26—
änderungen eine Veränderung der Vibrationsebene nach sich ziehen können. Dies erklärt aber Herr Elsas nicht. Wir wissen von früher, dass sich der Faden bei wohl ausgebildeten Wellen in der Nähe des singulären Falles befindet. Hier wird die Bewegung überhaupt unsicher, wenn kleine Spannungsänderungen eintreten, höchst wahrscheinlich weil sich die Eigenschwingungen des Fadens einmischen und die Schwingungsebene zu bestimmen suchen. Ohne Einfluss der Eigen- schwingung wird die Ebene horizontal(entsprechend der vorwiegenden Horizontal-Transversalkom- ponente), unter Einfluss derselben vertikal sein, weil sie durch die Schwerkraft bestimmt wird.
Ad 3. Die tertiären Schwingungen lassen sich nach Elsas nicht erklären, wenn man die Meldesche Ansicht beibehält. Aber es ist Elsas nicht gelungen eine solche aufzustellen, welche das Geforderte leistet.
Ad 4. Wir erfahren erst durch dieses„Bedenken“, dass die Stimmgabel nach Melde mehrere Schwingungen vollführt. Wir haben das in der That noch nicht gewusst, und schwerlich wird Jemand, der die betr. Schriften gelesen hat, auf einen ähnlichen Gedanken kommen. Niemand wird daran zweifeln, dass die Transversalkomponente ebensogut als harmonische(pendelartige) Schwingung aufzufassen ist wie die Parallelkomponente. Der einfachste Versuch am Kaleidophon beweist diese Auffassung, und es ist sofort einzusehen, dass die Transversalkomponente der Gabel in der Parallelstellung dieselben Schwingungen hervorrufen kann wie die Parallelkomponente in der Transversalstellung.
Ad 5. Es ist mir neu, dass die sekundären Schwingungen in der Parallelstellung eine Anzahl genau voller Halbwellen zeigen soll. Überhaupt ist hier die Bildung dieser Schwingungen mehr oder weniger undeutlich, weil ja immerhin die parallelen Erregungen noch einen bedeutenden Einfluss haben, auch wenn sie nicht geradezu Wellen bilden. Die Erscheinung von gebrochenen Wellen bei der Parallelstellung muss aber schon deswegen sehr undeutlich sein, weil das Vibrationscentrum in heftiger Parallelbewegung sich befindet. Bei der Transversalstellung wirkt dagegen die Haupt- komponente transversal und erzeugt deutliche gebrochene Wellen, während die weit schwächere
Transversalkomponente jetzt parallel vibriert und wenig stört. Mit dieser Reihe von Bedenken ist es noch nicht genug. In§. 6 wendet sich Herr Elsas gegen die bekannte Erklärung Willners(in dem grösseren Lehrbuch) über das Zustandekommen der Transversalschwingungen unter dem Einflusse der Parallelkomponente und erhebt eine Anzahl weiterer Bedenken. Der Kernpunkt der Sache ist: Wie erhält der Faden am Beginne der Be- wegung eine derartige Ausbiegung, dass eine transversale Bewegung eingeleitet werden kann?— Herr Elsas steift sich darauf, dass Wüllner eine vertikale Ausbiegung durch das Gewicht der Saite annimmt. Dies wird nun bei vielen Versuchsanordnungen wirklich der Fall sein. Indessen hat der Faden so gut wie jede Saite seine Elasticitätsaxen, wodurch die Ebene der Ausbiegung bestimmt wird. Über die Veränderlichkeit der Schwingungsebene selbst habe ich schon oben ad 2. das Nötige gesagt und füge nur noch hinzu, dass Drehungen der Schwingungsebene bezw. fläche sehr häufig auch dann vorkommen, wenn das Intervall der interferierenden Schwingungen nicht ganz rein ist, oder wenn Phasenunterschiede vorliegen.)— Ferner durchsetzen stets Eigenschwingungen den
5⁰) Elsas selbst érklärt auch hier keineswegs diese Erscheinungen, sondern lässt seine Bedenken hülflos dastehen.


