Aufsatz 
Die einheitliche Redaktion des Geschichtswerkes des Thukydides
Entstehung
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V. Zur Geſchichte der Anltalk. (Oſtern 1903 bis Oſtern 1904).

Das Sommerhalbjahr begann Dienstag den 21. April und ſchloß Samstag den 26. Sep⸗ tember 1903. Das Winterhalbjahr begann Dienstag den 13. Oktober 1903 und wird Mittwoch den 23. März 1904 ſchließen.

Am 1. April 1903 wurde Herr Lehramtsaſſeſſor Müller, nach dreijähriger Tätigkeit an unſrer Anſtalt, zum Oberlehrer an der Realſchule und dem Progymnaſium zu Bingen ernannt. An ſeine Stelle trat Herr Lehramtsaſſeſſor Auguſt Hohenſtein(bisher an der Realſchule zu Michelſtadt).

Am 10. Oktober 1903 wurde Herr Oberlehrer Prof. Dr. Schopp auf ſein Nachſuchen unter Aner⸗

kennung ſeiner langjährigen und treuen Dienſte und unter Verleihung der Krone zum Ritterkreuz 1. Klaſſe des Philippsordens in den Ruheſtand verſetzt. Unſre Dankbarkeit und unſre guten Wünſche für einen glücklichen Lebensabend begleiten den ſcheidenden, faſt 70 jährigen Senior der heſſiſchen akademiſchen Lehrer⸗ ſchaft, der ſeit 1868, alſo 35 Jahre lang, an unſrer Anſtalt eine ſegensreiche Tätigkeit entfaltet und dabei Zeit und Kraft gefunden hat zu wiſſenſchaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete der Geologie. Noch unſer voriger Jahresbericht(Oſtern 1903) brachte einen Aufſatz von ihm: Beiträge zur Kenntnis des Diluviums im weſtlichen Rheinheſſen, nebſt Karte. Die erledigte Stelle wurde Herrn Oberlehrer Profeſſor Dr. Karl Stoltz von Mainz übertragen.*) 4 Herr Lehramtsaſſeſſor Hammann war vom 1. April bis 26. Mai 1903 zu einer militäriſchen Übung und Herr Oberlehrer Lauteſchläger vom 2. bis 10. Juni 1903 zum ſog. Limes⸗Kurſus beurlaubt. Zur Aushilfe wurde uns während dieſer Zeit Herr Lehramtsakzeſſiſt Jak. Como überwieſen. Im Auftrag der vorgeſetzten Behörde nahm Herr Oberlehrer Dr. Schnell im Frühjahr 1903 an einem raturwiſſenſchaſtlichen Fortbildungs⸗Kurſus in Gießen und Herr Oberlehrer Profeſſor Dr. Becker im Herbſt 1903 an einem archäologiſchen Fortbildungs⸗Kurſus in Dresden teil. Die kurze Vertretung des Erſtgenannten und einige andere Vertretungen, die durch Erkrankungen oder Verhinderungen von Mit⸗ gliedern des Lehrkörpers nötig wurden, übernahmen die Amtsgenoſſen. Dies war indeſſen nicht möglich, als Herr Oberlehrer Profeſſor Fritz ſich im November einer ſchweren Operation unterziehen mußte, deren Folgen ihn gezwungen haben, ſich bis zum Beginn des Sommerhalbjahres beurlauben zu laſſen. Seine Stelle verſieht ſeit dem 24. November 1903 Herr Lehramtsakzeſſiſt Julius Richter.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog hatte die Gnade, im Dezember 1903 dem unterzeich⸗ neten Direktor den Charakter als Geheimer Schulrat zu erteilen.

Aus dem vorigen Jahre iſt nachzutragen, daß am 25. November 1902 unſerm Rechner Herrn Rechnungsrat Weitzel das Ritterkreuz 2. Klaſſe des Philippsordens verliehen worden iſt.

Die erledigte Pedellenſtelle wurde dem Garde⸗Unteroffizier Herrn Emil Blum von Darmſtadt am 1. April 1903 proviſoriſch und am 16. Juli 1903 definitiv übertragen.**)

In den Reifeprüfungen, die am 12. September 1903 und am 26. Februar 1904 unter dem Vorſitz des Herrn Geh. Oberſchulrat Nodnagel abgehalten wurden, beſtanden 15, bezw. 21 Abi⸗ turienten(ſ. die Namen unter IV D). Im Herbſt und im Frühjahr wurden je 10 von der mündlichen Prüfung befreit. 1

Am 12. Mai 1903 begingen wir den 100. Geburtstag unſres berühmten Landsmanns und Schülers unſers Gymnaſiums, Juſtus von Liebigs, durch eine Schulfeier; hierbei entwarf Herr Oberlehrer Profeſſor Fritz in längerer Rede ein Bild des Lebens und Wirkens des großen Gelehrten. Der Feier des 25. Novem ber gab die Trauer, in die der Tod Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzeß Eliſa⸗ beth Fürſt und Volk verſetzt hatten, diesmal einen ernſten, wehmütigen Charakter; der Direktor wies in

*) Profeſſor Dr. Karl Stoltz, geboren 1858 zu Wonsheim in Rheinheſſen, beſuchte von 1872 bis 1873 die Realſchule und von 1873 bis 1877 das Realgymnaſium zu Darmſtadt und ſtudierte von Herbſt 1877 bis Juni 1881 in Gießen Mathematik und Naturwiſſenſchäften. Von 1881 bis 1882 machte er ſeinen Akzeß an unſrer An⸗ ſtalt, diente von 1882 bis 1883 und war dann noch bis Ende 1883 an unſrer Anſtalt tätig. Im Januar 1884 wurde er am Realgymnaſium und der Realſchule zu Mainz proviſoriſch und im Mai 1887 definitiv angeſtellt. Im Mai 1890 promovierte er mit der DiſſertationUnterſuchung der Fläche 3. Ordnung hinſichtlich der projektiv ver⸗ allgemeinerten Mittelpunktseigenſchaften.

*) Emil Blum, geboren 1855 zu Darmſtadt, leiſtete 1875 bis 1877 ſeiner Militärpflicht Genüge und diente dann in der Großherzoglichen Garde⸗Unteroffizier⸗Kompagnie von 1892 bis 1903. Daneben lag er ſeinem Geſchäft als Steinhauer ob.