Aufsatz 
Zur Geschichte des alten Gymnasiums zu Montabaur
Entstehung
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und den Wohlklang aller Endungen, den Reichthum und die ſtrenge Geſetzmäßigkeit der ſyntaktiſchen Verbindungen, welche die alten Sprachen auszeichneten. Durchſichtig wie ein ſonnenhelles Kryſtall, die hohe Verſtandeskraft der Griechen und Römer nicht minder als die Wirkungen einer reichen Phantaſie an den Tag legend, ſeien dieſe Sprachen vor allen andern geeignet, den Geiſt des Knaben in die heilſame Zucht zu nehmen, daß er rühriger und gewandter zu jeder Arbeit werde.Aber nicht nur die Sprachen an ſich, ſondern auch das, was die Beſchäftigung mit ihnen vermittelt, die Kenntniß der herrlichen Welt des klaſſiſchen Alter⸗ thums, verdient reichlich die Mühe, deren der Schüler ſich unterziehen muß. Denn was iſt mehr dazu angethan, den Geiſt des Jünglings zu befruchten und zu hohem, edlen Streben anzuſpornen, als die Vertrautheit mit den großen Lebensformen des griechiſch⸗römſſchen Alterthums, auf deſſen Bildungsſchätzen unſere ganze moderne Kultur fußt, des Alterthums, in dem ein Reichthum von Gedanken und Charakteren uns entgegentritt, welche dem Geiſte und Herzen der Jugend Kraft und Nahrung reichen?

Redner trat ſodann der irrigen Annahme entgegen, als ob die übrigen Lehrgegenſtände: Franzöſiſch, Geographie, Naturwiſſenſchaften und die techniſchen Fächer nicht die nöthige Berückſich⸗ tigung fänden, zeigte daß auch ſie theils aus triftigen Gründen äußerer Zweckmäßigkeit, theils um eine in ſich abgerundete, einheitliche Bildung zu erzielen, in dem gymnaſialen Lehrplane ihre berech⸗ tigte Stelle einnähmen, und zog endlich aus ſeiner Darlegung die Folgerung, das deutſche Gymna⸗ ſium verdiene eine Pflanzſchule genannt zu werden, die nicht dem Leben entfremde, vielmehr heilſam und nothwendig ſei, damit demſelben die rechte ideale Weihe erhalten bleibe, die eine verderb⸗ liche Zeitſtrömung ihm zu entziehen trachte....

So viel über die Eröffnungsfeier dieſes Tages, am Ende deren die Anweſenden Sr. Majeſtät dem Könige ein begeiſtertes Hoch ausbrachten.

Nachdem ſämmtliche auswärtige Schüler in Montabaur eingetroffen, wurden die Feſtlich⸗ keiten am Mittwoch, den 7. Oct. 1868, durch einen Gottesdienſt in der kath. Pfarrkirche und am Nachmittage durch einen gemeinſchaftlichen Spaziergang der Zöglinge, der Lehrer und des Kurato⸗ riums beſchloſſen. Es folgten die Tage der Arbeit.

Zuerſt handelte es ſich darum, die Klaſſen des Progymnaſiums feſtzuſtellen. Das Schul⸗ jahr der Realſchule hatte zu Oſtern begonnen. Die Umwandlung der Anſtalt war zwar vorbereitet worden, aber im großen Ganzen hatte der reale Lehrplan noch zu Grunde gelegen; daher konnte es nicht ausbleiben, daß viele Schüler in Claſſen ſich befanden, für welche ſie nach dem Standpunkte ihrer gymnaſialen Kenntniſſe nicht reif waren. Dieſelben alle in die entſprechenden Klaſſen zurückzu, verſetzen, ſchien aus pädagogiſchen Gründen unräthlich. Auch war es nicht möglich, daß die neuen Lehrer, mit den Anlagen und dem Fleiße der übernommenen Schüler gänzlich unbekannt, in wenigen Tagen ein ſicheres Urtheil über jeden einzelnen Schüler gewinnen konnten. Manche Knaben, na⸗ mentlich die älteren, vermochten vielleicht durch große Anſtrengung das ihnen Fehlende raſch nachzuholen. Kurz man entſchied ſich, die meiſten Schüler vorläufig in ihren Abtheilungen zu be⸗ laſſen und die definitive Konſtituirung des Progymnaſiums erſt zu Oſtern 1869 vorzunehmen. Die