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ctorem et Physicae Professorem anhero gnädig vociret, vnd dadurch die fundirte Hohe Hanauiſche Land⸗Schul dermaſſen löblich gezieret, daß ſie eine ſchöne Geſtalt, vnd berühmten Namen eines Illustris Gymnasii würcklichen bekommen. Welches aber, läyder Gott erbarms! in denen ſchwürigen dreyfigjährigen Kriegsläuften, vnd vielen Land⸗ vnd Leut⸗ver⸗ änderungen dergeſtalt in Abgang kommen, daß es kaum den Namen eines Gymnasii recht behalten, ſondern faſt mehrentheyls in eine Scholam Trivialem verwachſen, vnd der obgedachte Schulbau⸗Platz, ley⸗ der biß in das 1664 Jahr, mit einem langen Schul⸗Trauer⸗Schläyher uͤberzogen, verhüllet geſtanden: Ich meyne, der ſo langgetragene Trauer⸗ Mantel iſt faſt kahl worden! Ach Ja! Jal viel zu kahl.“
³) Johann Philipp Pareus iſt am 24. Mai 1576 geboren zu Hemsbach bei Worms, wo ſein Vater damals als Prediger ſtand; ſeine Mutter Magdalene war des Predigers zu Heppenheim, hernach zu Creuz⸗ nach, Johannes Stibelius Tochter. Er beſuchte das Gymnaſium zu Neu⸗ haus in der Pfalz und nach Abſolvierung des Gymnaſialcurſus machte er ſeinen philoſophiſchen Curſus auf den beiden Univerſitäten zu Heidelberg und zu Baſel(wo er die Magiſterwuͤrde empfieng). Darnach widmete er ſich dem Studium der Theologie, und zwar zuerſt gleichfalls wie⸗ der auf den beiden genannten Univerſitäten, zu Heidelberg bei ſeinem Vater, David Pareus, und bei Daniel Tossanus, und zu Baſel unter Grynaeus und Polanus, dann aber auch zu Genf bei Theodor Beza. Im Jahr 1600 finden wir ihn wieder zu Heidelberg, wo ihn der bekannte Liederdichter Paul Schede(Melissus) am 20. December mit dem poetiſchen Lorbeerkranz krönte. Bald darauf wurde er Nector an der Schule zu Creuz⸗ nach, und kam nach kurzem Aufenthalt daſelbſt in gleicher Eigenſchaft an die Schule zu Neuhaus in der Pfalz und 1610 nach Neuſtadt a. d. Hardt. Aus Liebe zu ſeinem Vater, der ihn in ſeiger Nähe zu behalten wanſchte, ſchlug er hier eine Vocation zum Profeſſor der Theologie nach Franecker aus. Den drohenden Gefahren ſeiner Gegner auszuweichen, flüchtete ſein Vater 1621 von Heidelberg nach Anweil im Herzoglich Zweibrückiſchen; der Sohn begleitete ihn getreulich und nahm ihn dann mit ſich nach Neu⸗ ſtadt, von wo der Vater, als er die Gefahr vorüber glaubte, wieder nach Heidelberg zuruͤckkehrte, aber bald darauf am 15. Juni 1622 ſtarb. Ei⸗ nige Wochen ſpäter wurde Neuſtadt von den Spaniern genommen, und nicht nur die Bibliothek unſeres Pareus geplündert, ſondern er ſelbſt aus dem Lande gewieſen. Da eröffnete ſich ihm aber ein Aſyl in Hanau.


