Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
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als Regen, Bach- und Flusswasser an der Ausbildung der Oberflächengestalt unserer Gegend sich betätigte. Die Berge wurden von ihm abgetragen, einzelne Täler dagegen vertieft und das zerstörte Gesteinsmaterial in Form von Fluss- und Bachschotter, Kiesen, Sanden, Lehmen in den Talsohlen in der Nähe der Flüsse und Bäche abgelagert. Diese Sedimente überragten den Wasserspiegel nur wenig und hüllten nur solche Reste von Organismen ein, die auch die heutige Gegend noch bevölkern. Alle diese Ablagerungen bezeichnet man mit dem Namen Alluvium, und sie sind die jüngsten Bildungen unserer Erdkruste, deren Entstehung gegenwärtig noch ununterbrochen erfolgt. Die Alluvionen des Mainzer Beckens sind ausschliesslich die Produkte der Tätigkeit des Rheins und seiner Nebenflüsse. In der Rheinebene haben diese Gewässer ihr Bett in die diluvialen Schotter und Sande eingewühlt, einen Teil derselben zerstört, mit sich fortgerissen und an anderen Stellen wieder abgesetzt. Hierdurch wurden die alten Bette häufig verstopft und die Gewässer gezwungen, sich neue Bette zu graben. Zahlreiche Schleifen und Schlingen zeigen daher die in jener Zeit erlittenen Richtungsveränderungen der Fluss- läufe an und die noch jetzt erkennbaren alten Bette sprechen ebenfalls hiervon. Bei dem Rheine sind viele dieser Schleifen ‚durch Durchstiche im Interesse der Schiffahrt und wegen der Ueberschwemmungsgefahr beseitigt oder der langsamen Ausfüllung über- liefert worden. Sie führen in unserer Gegend den NamenAltrhein. Ein besonders auffallendes Beispiel einer solchen Laufveränderung zeigt der Neckar. In früheren Zeiten hatte dieser Fluss eine von der heutigen ganz verschiedene Richtung eingeschlagen. Nach seinem Austritt aus dem Gebirge lief der Neckar von Heidelberg nordwärts an der Bergstrasse entlang an Weinheim, Hemsbach, Bensheim und Zwingenberg, dann an Eschollbrücken, Goddelau und Gross-Gerau vorbei, wandte sich westlich über Wallerstätten nach Trebur, um bei Astheim in den Rhein zu münden. Lange Zeit hindurch mussten ‚die alten Flussläufe streckenweise noch Sammelbecken für die atmosphärischen Wässer und kleineren Wasseradern abgeben, wodurch sie die natürliche Veranlassung zur Ent- stehung von Sümpfen und Mooren wurden, in denen sich Torf entwickeln konnte. Daher ist auch das alte Neckarbett, dessen Boden fast überall mit dünnen Schichten von Ton oder Schlick ausgekleidet ist, von grossen Torflagern ausgefüllt. Während die Tone und ‚der Schlick nur Petrefakten alluvialer Land- und Süsswassermollusken in sich bergen, wurden dagegen in den Torfen zahlreiche Reste grösserer Landsäugetiere, von Pferden, Rindern, Schweinen, Schafen und Hirschen entdeckt, von denen einige, wie verschiedene Geweihstücke von Hirschen, Spuren menschlicher Bearbeitung aufwiesen.

Unbemerkt sind wir durch die Schilderung des Alluviums in die Gegenwart ‚eingetreten, durch deren täuschende Ruhe wir leicht zu dem Glauben verleitet werden, :als ob die Entwickelung unserer Umgebung nun abgeschlossen sei und die Bewegungen in unserer Erdrinde ihr Ende erreicht hätten. Doch die Natur kennt keinen Stillstand. Die Kräfte, die schon seit Urzeiten tätig waren, arbeiten auch jetzt noch ununterbrochen fort, selbst wenn ihre Wirkungen nicht immer sofort erkennbar sind. Unaufhaltsam schreitet die Abkühlung unseres Planeten weiter und zwingt die Erde zu einer langsamen, ‚stetigen Zusammenziehung, die in den Senkungsfeldern ihren Ausgleich findet. In diesen Gebieten halten daher auch heute noch jene seit den ältesten Zeiten bestehenden Bewegungen an, und die seit der Diluvialzeit wieder begonnene langsame Senkung der Rheinebene sowie das Emporsteigen des Taunus und des Hunsrücks nehmen unausgesetzt ihren Fortgang. Selbstverständlich müssen hierbei von Zeit zu Zeit Erschütterungen