Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
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ma hans

Wiederum änderten sich die klimatischen Verhältnisse. Die Niederschläge er- folgten wieder reichlicher und nahmen derart zu, dass abermals eine kalte Periode, die sogenannte letzte Eiszeit Europas eintrat. Sie war weniger kalt als die Haupteiszeit, sodass die Vereisung kaum die Hälfte des Gebietes der früheren Vergletscherung ein- nahm. Das mittlere Europa blieb vom Eise frei und in den Alpen waren die Gletscher zwar bis über den Bodensee vorgerückt, erreichten aber die Donau nicht. Auf den Randgebirgen der Rheinebene waren nur auf den höchsten Rücken des Schwarzwaldes und der Vogesen kleine Firnmeere und Gletscher vorhanden. Unter diesen Verhältnissen konnte sich in jenen Gebieten weder die Steppenflora noch ihre Fauna halten. Dagegen gediehen die Waldpflanzen um so besser. Der Wald verliess die Flussufer und breitete sich wieder über die fruchtbare Lösslandschaft aus. Die eigentlichen Steppentiere, wie Saiganantilope, Bombak, Pfeifhase u. dergl., die an ein milderes Klima gewöhnt waren, zogen sich nach der asiatischen Steppe zurück, während ein anderer Teil der Tiere, wie der Höhlenlöwe und andere der Nässe und Kälte erlagen. An ihre Stelle zogen die vorher die Alpen und den Norden bewohnenden Tiere, wie Murmeltiere, Steinböcke, . Moschusochsen und Rentiere in grosser Zahl in unsere Gegend ein. Besonders das Rentier war sehr zahlreich in Europa erschienen, wie die erstaunlichen Mengen von Knochenresten in Begleitung der Steinwerkzeuge des paläolithischen Menschen in den Höhlen beweisen. Da das Rentier aber keinen warmen Sommer verträgt und haupt- sächlich auf Flechtennahrung angewiesen ist, so lässt sich schliessen, dass die Temperatur der jüngsten Eiszeit eine ebenso niedrige wie jetzt die des nördlichen Sibiriens und Kanadas gewesen sein musste. Der Mensch hatte sich in die schutzgewährenden Höhlen zurückgezogen und barg seinen Leib durch Bekleidung mit den Fellen der Jagdtiere gegen die Kälte und sonstigen Unbilden der Witterung. Doch diese Kälteperiode war nicht von allzulanger Dauer, und das Klima wurde wieder wärmer. Der Rückzug des Eises begann von neuem und kam nicht eher zum Stillstande, als bis die Grenze erreicht war, die die Gletscher heutigen Tages noch einnehmen. Auch die Trockenheit stellte sich wieder ein, und unsere Gegend wurde nochmals Steppe mit unendlichem Grasteppich und ihren Steppenbewohnern. Die Sandstürme häuften wieder Löss auf und schufen die obere Lössablagerung. Dann verging auch diese letzte Steppe, weil es offenbar wieder weniger dürr und das Klima feuchter und kühler geworden war. Diese Ver- änderung rief den Wald zurück, der sich nach und nach dichter zusammenschloss und die Steppentiere wieder zur Auswanderung zwang. Die früher vom Eise und der Steppe verscheuchten Waldtiere hielten von neuem ihren Einzug und behaupteten von nun ab das Feld. Durch allmählichen Uebergang ging aus diesem Walde der feuchte Sumpf- wald der alten Germanen hervor, der uns durch die Schilderungen der Römer bekannt geworden ist. Dieser hauptsächlich von Eichen und Erlen bestandene Wald hatte im Laufe der letzten Jahrtausende ebenfalls eine weitere Umwandlung dadurch erfahren, dass die Sümpfe und Moore immer mehr austrockneten und verschwanden. Durch die jetzt einwandernden Buchen wurden die früheren Waldbewohner langsam verdrängt und durch sie ersetzt. Aus den sumpfigen, feuchten germanischen Fichenwäldern haben sich auf diese Weise unsere heutigen herrlichen Buchenwälder entwickelt.

Aehnlich wie bei der organischen Welt erfolgte auch die Erdrindeumgestaltung aus der Diluvialzeit bis zur Gegenwart ganz allmählich. Unter Beihilfe von Wind und Eis war es vorzugsweise das Wasser, das in seinen verschiedenen Erscheinungsformen