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geräumte Zimmer mitbenutzen konnten, ſo daß unſern Schülern wenigſtens 8—10 Stunden wöchentlichen Unterrichts für jede Claſſe ertheilt werden konnten.
Eine Vermehrung der wöchentlichen Unterrichtsſtunden wurde uns indeſſen durch die Guͤte des Herrn Fried⸗ rich Brück und des Herrn Franz Augſtein möglich gemacht, indem uns jeder derſelben in ſeinem Hauſe ein Zimmer einräumte, in welchem bis zum 15. Auguſt die drei oberen Claſſen je 21 Stunden wöchentlichen Unterrichts erhielten, während die 4. Claſſe und die Vorſchule alsdann bei Alleinbenutzung der zwei Zimmer im Pfarrhauſe je 19 Stunden wöchentlichen Unterrichts empfieggen. de
Am 17. Auguſt endlich konnten wir unſere gewöhnlichen Schulräume im Amthauſe wieder beziehen, nach⸗ dem dieſelben gründlich desinficirt worden waren. Seitdem konnte in jeder Claſſe wieder die lehrplanmäßige Zahl von Unterrichtsſtunden ertheilt werden. 1 ene nn 12 Kene e e
Am 26. September nahm der hochwürdigſte Herr Biſchof von Mainz, wie alle drei Jahre bei Gelegenheit der Ausſpendung der Firmung, mit den katholiſchen Realſchülern im Locale der Anſtalt im Beiſein der Lehrer eine Religionsprüfung vor, mit deren Ergebniſſe ſich derſelbe zufrieden erklärte, dann an die Schüler väterliche Ermah⸗ nungen richtete und zum Schluſſe den Anweſenden den biſchöflichen Segen ertheilte.. 68
Unter dem Lehrerperſonal der Anſtalt traten im Laufe des Schuljahres mehrere Veränderungen ein.
Gegen Ende Juli's 1870 ſchied Herr Emil Julius Arnold Hof, evangeliſcher Pfarrer und Reli⸗ gionslehrer der evangeliſchen Realſchüler, aus ſeinem hieſigen Wirkungskreiſe, um die Pfarrei Nieder⸗Ingelheim zu uͤbernehmen. Seine vieljährige hieſige Wirkſamkeit hat ihm die Liebe und Anhänglichkeit ſeiner Schüler und die allgemeine Achtung für immer geſichert.— Sein Amtsnachfolger liefert uns folgende Lebensüberſicht:
Dr. Auguſt Bergmann, geboren zu Nieder⸗Saulheim am 7. Auguſt 1837, abſolvirte das Gym⸗ naſium zu Darmſtadt und widmete ſich dann von 1856—1859 auf der Univerſität Gießen dem Studium der evange⸗ liſchen Theologie. Nachdem er dann noch ein Jahr das evangeliſche Predigerſeminar in Friedberg beſucht hatte, kam er als Lehrer an das Schmitz'ſche Inſtitut nach Darmſtadt und bekleidete neben dem Lehramte zugleich die Stelle eines Pfarr⸗Aſſiſtenten zu Beſſungen bis zum Jahre 1865; von da an war er als Pfarrvicar zu Dexheim und Wörrſtadt angeſtellt, bis er am 27. Juli 1870 die Pfarrverwalterſtelle in Bingen antrat und durch Decret
vom 3. Dezember 1870 zum Pfarrer daſelbſt ernannt wurde. 18
Auch der ſeitherige katholiſche Religionslehrer, Herr Kaplan Leonhard Herke, trat am 3. November aus ſeiner hieſigen Stellung, welche er ſeit dem 11. Oktober 1866 bekleidet hatte. Die Liebe ſeiner Schüler, die Werthſchätzung ſeiner Mitlehrer und die allgemeine Achtung der Gemeindeangehörigen begleiteten ihn in die neue Stellung in Darmſtadt, wohin er als Kaplan und Lehrer berufen worden war.— Ueber ſeinen Nachfolger als Religionslehrer, Herrn Kaplan Theodor Römer, liegen folgende biographiſchen Notizen vor:.
