Aufsatz 
Die Realschule in Höchst a.M. von 1817-1884 / von Philipp Hafner
Einzelbild herunterladen

— 25—

18. Turnunterricht der Knaben.

Alle Klaſſen wöchentlich zweimal je 2 Stunden bei günſtigem Wetter(nach Klöß' Anleitung). Jung.

19. Induſtrieunterricht der Mädchen.

Alle Klaſſen wöchentlich zweimal je 2 Stunden kombiniert. In⸗ duſtrielehrerin Weiß.

Die Ergebniſſe des Unterrichts an der reorganiſierten Realſchule ſcheinen im allgemeinen befriedigend geweſen zu ſein. Aus den Berich⸗ ten über die ſeit 1866 vorgenommenen Reviſionen geht wenigſtens hervor, daß erſprießliche Leiſtungen erzielt worden ſind. Allerdings wird immer von neuem die ſchlechte Ausſprache im Deutſchen und die mangelnde Fähigkeit im mündlichen und ſchriftlichen Ausdruck gerügt. Und in allen Berichten kehrt eine Klage wieder, die ſo alt iſt als die Realſchule ſelbſt und die ſchon bei einer Reviſion im Jahre 1846 er⸗ hoben worden war, das iſt die Klage über den Mangel an Ordnung und Sauberkeit und über die ſchlechte Schrift in den Reinheften, die ein wenig erfreuliches Bild geboten zu haben ſcheinen. Man muß dar⸗ aus ſchließen, daß die Lehrer dieſem für die Erziehung ſo wichtigen Punkte, zu geringe Aufmerkſamkeit zugewendet oder wenigſtens die unbedingt notwendige Feſtigkeit in der ſtrengen Durchführung einer beſſeren Ordnung haben vermiſſen laſſen.

Inbetreff der Verſetzungen ergingen unter dem 15. Februar 1863 eingehende Beſtimmungen. Die Verſetzung ſollte danach nicht von einem Rechenexempel abhängig gemacht werden, ſondern das Haupt⸗ kriterium ſollte in der Beantwortung der Frage liegen, ob der be⸗ treffende Schüler in allen Hauptunterrichtsgegenſtänden das Klaſſen⸗ ziel ſoweit erreicht habe, daß mit Grund erwartet werden dürfe, er werde in dieſen Fächern bei entſprechendem Fleiß in der nächſt höheren Klaſſe dem Unterricht folgen können. Daneben wird noch eine Reihe von Momenten angedeutet, die bei der Verſetzung in eine höhere Klaſſe in die Wagſchale fallen müßten; es müſſe die Verſetzungsfrage für jeden einzelnen Schüler nach allen dabei in Betracht kommenden Momenten aufs gründlichſte geprüft werden. Dieſer durchaus zu billigende Grundſatz hat aber, wie es ſcheint, wenigſtens in Höchſt, doch bald wieder der Schablone weichen müſſen. Jedenfalls finden wir in den Verſetzungsprotokollen der 70er Jahre als Norm aufgeſtellt, daß die Durchſchnittszenſur 4= genügend im ganzen nicht weſentlich über⸗ ſchritten werden ſolle. Für die Verſetzungen ſelbſt hatte man übrigens verſchiedene Abſtufungen: Ein Teil der Schüler wurde unbedingt ver⸗ ſetzt, andere Schüler mit Verwarnung, manchen wurde Nachholen des Verſänmten während der Oſterferien empfohlen, von anderen wieder