Aufsatz 
Über den Wert der beiden Oberklassen unserer Anstalt für die bürgerliche Berufsvorbildung
Entstehung
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Der evangeliſche Religionsunterricht wird von zwei Hauptlehrern der Anſtalt, dem Rektor Polack und dem Oberlehrer Dr. Thielmann mit Genehmigung des Landesbiſchofs Herrn Dr. Wilhelmi ertheilt; den Religionsunterricht für die katholiſchen Schüler übernahmen in 2 Abtheilungen Herr Decan Petmecky und Herr Kaplan Schmidt.

Herr Lehrer Stahl an der hieſigen Vorbereitungsſchule leitete die gymnaſtiſchen Uebungen.

Nachfolgende biographiſche Notizen ſind nach den eigenen Angaben der Betreffenden entworfen.

P. G. Chun, geb. den 1. September 1827 zu Eſch, evangeliſcher Confeſſion, beſuchte bis zu Herbſt 1844 die Realſchulen zu Schwalbach und Wiesbaden, von da bis 1848 die höhere Gewerbſchule zu Darmſtadt, woſelbſt er nach Abſolvirung der allgemeinen Klaſſen in der Fachklaſſe vorzugsweiſe Mathematik, Phyſik und Mechanik ſtu⸗ dirte und im phyſikaliſchen Cabinet aſſiſtirte. 1848 ging er zu ſeiner weiteren Ausbildung nach England, mußte jedoch 1849 zurückkehren, um ſeine Militärpflicht zu erfüllen. Von Oſtern 1850 51 ſtudirte er in Gießen haupt⸗ ſächlich Chemie, machte alsdann das Examen für das Real⸗Lehrfach und wurde in proviſoriſcher Eigenſchaft an der Realſchule zu Höchſt angeſtellt. 1853 nahm er ſeine Entlaſſung, um eine Lehrerſtelle für deutſche und engliſche Sprache, Geſchichte und Geographie an der Secundarſchule in Glarus anzntreten. Von hier wurde er 1856 zum erſten Reallehrer in Höchſt ernannt und 1858 an die höhere Bürgerſchule zu Wiesbaden verſetzt.

F. Leyendecker, katholiſcher Confeſſion, geb. den 18. December 1827, beſuchte von Herbſt 1842 an drei Jahre lang das preußiſche Gymnaſium zu Wetzlar und ſodann drei weitere Jahre das Gymnaſium zu Wiesbaden, welches er Herbſt 1848 nach beſtandenem Abiturientenexamen verließ. Während der folgenden 6 Jahre ſtudirte er zwei Semeſter auf der Univerſität Würzburg und vier Semeſter in Bonn. Die übrige Zeit hielt er ſich zu Haus auf, theils an den praktiſchen Arbeiten im Laboratorium des Herrn Geh. Hofrath Freſenius Theil nehmend, theils die Stelle eines Lehrers in der Erziehungsanſtalt ſeines Vaters verſehend, deren Leitung er durch die Krankheit des Letzteren ſich veranlaßt ſah, einige Zeit ſelbſt in die Hand zu nehmen. Herbſt 1854 wurde er nach beſtandenem Staatsexamen unter die Candidaten der höheren Realwiſſenſchaften aufgenommen. Januar 1855 trat er als Er⸗ zieher in das Haus des Feldmarſchalllieutenants Baron Paumgartten und blieb, dieſer Familie von Mainz nach Böhmen und Italien folgend, bis Herbſt 1858 in dieſer Stellung. Darauf wurde ihm ſeine jetzige Stelle als Lehrer an der höheren Bürgerſchule zu Wiesbaden proviſoriſch übertragen.

B. unterricht.

1. Allgemeines.

Der im erſten Jahresbericht der höheren Bürgerſchule zu Oſtern 1858 mitgetheilte Lehrplan iſt in den bis jetzt vorhandenen 4 Klaſſen möglichſt zur Ausführung gebracht wor⸗ den. Um den Fundamenten des franzöſiſchen Sprachunterrichts eine noch größere Stärke und Haltbarkeit geben zu können, wurden demſelben während des Winterhalbjahres in Klaſſe IV. 2 weitere Stunden zugefügt, und wegen des dadurch herbeigeführten Ausfalles der Geſchichts⸗ ſtunden, erhielt nun der deutſche Unterricht die Aufgabe, den Stoff zu den ſchriftlichen und mündlichen Uebungen in dieſer Klaſſe vorzugsweiſe aus dem geſchichtlichen Gebiete zu entneh⸗ men. Bei den 3 unteren Klaſſen war auch dieſes Jahr eine Trennung in Parallel⸗Abthei⸗ lungen erforderlich. An dem Unterricht in der Buchhaltung in Kl. I. nahmen im Sommer alle Schüler außer 1, im Winter alle außer 3 Antheil. Die Zahl der an den Arbeitsſtun⸗ den ſich Betheiligenden ſtieg im Sommer auf 60, im Winter auf 50 Schüler. Außerdem ließen es ſich die einzelnen Lehrer angelegen ſein, durch unentgeltliche Nachhilfeſtunden die ſchwächeren Schüler zu fördern. Die ſeit dem 12. November auf höhere Verfügung eingetre⸗