Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
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einen öden und unwirtlichen Charakter. Dem Landwirt sind sie ein gefährlicher Gegner, der oft jede Kulturanlage unmöglich macht.

Ganz anders verhält es sich mit dem zweiten Schöpfungsprodukte des Windes, mit dem Löss.

Der Löss ist ein sandiger und kalkhaltiger Lehm von lichtgelblich grauer Farbe, der im feuchten Zustande ziemlich zusammenhangend, in trockenem Zustande zwischen den Fingern leicht zerreibbar ist. Quarz in äusserst feinen Körnchen bis zu 60°/,, etwas Ton, fein zerteiltes Karbonat, sowohl kohlensaurer Kalk als auch kohlensaure Magnesia in wechselnden Mengen, als Bindemittel sowie wenige kleine, zerstreute Glimmerblättchen bilden die Hauptbestandteile. Jede horizontale Schichtung geht ihm ab, dagegen ist die senkrechte Absonderung des Lösses eine Eigentümlichkeit, durch die auch die Schroffheit seiner Wände und seine Neigung zur Terrassenbildung bedingt ist. Sehr bezeichnend für ihn ist das Vorkommen kleiner Land- und Süsswasserschnecken, von denen wir hier nur die häufigsten, wie Succinea oblonga, Helix hispita, Helix arbustorum, Pupa muscorum, Clausilia parvula und CÖyclostoma bisulcatum anführen wollen. Diese Gehäuse sind aber keineswegs gleichartig verteilt, sondern meist lagenweise zu finden. In gleicher Weise merkwürdig ist aber auch das Auftreten eigenartiger, senkrecht gestellter Kalkknöllchen, röhrenartiger Konkretionen, die zuweilen so absonderlich verwachsen sind, dass die BezeichnungLösskindel oder Lössmännchen für sie eingeführt worden ist.

Dieser typische Löss findet sich jedoch nur auf primärer Lagerstätte. An an- ‚deren Stellen sehen wir ihn durch Mischung mit Ton in Laimen(Lehm) oder durch Mischung mit Sand in sogenannten Sandlöss übergehen. Der erstere kommt haupt- sächlich an den Talgehängen vor, während der Sandlöss besonders in solchen Gebieten auftritt, wo Sand und Löss aneinanderstossen und derartig in einander ühergehen, dass man, wie Chelius und Vogel an dem Löss bei Gross-Umstadt gezeigt haben, das Material solcher Zwischenzonen für. Löss hält, wenn man aus dem Flugsandgebiet kommt, für Sand, wenn es aus dem Lössgebiet betreten wird. Hieraus folgt mit zwingender Not- wendigkeit, dass für die Gebiete des Mainzer Beckens der Löss und der Flugsand auf die gleiche Art, nämlich durch den Wind entstanden sein müssen.

Der Löss bedeckt daher hauptsächlich auch die Ränder und Kuppen der Berge der Rheinebene und dringt häufig in die Seitentäler ein. In den den Hardtrand durch- brechenden Tälern, sowie in dem Neckartale mit Ausnahme seiner Mündung fehlt der Löss; ebenso sind alle Bergplateaus des rheinischen Schiefergebirges vollkommen löss- frei, was die Annahme nahe legt, dass dieselben zur Diluvialzeit grösstenteils mit Wald bedeckt gewesen seien. Dagegen umsäumt der Löss den Taunus, den Odenwald, die Hardt und breitet sich in Rheinhessen über die tertiären Stufen bis gegen den Donners- ‚berg aus, wobei seine Mächtigkeit umsomehr abnimmt, je mehr man sich vom Rheine ‚entfernt. Während man bei Kempten und Guntersblum in den 10 bis 12 m mächtigen Ablagerungen des Lösses tiefeingeschnittene Hohlwege, deren schroffen, steilen Wände von Grabwespen und Uferschwalben sozusagen siebartig durchlöchert sind, beobachten kann, trifft man in der Umgebung des Donnersberges nur noch kleinere flache Löss- partien an. Der grossen oberflächlichen Verbreitung des Lösses verdankt Rheinhessen seine unerschöpfliche Fruchtbarkeit, denn durch eine ausserordentlich günstige Mischung von Sand, Kalk und Ton und durch den Gehalt an Phosphaten ist er wie für das Wachstum .der Pflanzen vorbereitet und für den Weinbau ebenso wertvoll wie für den Getreidebau.