I. Ueber Töne,
die beim Zuſammenwirken zweier Gasflammen enlſtehen. Von Dr. Karl Noack.
Bei Verſuchen mit ſenſitiven Flammen machte ich die Bemerkung, daß Töne der verſchiedenſten Höhe und beträchtlicher Stärke entſtehen, wenn man zwei Gasflammen, die eine horizontal, die andere vertikal, ſo gegen einander brennen läßt, daß ſie ſich nahe den Fußenden, d. h. bis zu etwa ⅛ der ganzen Länge, ſchneiden. Soweit iſt dieſe Beobachtung nicht neu, denn wie ich mich überzeugt habe, hat Herr Kundt eine ähnliche Beobachtung in den Annalen der Phyſik und Chemie Bd. 128 p. 614 ff. beſchrieben. Das Reſultat ſeiner Unterſuchungen iſt folgendes:
Läßt man aus zwei Spitzen zwei Windſtröme austreten und richtet ſie unter irgend einem Winkel gegeneinander, ſo vernimmt man einen oder eine Anzahl ſehr hoher und ſehr leiſer Töne. Durch eine übergeſchobene Glasröhre wird der Ton etwas geändert, aber ohne daß der Eigenton der Röhre ſehr ſtark hervortritt. Lenkt man mittels der Spitzen zwei Leuchtgasflammen geneigt gegen einander, ſo erhält man, ſo lange die beiden Gasſtröme gleich ſtark und genau gegen einander gerichtet ſind, keinen Ton; erſt wenn eine dieſer Bedingungen nicht erfüllt iſt, hört man einen ſchwachen Ton, der indeſſen ſtärker iſt, wie der vorige. Schiebt man dann über beide Flammen eine Röhre, ſo tritt deren Eigenton ſehr ſtark auf, und die Flamme zeigt, durch eine ſtroboſkopiſche Scheibe betrachtet, die bekannte horizontale Schichtung.
„Es iſt zur Tonerzeugung nöthig, daß die Flammen ungleich ſind, oder etwas neben einander vorbeibrennen, nur dann gerathen ſie, ſei es durch eine Art Reibung der einen gegen die andere, wie ein Luftſtrom, der gegen das Labium einer Pfeife geht, ſei es auf andere Weiſe in kleine Vibrationen, von denen dann diejenigen, die dem Eigenton des Rohres entſprechen, beſonders verſtärkt werden.“ Bläſt man Kohlenſäure durch eine der beiden Spitzen, ſo tritt dieſelbe Erſcheinung ein.
Dies ſind die einſchlägigen Reſultate, die ſich aus Herrn Kundt's Beobachtungen ergeben.
Später hat M. C. Decharme(Annalen der Phyſik und Chemie Suppl. 7.) eine ähnliche Bemerkung gemacht, offenbar ohne jene zu kennen. Er behauptet, das Tönen finde nur ſtatt, wenn man Luft oder Sauerſtoff gegen eine Gasflamme ſtrömen ließe, und führt demgemäß die Erſcheinung auf chemiſche Vorgänge zurück.
Die Irrigkeit dieſer Erklärung geht aus den älteren Verſuchen des Herrn Kundt deutlich hervor. Ich ſelbſt habe mich überzeugt, daß auch bei nicht brennenden Gasſtrömen bisweilen das Tönen, wenn auch ſehr viel leiſer, eintritt.
Wie aus dem angeführten hervorgeht, hat Herr Kundt dieſe tönenden Flammen in ihrer Eigenart nicht recht gewürdigt, ſondern dieſelben mehr als Erregungsmittel zum Tönen von Luft⸗ ſäulen benutzt. Allein wenn man die Verſuche mit der nöthigen Vorſicht anſtellt, ſo geben die


