Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
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Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung.

Eine historisch-geologische Skizze von Professor Dr. Georg Müller.

Einleitung.

Nachstehende Abhandlung macht keinerlei Anspruch darauf, neue Beobachtungen oder bisher nicht veröffentlichte Forschungsresultate zu bringen, noch will sie den geologischen Aufnahmen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Geologischen Landesanstalt zu Darmstadt vorgreifen. Sie hat nur den Zweck, das bis jetzt bekannte, sehr umfangreiche Material der geologischen Erforschung unserer Gegend, das in einer grossen Zahl von Spezialwerken, Zeitschriften u. dergl. zerstreut und nicht immer zu- gänglich ist, in einer für unsere Schüler und die Gebildeten verständlicheren Form darzubieten. Diese Arbeit will einen historischen Ueberblick über die geologischen Verhältnisse Alzeys und seiner Umgebung, gleichsam eine Erd- und Schöpfungs-Geschichte, liefern,.die dazu beitragen soll, in unserer Jugend und auch in weiteren Kreisen das Interesse für den Aufbau und die Entwickelung der Erdkruste unserer Heimat zu wecken und den durch die geologischen Formationsverhältnisse bedingten landschaftlichen

Charakter unserer Gegend verstehen zu lernen.

ALZEY, eine Kreisstadt in der Provinz- Rheinhessen, liegt aufeinem Hügellande, das den NamenRheinhessisches Plateau führt. Dieses Hügelland ist dem vom Donners- berge überragten Pfälzer Gebirge, das sich zwischen Kaiserslautern und Kreuznach ausbreitet, nach Osten hin vorgelagert und bildet einen--Teil des in dem Kreise der Geologen wohl- bekannten Mainzer Beckens. Diese Landschaft umfasst das nördliche Gebiet des ober- rheinischen Gebirgssystems, dem hauptsächlich die oberrheinische Tiefebene mit ihren sie umschliessenden Bergen angehören. In einerLänge von circa 800 km ist diese Ebene von Basel bis Mainz und Frankfurt hin weit ausgebreitet und von Gebirgen rings umgeben. Im Osten bilden der Schwarzwald und der Odenwald, im Westen die Vogesen, die Hardt und das rheinhessische Hügelland die Grenzen, während im Norden der Taunus und im Süden der Schweizer- Jura als Abschluss vorgeschoben sind. In. vielen Bogen und grossen Schlingen, die häufig der Schiffahrt wegen durch Durchstiche gekürzt sind, durcheilt der Rheinstrom diese Tiefebene. Nicht als ein riesiges Flusstal, das sich der Rhein durch seine rastlose Tätigkeit selbst geschaffen hat, sondern als eine weite Erdspalte, als ein breiter Graben, welcher durch die Einsenkung der Erdkrustenteile entstanden, ist diese Ebene anzusehen. Bei seinem Erscheinen hat der Rhein sie schon vorgefunden und mit Sand- und Schottermassen ausgefüllt. Wenn auch der Boden dieses Grabens von einem erhöhten Standpunkte, wie z. B. dem Melibokus aus als fast vollkommen eben erscheint, so ist dies in Wirklichkeit nicht der Fall. Eine ganze Anzahl alter Fluss- und Bachläufe haben Vertiefungen eingeschnitten, dünen- artige Sandhügel, ein hügeliger Saum und eine diluviale Terrasse, die den Steilge- hängen der Grenzgebirge, wie z. B. dem ÖOdenwalde, vorgelagert sind, verleihen der Landschaft eine mehr oder minder wellige Oberfläche. Diese soeben ge-'