auftreten, die sich als Erdbeben bemerkbar machen. Wie uns die Chronik belehrt, scheinen die Erschütterungen in früheren Jahrhunderten heftiger gewesen zu sein, da im Jahre 1021 das Baseler Münster durch ein Erdbeben vollständig in Trümmer gelegt und im Jahre 1289 dem im Bau begriffenen Münster zu Strassburg beinahe dasselbe Schicksal bereitet wurde. Noch im Laufe des 14. Jahrhunderts stellten sich in Basel heftige, lang an- haltende Erschütterungen ein, die fast ein ganzes Jahr dauerten und grossen Schaden anrichteten. Aus der Neuzeit sind für uns hauptsächlich die Erdbeben von 1869 und 1870 von Wichtigkeit, da diese das Mainzer Becken und ganz besonders die Umgegend von Gross-Gerau, wo am 31. Oktober und am 1. November 1869 allein 97 Stösse beobachtet worden waren, heimsuchten. Sicherlich stehen auch die in den vergangenen Jahrzehnten so häufig wiederkehrenden Rheinüberschwemmungen mit diesen Senkbewegungen der Rheinebene in engstem Zusammenhang, da durch diese eine Stauung der Wassermassen des Oberrheins am Binger-Loch herbeigeführt wird. Doch kann diese Gefahr umso eher beseitigt werden, je eifriger man bemüht sein wird, durch Sprengung dieser Felsen dem Wasser den rascheren Abfluss zu erleichtern.
Schluss.
In dem vorangehenden Abschnitte haben wir eine Schilderung der quartären Verhältnisse des Mainzer Beckens zu geben versucht und in derselben die organische Lebewelt ausführlich gewürdigt. Wenn wir dabei eines ihrer hervorragendsten Mit- glieder, nämlich des Menschen, der notwendig in das Bild des quartären Lebens hinein- gehört, nur mit wenigen kurzen Worten gedacht haben, so geschah dies nicht aus mangelndem Interesse, sondern nur aus der inneren Ueberzeugung, dass die Urgeschichte unserer Vorfahren, die gerade in den letzten Jahren durch zahlreiche Entdeckungen in unserer Gegend eine bedeutsame Förderung erfahren hat, eine besondere Behandlung beanspruchen darf.
Alle bisher gemachten Funde weisen darauf hin, dass der Mensch erst während der Diluvialzeit von Asien her in Europa eingewandert ist. Höchst wahrscheinlich erfolgte diese Einwanderung nach der mittleren Diluvialzeit, da vor und während der Haupteiszeit wegen der allgemeinen Eisbedeckung für den Menschen in Europa und den angrenzenden asiatischen Gebieten kein anderer Raum als das eisfreie südöstliche Russland vorhanden war. Nur von hier aus konnte demnach der Einzug des Menschen in Begleitung der wieder zurückkehrenden Tierwelt stattgefunden haben. Wie uns die Diluvialsande und vor allem die Mosbacher Sande erzählen, lebten die ersten diluvialen Menschen mit dem Mammut, dem Rhinozeros, dem Rentier, dem Höhlenbären, dem Höhlenlöwen, der Höhlenhyäne, dem Auerochsen, dem Elen, dem Wildschwein, dem Hirsch, dem Wildpferd und den anderen früher schon erwähnten Tieren zusammen, Um sein armseliges Dasein zu fristen, war der Mensch gezwungen, diesen Tieren nachzustellen und sie entweder mit seinen primitiven Waffen aus Stein, Knochen oder Horn zu erlegen oder durch angelegte Fanggruben zu erbeuten. Die Tierfelle dienten ihm zur Kleidung, ihr Fleisch bildete seine Nahrung, die anfangs wohl roh und erst später, als die Feuer- erzeugung ihm vertraut wurde, in gekochtem Zustande genossen wurde. Bei seinen Jagdzügen schien er schon bestimmte Routen eingehalten und dabei dieselben Hügel und Höhen zu Lagerfeuern und zum Bereiten der Mahizeit benutzt zu haben.- Zum Schutz gegen die Unbilden der Witterung und zum Uebernachten zog er sich in die


