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10) Naturwiſſenſchaften. Kl. l. a) Naturgeſchichte. Nach dem Werkchen von Uihlein das Wichtigſte aus der Zoologie, wobei vor Allem das Alltägliche, Naheliegeude und Ein⸗ heimiſche in's Auge gefaßt wurde. b) Naturlehre. Eigenſchaften der Körper, Weltgebäude, Erd⸗ kugel, Elemente. Kl. II. und III. a) das Nothwendigſte aus der Mineralogie, Botanik, Zoologie. b. die Anfangsgründe der Naturlehre, ſoweit es die Faſſungsgabe der Schüler erlaubte. Kl. IV V. und VI. Phyſik im Anſchluß an das Lehrbuch von Friedrich Kries, in einzelnen Jahren auch Einiges aus der Chemie, mathematiſchen Geographie und Aſtronomie.
11. Auf die Philoſophie wurde in der VI. Klaſſe der größte Theil der Lehrſtunden verwendet. Frorath diktirte ſeinen Schülern einen Abriß der Philoſophie, welcher ſorgfältig auswendig gelernt werden mußte. Seine Vorträge erſtreckten ſich auf: Eneyklopädiſche Einleitung in das philoſophiſche Studium, Phyſiologie, Pſychologie, Logik, Metaphyſik, Ethik, Naturrecht, Aeſthetik. In der Phyſtologie folgte er Lehmann(Abriß der Naturl. des menſchl. Körpers. Leipz. 1799), in der Logik und Aeſthetik F. W. D. Snell's Handbuch der Philoſophie,(5. Aufl. Gieß. 1810); im Naturrecht ſchloß er ſich an Joh. Chriſt. Hoffbauer(1766—1817; Naturrecht aus dem Begriffe des Rechts entwickelt 3. Aufl. Halle 180 4) und an K. H. Gros(geb. 1765 zu Sindelfingen, Verfaſſer eines Lehrbuchs der philoſophiſchen Rechtswiſſenſchaft, 2. Aufl. Tübing. 1805), zwei Schüler Kants, an. In der Ethik benutzte er den, Grundriß der Moralphiloſophie von K. E. Schmid, gleichfalls eines Anhängers der kantiſchen Lehre. Doch wich er in einzelnen Punkten von ſeinen Meiſtern ab. Pſychologie und Metaphyſik trug er namentlich in den ſpäteren Jahren nach Jakob Friedrich Fries vor, der auf ſeine Anſchauungen am nachhaltigſten eingewirkt hat. Fries(geb. 1773 zu Barby, geſt. 1843) ſuchte bekanntlich einzelne Mängel des kantiſchen Syſtems zu verbeſſern und Kants Unterſuchungen durch ſeine„Neue Kritik der Vernunft“ zu ergänzen.
Da es vielleicht von Intereſſe iſt, die Anſichten kennen zu lernen, welche damals den Zöglingen des hieſigen Gymnaſiums vorgetragen wurden, ſo ſetze ich einige Fundamentalſätze Froraths aus der Ethyik, dem Naturrechte und der Metaphyſik hierher, ohne mich auf eine Kritik derſelben einzulaſſen:
„Unſere Philoſophie“, ſagt er,„iſt zum Theil Materialismus, Spiritualismus, Determi⸗ nismus, Fatalismus, Realismus, Idealismus und Scepticismus, aber auch von allen dieſen unterſchieden.
Ethik. 1) Die reine Vernunft iſt die höchſte Richterin über das was gut und böſe iſt gegen den Eudämonismus und Myſticismus.
2) Der Myſticismus iſt verderblich für Geiſt und Herz.
3) Was dem Menſchen ſoll zugerechnet werden, muß von ſeiner Freiheit abhaugen.
4) Wir achten den, der nach feſter, obſchon irriger Ueberzeugung handelt, wenn er dieſe irrige Ueberzeugung ohne ſeine Schuld hat.
5) Die Ethik iſt dem Theologen unentbehrlich.
6) Die größte ſittliche Vollkommenheit, deren ein Menſch fähig iſt, iſt nur Tugend und nie Heiligkeit.


