Aufsatz 
In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien?
Entstehung
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Wo es anderweitige Verhältniſſe erzwingen, wird dann ſchon in der naͤchſt höheren Klaſſe zu dem Lateiniſchen das Franzöſiſche hinzukommen und, weil auch hierin bald das Wichtigſte aus der Formenlehre Eigenthum des Schülers werden muß, dieſem dieſelbe Anzahl von Lehrſtunden einzuräumen ſeyn, als vorher dem Lateiniſchen. Das letztere iſt ſowie auch das Deutſche deshalb hier auf eine kleinere Stundenzahl zu beſchränken, was ohne Nachtheil geſchehen kann, da der Schüler bereits etwas ſelbſtſtändiger und reifer geworden.

Eine gleiche Reduction wird in der nächſt höhern oder der darauf folgen⸗ den Klaſſe das Franzöſiſche treffen, weil hier außer andern Gegenſtänden auch das Engliſche einzutreten hat.

Wenn von hier aus die beiden neuern fremden Sprachen bis einſchließlich zur oberſten Klaſſe fortgetrieben werden, ſo entſteht die Frage, ob dieß auch für die lateiniſche Sprache gelten ſolle. Wer die Richtigkeit der oben aufgeſtellten Beweggründe für die Erlernung des Lateiniſchen überhaupt anerkennt, und mit dieſer Sprache nur einigermaßen bekannt iſt, der wird auch hier keinen Angenblick anſtehen, ſich für deren Fortführung bis ans Ende der Schullaufbahn unbedingt zu erklären. Auch erſcheint es, hiervon abgeſehen, überhaupt viel rathſamer, ſich lieber gar nicht erſt in Bewegung zu ſetzen, als auf halbem Wege ſtehen bleiben zu wollen.

Da in den oberſten Klaſſen höchſtens drei Stunden wöchentlich auf das La⸗ teiniſche kommen könnten, ſo entſteht mit Recht die Frage, ob denn das oben ange⸗ deutete Ziel unter ſolcher Beſchränkung irgendwie erreichbar, ob nicht das Ender⸗ gebnis ein dürftiges und kümmerliches ſeyn werde, woran weder Schüler noch Leh⸗ rer eine wahre Freude haben. Es iſt daher die Art und Weiſe näher zu unter⸗ ſuchen, wie der Unterricht im Lateiniſchen für die Zwecke eines Realgymnaſiums einzurichten ſey. 5

Vor allen Dingen hat eine ſolche Anſtalt alles dasjenige unerbittlich davon auszuſchließen, was ohne Beeinträchtigung ihres Zieles, bei allen ſonſtigen Vor⸗ theilen für die Ausbildung des Geiſtes, entbehrt werden kann.

Das Realgymnaſium hat vor Allem Verzicht zu leiſten auf eine Befähigung ſeiner Schüler, ihre Gedanken ſchriftlich wie mündlich nicht nur in klaſſiſchem Latein, ſondern überhaupt in lateiniſcher Sprache ausdrücken zu können, indem das Hinzukommen dieſer Forderung einen Aufwand von Zeit nöthig machen würde,