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Seit Gründung unseres Gymnasiums hatte er diesem mit einer Unterbrechung von zwei Jahren, die er als Erzieher im Auslande verlebte, seine frische Kraft gewidmet. Die An- stalt bleibt ihm für die treue Gewissenhaftigkeit, mit der er ihr gegenüber seine Pflichten erfüllte, und den anregenden Unterricht, den er an ihr erteilte, dauernd zum Danke ver- pflichtet. Mit Schluss des Sommerhalbjahres verlieſs uns Prof. Dr. Roese, um einer Berufung als Direktor an das städtische Realgymnasium in Stralsund zu folgen, nachdem er nur 3 ½ Jahre als Lehrer an unserem Gymnasium gewirkt hatte. Die Schüler verloren in ihm einen kenntnisreichen Lehrer, der sie mit fester Hand leitete und ihr Wissen mit anerkennenswertem Lehrgeschick zu fördern verstand, die Kollegen einen Mitarbeiter, der sie nicht nur in wissenschaftlichem Denken anzuregen, sondern auch ihre Standes- interessen in den verschiedenen Kreisen des hiesigen Lebens wahrzunehmen und geschickt zu vertreten wusste. An seine Stelle trat Oberlehrer Franz Wedemann, bis dahin
wissenschaftlicher Hilfslehrer an dem Gymnasium in Corbach.
Franz Wedemaunn, geboren am 16. April 1860 zu Brilon, evangelischer Konfession, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte von Herbst 1881 an in Münster, Berlin und Marburg besonders deutsche und klassische Philologie; in Münster genügte er auch seiner Militärpflicht. Am 6. August 1886 bestand er in Marburg die Prüfung pro facultate docendi und leistete von Herbst 1886 bis dahin 1887 am Königlichen Gymnasium zu Fulda das pädagogische Probejahr ab. Nachdem er darautf, von Herbst 1887 an, in verschiedenen Privatstellungen thätig gewesen war, wurde er Ostern 1895 dem Königlichen Gymnasium zu Weilburg und Herbst 1896 dem Fürstlichen Gymnasium zu Corbach als etatsmäßiger Hülfslehrer zugewiesen, von wo er mit dem 1. Oktober 1898 als Oberlehrer an das Kaiser-Priedrichs-Gymnasium in Frankfurt a. Main versetzt wurde.
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3. Schulfeste.
Das Frühlingsfest wurde von den oberen Klassen am 11. Mai, von den unteren am 14. Juni mit Ausflügen in die Umgegend gefeiert. Die vaterländischen Gedenktage wurden in herkömmlicher Weise mit einer Andacht und entsprechenden Vorträgen be- gangen.— Am Sedantage unternahm das Gymnasium in diesem Jahre unter zahlreicher Beteiligung der Angehôrigen unserer Schüler mit der Trambahn wieder eine gemeinsame Ausfahrt nach dem Biegwalde. Hier wurde nach einer Ansprache des Direktors der Tag mit Gesängen, Wettkämpfen und Turnspielen gefeiert.— Zur Vorfeier des 40. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fand am Abend des 26. Januar eine musikalisch-deklamatorische Abendunterhaltung statt, in deren erstem Teile Instrumentalvorträge mit Deklamation wechselten. In dem zweiten Teile gelangte eine melodramatische Cantate von Frz. Treller: „Dem Kaiser Heil“ zur Aufführung. Die sehr zahlreich erschienenen Festgäste zollten den Vorführungen unserer Schüler freundlichen Beifall.— An dem Morgen des kaiserlichen Ge- burtstages selbst wurde ein Schulakt abgehalten, bei dem u. a. von den Schülern das Salvum fac regem, eine Komposition des Organisten an der hiesigen reformirten Kirche vorgetragen wurde. Die Orgelpartie hatte der Komponist, Herr H. Gelhaar, selbst zu übernehmen die Güte. Die Festrede hielt der Oberlehrer Dr. Werner über deutsche Kolonisation. Am Schlusse der Feier verteilte der Direktor mehrere Prämien und zwar das von Sr. Majestät dem Kaiser für besonders gute Schüler bestimmte Werk von Wislicenus:„Deutsch- lands Seemacht sonst und jetzt“ und 5 Exemplare des vom Herrn Minister zur Verteilung an fleiſsige und befähigte Schüler bestimmten Werkes von W. Büxenstein„Unser Kaiser“.


