Aufsatz 
Zur Geschichte des alten Gymnasiums zu Montabaur
Entstehung
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neu eintretenden Schüler wurden allerdings nach dem Maße ihres Wiſſens ſofort der Klaſſe zuge⸗ wieſen, in welche ſie gehörten. Auf dieſe Weiſe begann die Anſtalt mit einer Gymnaſial⸗Sexta, Quarta, Quinta, Tertia, auf welchen 95 Schüler ſaßen. Allein bald ſtellte ſich heraus, daß noch eine fernere Abtheilung nöthig ſei. 28 Zöglinge der Realſchule hatten gar kein oder nur äußerſt wenig Latein gelernt. 17 von ihnen waren ſo alt, daß ihre Zurückverſetzung in niedere Klaſſen unbedingt verboten erſchien. Was war zu thun? Obwohl die Beibehaltung von Realklaſſen durch eine Verfügung der Kgl. Regierung vom 9. Juni 1868 als nicht beabſichtigt bezeichnet war, ſo mußten wir uns doch entſchließen, für die Tertianer eine beſondere Realabtheilung zu bilden. Bei den Realiſten der Quarta und Quinta geſtatteten wir, um unter den eigenthümlichen Verhältniſſen keinen Druck auszuüben, den Eltern die Wahl, ob ſie ihre Söhne an dem Unterrichte in den klaſſiſchen Sprachen Theil nehmen laſſen wollten, oder nicht. Diejenigen Kinder, deren Eltern ſich für das letztere entſchieden, wurden während der lateiniſchen und griechiſchen Stunden anderweitig beſchäftigt. So blieben auf Quarta und Quinta bis Oſtern 1869 noch Realſchüler zurück, während auf Sexta ſelbſtredend alle Knaben das Lateiniſche mitlernen mußten und neu eintretenden Schülern Diſpenſation vom altſprachlichen Unterrichte nicht mehr ertheilt wurde.

Nachdem das Progymnaſium bereits am Sonntag, den 20. Dezember 1868, bei einem öffentlichen Schul⸗Aktus ein größeres Publikum in ſeinen Räumen geſehen hatte, feierte es am 21. März 1869 zum erſten Male den Geburtstag Sr. Majeſtät des Königs durch Dekla⸗ mationen, Geſang und Vorträge der Schüler. Die Feſtrede hielt der Rektor über die patriotiſche Wirkſamkeit und Bedeutung eines trefflichen Deutſchen Mannes, Walthers von der Vogelweide. Da dieſer Gegenſtand demnächſt in einer beſonderen Abhandlung des Unterzeichneten eingehender behandelt werden ſoll, ſo muß ich mich darauf beſchränken, den Schluß der Rede hier folgen zu laſſen, um zu zeigen, in welcher Art und Weiſe unſere Schule die Hebung des nationalen Bewußtſeins ihrer Zöglinge anſtrebt(vergl. S. 40.):Ich habe es verſucht, werthe Anweſende, Ihnen das Leben und Wirken eines Mannes zu zeichnen, der vor vielen Anderen auf den Namen eines Deutſchen Mannes, eines Deutſchen Dichters Anſpruch machen darf, der in trüber Zeit mit Einſetzung all ſeiner Kraft, mit dem hohen Ernſte und der geiſtigen Gewalt ſeiner Muſe gegen den Bruder⸗ zwiſt und für die Einigkeit und Größe des Vaterlandes geſtritten hat. Sei er uns ein Muſter und ein Vorbild! Mögen auch wir Alle insgeſammt und jeder Einzelne nach ſeinem Theile mit⸗ wirken, daß dem unheilvollen Stammeshader, der leider ſchon ſo oft die entſetzlichſten Leiden über unſer armes Land gebracht hat, endlich ein Ziel geſetzt werde. Möge Süd und Nord ſich endlich verſöhnt die Hand reichen und gemeinſam ringen für Deutſchlands Einheit, Ruhm und Ehre. Gebe Gott, daß der Krieg, deſſen blutige Ereigniſſe noch in unſer aller Erinnerung leben, der letzte deutſche Krieg geweſen ſei. Sicherlich hat in dieſem Kampfe, der vor drei Jahren über die Zukunft Deutſchlands entſchieden, mancher Patriot geklagt, daß wiederum Deutſche gegen Deutſche die Waffen kehrten, Mancher getrauert, daß abermals Bruderblut vergoſſen wurde. Aber aus der blutigen Saat der Leichen iſt ein herrlicher Baum hervorgewachſen, der beſtändig erſtarkt,