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Durch schwere Erkrankung war auch der Lehrer an der Realschule Schulz im Sommerhalbjahr seinem Berufe, dem er sich durch mehr als 27 Jahre mit unvermindertem Eifer hingiebt, entzogen; seine Vertretung übernahm der Turnlebrer des Frankfurter Turn- vereins, Herr Heinrich Böcker. Zu Anfang des Wintersemesters hatte sich erfreulicher- weise der Gesundheitszustand des Herrn Schulz so weit gebessert, dass er einen Teil seiner unterrichtlichen Thätigkeit wieder aufnehmen konnte; für die übrigen Stunden stellte der Anstalt auch weiterhin Herr Böcker seine schätzbare Kraft zur Verfügung.
Ende April wurde Herr Oberlehrer Julius Bornstein durch das schwere Leiden, das ihn bereits einige Jahre früher längere Zeit von der Schule ferngehalten hatte, wiederum an das Krankenlager gefesselt und uns am 27. Dezember durch den Tod entrissen. Dem entschlafenen Kollegen erwies ein ansehnliches Gefolge— gegenwärtige und frühere Lehrer und Schüler, Mitglieder des Schulrats und zahlreiche Freunde der Anstalt— die letzte Ehre. An. seiner Bahre sprach namens des Schulrats Herr Jul. Heyman herzliche Worte des Dankes für den reichen Segen, den die Thätigkeit des allzufrüh Dahingeschiedenen der Anstalt gebracht hatte; der Trauer des Lehrerkollegiums um den Verlust des wackeren Mitarbeiters und lieben Freundes gab der Religionslehrer des Philanthropins, Herr Dr. Brüll, da den Direktor ein Trauerfall in seiner Familie von Frankfurt fern hielt, ergreifenden Ausdruck. Bei Wiederbeginn der Schule, am 7. Januar, fand in dem Turnsaal der Anstalt eine Gedächtsnisfeier für den Dahingeschiedenen statt, bei welcher der Direktor den Zöglingen das Bild des trefflichen Mannes, sein Leben und Wirken vergegenwärtigte. Zur ehrenden Erinnerung an den dahingeschiedenen Lehrer seien an dieser Stelle folgende Mitteilungen eingefügt:
Julius Bornstein wurde als Sohn des Lehrers Sigmund Bornstein am 17. April 1844 in Zduny in der Provinz Posen geboren. Den aufgeweckten, lernbegierigen Knaben führte der Vater selbst in die Elemente des Wissens ein; 1855 sandte er ihn auf das Königl. Gymnasium zu Krotoschin, das Bornstein 1863 mit dem Zeugnis der Reife verliess. Unter grossen Entbehrungen widmete er sich alsdann in Berlin dem Studium der klassischen Philologie; nach 2 Jahren zwang ihn körperliche Erschöpfung das Studium zu unterbrechen und eine Hauslehrerstelle anzunehmen. 1870 wurde er Hilfslehrer an der Knabenschule der israelitischen Gemeinde zu Berlin, gab aber 1873 die Stellung wieder auf, um seine Studien abzuschliessen. Am 4. Mai 1875 unterzog er sich vor der Königl. wissenschaftlichen Prüfungskommission zu Berlin der Prüfung pro facultate docendi und traf am 5. Oktober 1875 in Frankfurt ein, um an unserer Anstalt sein Probejahr abzulegen. Seine Thätigkeit blieb fortan dem Philanthropin gewidmet. Rasch gelang es ihm, hier heimisch zu werden, rasch fasste er dank seiner Lehrgeschicklichkeit und seiner trefflichen Charaktereigen- schaften in seinem Beruf festen Fuss. Seine Vorzüge bestimmten die Patronatsbehörde, ihn nach Ablauf des Probejahres dauernd an die Anstalt zu fesseln; im Oktober 1876 wurde er zum ausserordentlichen, am 2. Juli 1878 zum ordentlichen Lehrer ernannt. Bei Beginn des Jahres 1896 erkrankte er an dem tückischen Leiden, das ihn seither nie völlig verlassen hat; verhältnismässig am günstigsten war sein Befinden im November 1900, als sein 25jähriges Wirken an unserer Anstalt dem Schulrat und seinen Kollegen Veranlassung gab, dem Jubilar ihre herzliche Verehrung kundzugeben. Mit froher Er-


