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Ciceros Werken und ſollte auch dieſe Eigenſchaft nicht auf den, der ſeine Rede nach ihnen in der⸗ ſelben Sprache zu bilden ſucht, am meiſten uͤbergehen und nicht dann auch in jeder Art ſeiner ſchriftlichen Darſtellung ſichtbar werden? Unrecht thut man alſo den Schulmaͤnnern, welche auf die Uebungen im Lateiniſch⸗Schreiben einen großen Werth legen, in hohem Grade, wenn man ſie einer Geringſchaͤtzung der Mutterſprache bezuͤchtigen will. Vielmehr erkennen auch ſie gern an, daß richtig zu denken und ſeine Gedanken in der Mutterſprache richtig und ſchoͤn auszudruͤcken, ein hoͤheres und wichtigeres Ziel fuͤr ihre Schuͤler iſt, als in lateiniſchen Aufſaͤtzen dem Cicero nachzuahmen. Aber ſowie uͤberhaupt der ſicherſte Weg zu einem Ziel nicht gerade der naͤchſte iſt, ſowie die Gabe der Rede nicht ſowohl durch vieles Schreiben als durch die Bemühung, gut zu ſchreiben, erworben wird, ſowie uͤberall die ſchwerere und mühſamere Uebung auch der leichteren und naͤher liegenden foͤrderlich wird, ſo wird auch der deutſche Ausdruck an Kraft, Nachdruck und Mannigfaltigkeit durch richtig angeſtellte Uebung im lateiniſchen Ausdruck gar ſehr gewinnen und durch die wiederholten Verſuche, die Gedanken auf verſchiedene Art zu drehen und zu wenden, und den Ausdruck derſelben ſo umzugeſtalten, wie es der Genius der lateiniſchen Sprache erfordert, wird die Gewandtheit im deutſchen Ausdruck gar ſehr gefoͤrdert werden, zu geſchweigen, daß nicht bloß hinſichtlich der Diction, ſondern auch hinſichtlich der Auswahl und Anwendung der Gedanken in Ruͤckſicht auf den Zweck der Darſtellung die alten Claſſiker und die roͤmiſchen ebenſowohl, wenn nicht noch mehr als die griechiſchen, unuͤbertroffene Muſter darbieten, die nur durch Verſuche der Nachbildung in ihrer eigenen Sprache dauernde und nachhaltige Fruͤchte fuͤr jede Art der Dar⸗ ſtellung tragen werden. Eine Einmiſchung des Fremdartigen in der Mutterſprache iſt aber nicht zu fuͤrchten, weil dieſe immer das Uebergewicht behaͤlt und man muͤßte eine unglaubliche und der Erfahrung widerſprechende Verwirrung in den Koͤpfen der Schuͤler vorausſetzen, wenn man nach⸗ theilige Einwirkungen auf die deutſche Schreibart von der Uebung im Lateiniſch⸗Schreiben auch nur bei gewoͤhnlichen Koͤpfen erwarten wollte. Unbekuͤmmert alſo um den Vorwurf, einen Ver⸗ rath an der Mutterſprache zu begehen, koͤnnen die Gelehrten⸗Schulen ihre auf ſtete Belebung der alten claſſiſchen Sprachen und der in denſelben verfaßten Geiſteswerke in den Seelen der Jugend gerichtete Thaͤtigkeit eifrig fortſetzen, ja ſie koͤnnen ſich ruͤhmen, daß durch die lebendige Betreibung der claſſiſchen Studien der vaterlaͤndiſche Sinn mehr als durch bloßen Unterricht in vaterlaͤndiſchen Zuſtaͤnden und Verhaͤltniſſen geweckt und unterhalten wird, und daß durch keine Art von Lehr⸗ anſtalten mehr oder nur eben ſo wie durch diejenigen, in welchen die claſſiſchen Studien vorherrſchen und der Lernthaͤtigkeit vorzugsweiſe ihr inneres Leben geben, das Gedeihen der deutſchen Sprache und Literatur, des theuern Kleinods und feſteſten gemeinſamen Bands der deutſchen Nation, gefoͤrdert wird. Daß aber vielleicht zur Erregung des vaterlaͤndiſchen Sinnes, den Gottfried Hermann,


