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er in's Leben tritt, ihn überall auf die rechte Weiſe zu gebrauchen wiſſe, das iſt Sache der gymnaſialen Bildung. Kurz das Gymnaſium will denkende Menſchen bilden. Und dazu er⸗ achten wir allerdings gerade das Studium der klaſſiſchen Sprachen im Verein mit der Mathe⸗ matik als ausgezeichnet wirkſam.“
Während im Religions⸗ und Geſchichts⸗Unterrichte Gemüth und Phantaſie des Schülers
die lebendigſte Anregung und reichſte Förderung finde, ſo ſei hier der Knabe weuiger gezwungen, ſeine Denkkraft zu entwickeln, da er ſich dieſen Objekten gegenüber mehr aufnehmend und empfangend als ſelbſt ſchaffend verhalte. Anders ſei es ſchon mit der Mathematik, einer der wichtigſten Disciplinen des gymnaſialen Unterrichtes. Sie ſei im wahren Sinne des Wortes logiſche Wiſſenſchaft; ſie übe und ſtähle den Geiſt in ſtrenger Thätigkeit an abſtrakten Größen und werde nie ihre Wirkung auf die Ausbildung des jugendlichen Verſtandes verfehlen.„Dagegen erfordern die mathema⸗ tiſchen Disciplinen wegen ihrer Trockenheit und, wenn ich ſo ſagen darf, Einſeitigkeit eine noth⸗ wendige Ergänzung, um das volle Produkt der Bildung zu erzeugen— die Sprachen. Die Sprache iſt ein lebendiges Gewächs, das tief im menſchlichen Geiſte wurzelt; ſie iſt der Ausdruck alles geiſtigen Lebens, der ſich dem Gedanken anſchließt wie das Gewand dem aus dem Bade ſteigenden Körper. So iſt ſprachliche Bildung zugleich Geiſtesbildung; und nicht um des unmittelbaren Nutzens willen, wie er gewöhnlich verſtanden wird, lernen wir die Sprachen; nein, ſie ſind uns das Mittel füͤr die Erzielung der formalen Bildung. Es iſt der Stoff, an dem der Jüngling Verſtand und Willen zu erproben hat, hart und ſchwierig,daß er Anſtrengung verlangt, und doch auch wieder bildſam und geſchmeidig, daß er durch ſeine Bewältigung lohnende Beſrie⸗ digung gewährt. Ebenſowenig gehen Gemüth und Phantaſie beim Sprachunterrichte leer aus, da der Inhalt der Schriftwerke den jugendlichen Leſer erhebt und begeiſtert.“
Redner unterſuchte hierauf, welche Sprachen am meiſten geeignet ſeien, durch die volle bildende Kraft ihres Studiums die Anlagen des Knaben zu wecken und zu beleben, und zeigte zu— nächſt, daß die Mutterſprache dem Schüler viel zu nahe liege, um als Centralpunkt des geſammten Unterrichtsſtoffes dienen zu können. Zwar vernachläſſige das Gymnaſium den Unterricht im Deutſchen keineswegs, benutze vielmehr alle Stunden, um den Knaben zu gewöhnen, daß er ſeine Gedanken klar und richtig und in angemeſſener Form ſchriftlich wie mündlich ausdrücke; dem Schüler die Herrſchaft über die Mutterſprache zu verſchaffen, ſei der Nebenzweck jedes Unter⸗ richtes. Aber eine alte pädagogiſche Erfahrung lehre, daß es verfehlt ſei, den Unterricht auf eine Sprache zu beſchränken, welcher der Menſch nicht fremd gegenüber ſtehe, ſondern mit der er innig verwachſen ſei.
Auch das Franzöſiſche und das Engliſche könnten nicht als univerſelle Schulſprachen gelten, da ſie Miſchſprachen ſeien, aus einer Verbindung der Reſte des erſtorbeuen Lateiniſchen mit den Elementen der germaniſchen Sprachen hervorgegangen, und da ihnen die vorzüglichen Eigenſchaften abgingen, wegen deren die klaſſiſchen Sprachen mit Recht in den Mittelpunkt des ſprachlichen Un⸗ terrichts geſtellt ſeien. Indem der Vortragende dies näher auseinanderſetzte, wies er hin auf den
feſten grammatiſchen Bau, die volle Klarheit und Schärfe der Formen, die wunderbare Fülle 6


