Aufsatz 
Zur Geschichte des alten Gymnasiums zu Montabaur
Entstehung
Einzelbild herunterladen
  

33

Speicher ſeines Hauſes. Man hoffte auf die Wiederbeſetzung der Stelle umſonſt; das Geld wurde geſpart. Die proviſoriſche Leitung der Direktorialgeſchäfte übertrug die Regierung gegen eeine Gratifikation von 100 Gulden dem Profeſſor Frorath. Er war unſtreitig der tüchtigſte Lehrer des Gymnaſiums. Nach dem Zeugniſſe eines ſo kompetenten Beurtheilers wie des Direktors Högg waren zwar Rup. Hisgen, Pingeler, Salker und Barbieux recht gute Lehrer; und an Stelle des 1812 als Pfarrer nach Leutesdorf verſetzten Geſchichts⸗Profeſſors Wörsdorf war der Exconventuale Kaplan Anton Hisgen aus Montabaur, ein Mann von vortrefflicher Lehrgabe und von entſchiedenen Anlagen, getreten.Aber ſie alle, ſagt Högg, wurden überragt durch den Prof. Frorath, der den eigentlichen Halt des Gymnaſiums ſchon zu der Zeit bildete, als der Rektor Wirz noch lebte. Ich will nicht ſagen, daß ſeine Methode, die zu wenig heuriſtiſch war, die vorzüglichſte geweſen; aber ſeine Disciplin war vortrefflich.

D.e Weigerung der Regierung, Frorath zum Nachfolger des verſtorbenen Rektors definitiv zu ernenunen, zeigt, daß man mit dem Plane, das Gymnaſium aufzuheben, ſchon damals ernſtlich umging. Zum Unglück für die Stadt verſchied am 8. Januar 1816 der Fürſt Friedrich Wilhelm zu Weilburg, welcher Montabaur ſtets begünſtigt hatte. Sein Sohn Wilhelm trat, nach⸗ dem am 24. März 1816 auch Friedrich Auguſt von Naſſau⸗Uſingen ohne Hinterlaſſung von Nach⸗ kommen das Zeitliche geſegnet hatte, die Regierung des nunmehr vollſtändig vereinten Herzogthums an, welchem durch die Wiener Congreßakte und den mit Preußen abgeſchloſſenen Staatsvertrag von 1816 die letzte Abrundung gegeben wurde.

Herzog Wilhelm brachte eine neue Organiſation das geſammten Unterrichtsweſens ſeines Landes zum Abſchluß. Es lag im Plane dieſer Neugeſtaltung, nur ein Landesgymnaſium von 4 Klaſſen in Weilburg zu errichten und die bisherigen Gymnaſien dort, wo ihr Fortbeſtehen räthlich ſchien, in Pädagogien oder Progymnaſien umzuwandeln. Als der Stadtrath zu Montabaur ver⸗ nahm, daß nur Wiesbaden, Dillenburg, Idſtein und Hadamar als Sitze von Pädagogien auser⸗ koren ſeien, das hieſige Gymnaſium aber dem Untergange entgegenſehe, richtete er an den jungen Herrſcher eine(mir im Original vorliegende) Eingabe, in der um Erhaltung des Gymnaſiumsin flehentlichſter Weiſe, in tiefſter Erniedrigung und Unterthänigkeit gebeten wird. Wenn der Ge⸗ meinde das Gymnaſium und damit'die Hauptnahrungsquelle entzogen werde, ſo ſtehe zu befürchten, daß die Stadt baldeinem verödeten Dorfe ähnlich ſei. Mit vielen Gründen ſuchen die Bittſteller zu beweiſen, das Montabaur für das Pädagogium der geeigetſte Ort ſei und wegen der bereits gebrachten Opfer weit gerechtere Anſprüche darauf machen könne als Hadamar.*)

Nachdem die Regierung, durch eine Kommiſſion im April 1816 den Zuſtand der Schule an Ort und Stelle hatte unterſuchen laſſen, machte ſie die Belaſſung derſelben von größeren Opfern der Stadt abhängig. Dazu war der Gemeinderath nicht zu bewegen, obwohl der einſichtigere Theil

*) Auch Hadamar hatte, nachdem das alte Jeſuiten⸗Gymnaſium 1773 zugleich mit dem Orden ſein

Ende gefunden, ſeit 1792 wieder eine lateiniſche Schule. Nach Kehrein: Geſchichte des Gymnaſiums zu Hadamar, Progr. 1848. S. 27. war dieſelbe allerdings ſehr ſchwach beſucht. 5