Geboren zu Alzey am 16. März 1839, beſuchte derſelbe von 1852 bis 1856 die Realſchule zu Alzey, von 1856 bis 1858 das Gymnaſium zu Mainz, von 1858 bis 1862 das Prieſterſeminar zu Mainz. Nach ſeiner Ausweihung zum Prieſter war er nach einander als Kaplan verwendet worden in Viernheim, Lorſch, Oppenheim und ſeit Auguſt 1869 in Bingen, wo er am 3. November 1870 in den Dienſt als Religionslehrer an der Real⸗ ſchule eingewieſen wurde.—.
Zum Schluſſe dieſer Perſonalnotizen haben wir noch des Ablebens eines Mannes zu gedenken, der ſich beſondere Verdienſte um Bingen dadurch erworben hat, daß er vor 32 Jahren die hieſige Realſchule organiſirte, deren erſter Director er war. Zur Anerkennung dieſer Verdienſte widmen wir ihm hier einen dankbaren Nachruf und ein gedrängtes Bild ſeines Lebensganges.
Leonhard Arzberger, geboren zu Bensheim am 19. Januar 1807, beſuchte das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt mit Auszeichnung und bezog dann die Univerſitäten Würzburg und Gießen, wo er mit großem Fleiße Theologie und nebenbei Philologie ſtudirte. Nach dem Beſuche des Prieſterſeminar's zu Mainz wurde er am 21. Auguſt 1829 ausgeweiht und ſogleich als Lehrer am Schullehrerſeminar zu Bensheim angeſtellt. Im Jahre 1838 übernahm er auf den Wunſch aller zuſtändigen Behörden die Gründung und Leitung der Realſchule zu Bingen. Seiner Ausdauer unter vielen Unannehmlichkeiten und Unzuträglichkeiten, die ihm von allen Richtungen her entgegen⸗ traten, ſowie dem durchgreifenden Schutze des damaligen Großherzoglichen Oberſchulrathes und des Großherzoglichen Miniſteriums iſt hauptſächlich der Fortbeſtand der Anſtalt zu verdanken. Indeſſen wurde ihm durch die fortwäh⸗ renden Kämpfe ſeine hieſige Stellung doch ſo verleidet, daß er im Herbſte 1840 von hier ſchied, um ſich fortan ganz der Seelſorge zu widmen. Er verwaltete nacheinander die großen und beſchwerlichen Pfarreien Groß⸗kUmſtadt, Ober⸗Abtſteinach und ſeit 1856 Seligenſtadt. Neben ſeiner ausgezeichneten Thätigkeit auf der Kanzel, im Beicht⸗ ſtuhle und am Krankenbette war auch ſein Eifer für die Hebung der Schule ein ſegensreicher, über die Grenzen ſeiner Ge⸗ meinde weit hinausreichender, indem er fünfzehn Jahre lang das Amt eines Kreis⸗Schulcommiſſärs verwaltete. Seine großherzige Wohlthätigkeit erwarb ihm ebenſo die Liebe aller Armen und Nothleidenden, wie ihm ſeine leutſelige Duldſamkeit auch die Achtung Andersgläubiger verſchaffte. Nachdem er ſchon früher das Nervenfieber zweimal glücklich überſtanden hatte, wurde er um die Mitte November's in Folge einer Erkältung von einer Lungenentzün⸗ dung befallen, die wieder in ein Nervenfieber übergieng. Am 1. Dezember machte ein Hirnſchlag ſeinem Leben ein Ende. Ey ruhe in Frieden! u. 6 amerd nrnln 1 2rfn1en d 6 et n Aus gefälliger Rückſicht auf die hieſige Realſchule, deren erſter Director der Verewigte geweſen war, ver⸗
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