trat in manchen Fällen das chriſtliche Kreuz, z. B. zur Weihung der Thüren ꝛc., ein Uebergang, der um ſo leichter geſchehen konnte, als die beiden Zeichen Kreuz und Hammer nicht viel von einander in der Geſtalt abweichen. Vergl. Onno Klopp, Geſchichten, charakteriſtiſche Züge und Sagen der deutſchen Volksſtämme. Eine ſächſiſche Frau macht über die Speiſen das Zeichen des Kreuzes; darüber von anderen heidniſchen Sachſen zur Rede geſtellt, ſagt ſie: Das Zeichen, welches ihr geſehen habt, ſoll nur den Hanunter des großen Aſathor bezeichnen. Auch in demKreuzdonnerwetter ſtehen die beiden Vorſtellungen neben einander.

Einen beim Kopfe nehmen

findet ſich in der Bedeutung: einen packen und feſt nehmen, weil der Kopf dabei als wichtigſter Körpertheil, gleich⸗ ſam als eigentlicher Sitz der Perſönlichkeit erſcheint. Die Redensart wird in feindlichem Sinn gebraucht; ſo citiert Grimm aus Luther 6, 281,a. so soltestu wol sehen... das man dich bald beim kopf nemen und wider deine lumpen(Kleider) voll schlahen würde, dann früher auch von Dingen im Sinne von: ſicher für dich ergreifen, dir ſichern, ſo Simpl.: mußte ich bedacht ſein, die Schlüſſel darzu beim Kopf zu kriegen. Heute braucht man die Redensart beſonders in dem Sinn, eine Sache richtig und raſch angreifen, und dieſe Bedeutung iſt wohl durch die Buchdrucker recht in Aufnahme gekommen. Damit nämlich das Setzen flott gehe, muß der Setzer bei jedem einzelnen Griff darauf ſehen, daß er dasſelbe in der einfachſten Weiſe ausführe, ohne alles Drehen und Wenden der einmal gegriffenen Letter. Dazu dient ihm beſonders die Signatur der Lettern, d. h. der halbrunde Ausſchnitt, der ſich am Schriftkegel etwas unterhalb der Mitte befindet. An dieſem Merkmal ſieht der Setzer, noch ehe er zu⸗ greift, welche Lettern ihm zum Wegnehmen gerade am bequemſten liegen, und durch zeitweiliges Aufrühren der am