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wird nach den vorausgehenden Erörterungen, denke ich, gegen diese Erklärung nicht einwenden, dals von glühenden Spitzen nichts hier stehe, 4νiας m„einfach Spitzen“ und kZawre„einfach tauchte ein““ bedeute. Der ganze Reiz der Stelle würde damit zerstört werden. Die Spitzen der Pfeile müssen gehärtet werden, damit sie zu Eros' Kämpfen sich eignen. Hübsch und witzig erfunden ist vor allem die Zusammen- setzung der Härteflüssigkeit, entsprechend den Wirkungen, welche die Pfeile hervorbringen. Honig mit Galle gemischt, ein neues Härtemittel für den Waffenschmied! Die Alten wulsten, dals jede Flüssigkeit den darin getauchten glühenden Stahl härtet. Wir lernen aus den Worten ferner, dals man im Altertum vielfach nicht die ganzen Stahlgeräte, sondern nur ihre äufsersten Teile härtete. Auch heute geschieht das bei manchen Werkzeugen, bei denen nur die Spitze oder die Schneide hart sein darf(z. B. Meiſsel, Drehmesser u. s. w.). Blümner hat eben ganz Recht, wenn er(Technologie IV, 342) betont, dafs die damalige Technik„im wesentlichen die gleiche war, wie die des heutigen Schmiedes, der ja trotz der heute auch auf diesem Gebiete stark überwiegenden Maschinenarbeit vieles offenbar in keiner anderen Weise herstellt, als sie seit Jahrtausenden üblich war“. Damit hängt es auch zusammen, dals mancher technische Ausdruck, so z. B. der unsrige, seine Bedeutung bis auf die Gegenwart behalten hat. Noch heute bedeutet 8dmei“ di'„ov ohne jeden weiteren Zusatz Stahl härten, 8acp die Härtung ¹). Weiches Eisen nennen die Hellenen 8aαlπκισάηον σιιω(Vergl. die neugriech. Wörterbücher von Kind und von Jannarakis 1883.)
Wie fest die Vorstellung von den Wirkungen der 8a⁵† auf den onos bei den Alten wurzelte, erhellt aus denjenigen Stellen, in denen das Wort von anderen Dingen gebraucht wird. So bei Plut. quaest. conv. III 3, 4. Der Schriftsteller sagt dort: örαemνάν oνν ν Olvo eis orprnra oανν ureon, pooieο μνονλμινμά iν 8a ν xαν ννera maαντ⁴αιαασν μάαικςρÆf sευατe κ.(Wenn der Wein in eine Menge Feuchtigkeit hineinkommt, so wird er überwältigt und verliert seine Kraft und wird ganz matt und wässerig.) Man sollte annehmen, daſs 8a† otvor, wenn dabei der ursprüngliche Sinn des Eintauchens einigermaſsen festgehalten würde, gerade das Entgegengesetzte von Kraft bedeuten mülste. (Vergl. unser„getaufter Wein“.) Trotzdem steht hier Sacpt im Sinne von zodrog, wie der Zusammenhang zeigt, in dem es sich darum handelt, dals der Wein seine berauschende Wirkung einbüſst. Das erklärt sich lediglich durch das Bild, welches allen Griechen aus der Odyssee(IX, 391— 393) bekannt war:
6½ d“ d αννσ axrete oderry †αeν ι τσιιαααννον elv ddατε υιννά¶ Sνπσντσ εναασα ieνοων᷑νπι αοσ⁴ͥ oο τ‿ Td αᷣre Gοσ 7ε ⁴eτασον εσ σανν.
Und wenn Dioskorides(eob UAnc iorbennc V 138— s. Progr. 1885 S. 8) sagt, daſs die Koralle, sobald sie aus dem Meere aufsteigt,(also nicht mehr eingetaucht ist!) fest und hart werde, und dieses Hartwerden durch das einfache Gde Saı ausdrückt, wozu νπmνννυνοασα nur erläuternd(**τοQ⁹) hinzutritt, so erkennt man daraus, dals 8drmmw auch ohne die Verbindung mit ννιαιιοςα zur Bedeutung hart machen“ gelangt war. Das erscheint nicht auffallend, wenn wir berücksichtigen, dafs der so leicht verständliche Vorgang der Härtung wie der Erweichung des Stahles von den Griechen sehr häufig zu rhetorischen und poetischen Vergleichen benutzt worden ist, So dals die Vorstellung der Sache und die Bedeutung der Bezeichnungen in das allgemeine Sprachbewulstsein übergingen. Das Eisen gilt den Alten seiner Natur nach als das härteste der Metalle; trotzdem wird es durch des Feuers Macht gebändigt und erweicht; aber durch das Eintauchen in eine Flüssigkeit und- die damit verbundene plötzliche Abkühlung wird die Erweichung wieder aufgehoben
¹) Auffallend ist es, daſs der in Athen lebende Philologe Mistriotes trotz dieser Thatsache die αBιν 6,70 1Oov an unserer Stelle im Anschlufs an die Scholien als eine Erweichung des Eisens auffalst. Die Rücksicht auf den Sprachgebrauch seiner Muttersprache hätte ihn davor behüten sollen.


