— 15—
solcher gar nicht im Börsenraum befindlicher Waren, z. B. so und so viele Hektoliter Roggen, der den von der Börse aufgestellten Bedingungen entspricht, also gesund, trocken und frei von Darrgeruch ist.¹)
Alle Merkmale des Börsenverkehrs und insbesondere alle Unterscheidungsmomente gegenüber den Märkten lassen sich als Folgeerscheinungen aus der Vertretbarkeit der Waren ableiten.
Da die Börsenobjekte den beteiligten Personen der Qualität nach bekannt sind, und vor dem Kaufe nicht besichtigt und geprüft zu werden brauchen, müssen die gehan- delten Warenmengen beim Vertragsabschlusse nicht gegenwärtig- sein; sie müssen sich nicht einmal am Börsenorte befinden, sie können unterwegs oder an den Produktionsstätten sein; ja, sie sind vielleicht noch nicht produciert, wie das Getreide, welches im Frühjahr zur Ablieferung im Herbste gekauft und verkauft wird. Es ist aber auch die persönliche Anwesenheit der Besitzer und der eigentlichen Käufer unnötig; man kann die Geschäfte durch Mittelspersonen abschliessen lassen, was nun auch im weitesten Masse geschieht. Das Börsenpublikum unterscheidet sich daher wesentlich vom Marktpublikum. Dieses besteht zumeist aus Producenten, welche selbst erzeugte Waren feilbieten, und Personen, welche für den eigenen Bedarf oder zum gewerblichen Verbrauche einkaufen wollen; an der Börse verkehren hingegen Kaufleute und zwar hauptsächlich Kommissionäre und Makler, welche als Beauftragte Geschäfte abschliessen. Sie empfangen Aufträge nicht nur vom Börsenorte, sondern auch aus der näheren und weiteren Umgebung, umsomehr, als es dank dem Telegraphen und Telephon möglich ist, jederzeit rasch die nötigen Nachrichten und Weisungen zu erteilen. Auf diese Weise kann sich Angebot und Nachfrage eines weiten Umkreises an den Börsen concentrieren und einzelne Börsen erheben sich zu Brennpunkten des Verkehrs, zu Welthandelsmärkten, auf denen jede Warenmenge bei normaler Funktion käuflich und verkäuflich ist. Die im Börsenverkehre gebildeten Preise erlangen somit für die Gesamtheit grosse Bedeutung, da sich in ihnen die von berufener Seite ausgehende Beurteilung aller auf die Preisgestaltung entscheidender Momente, wie die Abschätzung der Zufuhren und des Bedarfes wiederspiegelt.
Neben den Börsen haben sich auch die Märkte bis in die gegenwärtige Zeit erhalten. Die Jahrmärkte dienen vornehmlich dem kleinen Verkehre und erscheinen heute als Überreste einer überwundenen ökonomischen Stufe. Was ihnen ehemals Bedeutung gab, hat aufgehört zu sein. Ein bis in die kleinsten Orte verzweigter Detailhandel, das von den Städten organisierte Versandtgeschäft und endlich die Möglichkeit, rasch und billig die Stadt zu erreichen, bringen es mit sich, dass die Konsumenten ihren Bedarf von Fall zu Fall decken, ohne die spätere Ankunft des Marktfahrers abzuwarten.
Auch die Messen haben unter diesen Verhältnissen sehr gelitten und einzelne von ihnen erscheinen heute nur als Schatten ihrer einstigen Grösse. Den Verkehr mit vertretbaren Gegenständen haben die Börsen übernommen. Nur da. wo den Gegenstand des Messhandels Waren bilden, die ihrer Natur nach die Vertretbarkeit ausschliessen, haben sich die Messen in einer, wenn auch geminderten Bedeutung erhalten. Sie bieten die Mög-
¹) Schanz, Art. Börsenwesen in Elster W. B. d. V. W.


